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Beiträge zur Geschichte  









winkender Honnecker

Wolfgang Bernhagen

Erich Honeckers Sozialismusbild

Nach dem Zusammenbruch des 'real existierenden Sozialismus' in der DDR ist es legitim, seine einstigen Spitzenfunktionäre nach ihrem Sozialismusbild zu befragen; denn ihre Vorstellungen und Auffassungen haben mit dazu beigetragen, Staat und Gesellschaft in der DDR zu prägen. Erich Honecker hat sich zu seinem Sozialismusbild mehrfach öffentlich geäußert. Seine Auffassungen finden sich vornehmlich in zwei Publikationen und zwar in dem Interviewbuch von Reinhold Andert und Wolfgang Herzberg "Der Sturz - Erich Honecker im Kreuzverhör", Berlin und Weimar 1990 und in der von ihm selbst verfaßten kleinen Schrift "Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen", Hamburg 1992.

Für Erich Honecker war die DDR natürlich ein sozialistisches Land, denn wörtlich sagt er zu Reinhold Andert und Wolfgang Herzberg: "Natürlich war das schon Sozialismus" schränkt dann aber ein "auf jeden Fall ein großes Stück von ihm"(1). Damit ergibt sich die Frage, welche Faktoren seinen Sozialismusbegriff geprägt haben. Es war wohl in erster Linie der Traum vom besseren Leben, den der Wiebelskirchener Proletariersohn verwirklicht sehen wollte, wobei, wie im einzelnen noch gezeigt werden soll, als Vorbild das kleinbürgerliche Milieu mit seiner kleinen aber auch nur relativen Sicherheit, wie sie etwa bei kleinen Beamten zu finden war, mit ausreichender Ernährung, notwendige Kleidung und einfachen Wohnverhältnissen, ins Auge gefaßt war.

Das Leitbild für das staatliche und gesellschaftliche Gepräge des Landes bezog er offenbar, wie noch dargelegt werden soll, von der Sowjetunion, in der er 1930 ein Jahr die Leninschule und 1955 die Hochschule des ZK der KPdSU absolvierte.

Wenden wir uns nun zuerst seinen in Wiebelskirchen geprägten Sozialismusauffassungen zu, über die er sich Reinhold Andert und Wolfgang Herzberg gegenüber wie folgt äußert: "Hatten nicht bei uns alle zu essen und zu trinken? Ja! Hatten nicht bei uns alle die Möglichkeit, sich sowohl für den Sommer, den Herbst, den Winter und das Frühjahr zu kleiden? Ja! Gab es in der DDR Obdachlose? Nein, im Gegensatz zu den 900.000 in der BRD. Hatten die Kinder eine gute Ausgangsbasis für ein gutes Leben von der Geburt bis zum 16. oder 18. Lebensjahr? Ja! Gab es eine kosten- lose ärztliche Betreuung, obwohl der Krieg alles vorher zerstörte? Ja! Gab es nicht das Recht auf Arbeit, für jede Arbeit, für jeden Beruf? War das Volk der DDR faul oder fleißig? Wurden nicht in der kurzen Zeit von 18 Jahren 3,4 Millionen Wohnungen für über 9 Millionen Menschen neu gebaut oder modernisiert? Wo auf der Welt gab es das alles? Hat man vergessen, daß es für alle in der DDR ohne Gleichmacherei, 99 kg Fleisch pro Kopf, 15,5 kg Butter pro Kopf, über 200 Eier pro Person pro Jahr gab? Richtig, der Mensch lebt nicht vom Brot allein! In der DDR konnte jeder nach seiner Fasson selig werden."(2)

Diese Worte, die einer Parteitagsrede Honeckers entnommen sein könnten, widerspiegeln am besten, was dem Wiebelskirchener Proletariersohn als Traum vorschwebte und den er in der DDR verwirklicht sah; denn in der Tat, rosig sah es bei den Honeckers hinsichtlich Essen, Trinken und Kleidung nicht aus, denn auf die Frage: Was gab es denn zu Hause zu essen, lautete seine Antwort: "Schwer zu sagen, was wir aßen. Wenn wir was hatten, zum Frühstück oft Brot mit Sirup, den man ja aus Rüben gewinnt. Das war das billigste, später gab es dann auch Kartoffelsuppe und andere Dinge, wie Nudeln und so weiter. Beim Abendbrot gab es Brot und irgend etwas dazu. Wir waren sehr stark interessiert an dem Metzger, der in der Nähe sein Geschäft hatte und Wurst machte. Es ging nicht um die Wurst, sondern um die Brühe, in der die Wurst gekocht wurde, die haben wir dann in Kannen abgeholt. Aber hinter unserem Haus begann ja ein kleiner Garten, der war voller Obstbäume, wo wir hin und wieder Äpfel klauten. In der damaligen Zeit haben alle Menschen bei uns sehr bescheiden gelebt, selbstverständlich mit Ausnahme von Geschäftsleuten."(3)

Sozialismus war also für Erich Honecker in erster Linie ordentliches Essen und der oft zitierte Verbrauch von Fleisch, Butter und Eiern. Wo von damals eine Proletarierfamilie kaum zu träumen wagte, avancierte in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zur sozialistischen Errungenschaft, und immer wieder kommt er darauf zurück. So äußerte er sich seinem Nachfolger Egon Krenz gegenüber, als dieser Veränderungen im Sinne von Perestrojka in der Sowjetunion anmahnte: "Was sollen wir denn eigentlich beschleunigen?" fragte er mit demagogischem Unterton. "Unser Wohnungsbauprogramm? Wir würden nur Disproportionen schaffen! Unseren Fleisch- und Butterverbrauch? Wir haben ohnehin einen der höchsten in Europa." Jede Argumentation gegen die Perestrojka gipfelte direkt oder indirekt in der Frage: "Welchem sozialistischen Land in der Welt geht es besser als uns? Wollt ihr Perestrojka und Glasnost oder volle Regale?"(4)

Da der Mensch, wie er ja selbst gesagt hatte, nicht vom Brot allein lebt, lesen wir an anderer Stelle: "Wir konnten nicht immer genügend Bananen einführen, aber man konnte leben, mir scheint, besser, vor allem sicherer als heute in der 'freien Marktwirtschaft'."(5) Die fehlenden Bananen wurden dann auch zu einem ideologischen Problem, das der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, wie folgt sah: "Der Sozialismus ist so gut; da verlangen sie immer mehr und mehr. So ist die Sache. Ich denke immer daran, als wir erlebten, ich konnte auch keine Bananen essen und kaufen, nicht weil es keine gab, sondern weil wir kein Geld hatten, sie zu kaufen. Ich meine, das soll man nicht so schlechthin nehmen; das soll man ideologisch nehmen, die Einwirkung auf die Menschen."(6) Aber darum ging es wohl nicht, wie der Staatssicherheitsminister uns glauben machen will. Kein anderer als Karl Eduard von Schnitzler, einstiger Chefkommentator des DDR-Fernsehens, hat es mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: "Gewiß war die Versorgung mit Lebensmitteln nicht variabel genug, mit Waren des täglichen Bedarfs unzureichend."(7) Darüber konnte auch nicht hinwegtäuschen, wenn Erich Honecker erklärte: "Wir haben über das handelsmäßig vereinbarte Volumen von jährlich 15 Milliarden Rubel hinaus an unsere Bauern appelliert, ihre Kartoffelmieten wieder zu öffnen, um 300.000 Tonnen Kartoffeln nach Moskau und Leningrad zu liefern, damit die Bürger Moskaus und Leningrads wenigstens Kartoffeln hatten für ihre Ernährung."(8) und an anderer Stelle sagte: "Die Versorgung mit Lebensmitteln erfolgte in den letzten 8 Jahren im wesentlichen durch die eigene Landwirtschaft, und wir exportierten in den letzten 10 Jahren Fleisch, Butter und Kartoffeln, um anderes einführen zu können."(9) Die ausreichende Versorgung mit Kartoffeln, Fleisch und Butter war für den Staats- und Parteichef eine Art sozialistischer Errungenschaft, an der man sogar noch die große Sowjetunion teilnehmen lassen konnte.

Ein weiterer Erfolg des Sozialismus war für Erich Honecker, daß es für jeden ausreichend erschwingbare Bekleidung gab. Er selbst erinnert sich: "Ich war durch meine Mutter gut gekleidet, selbstverständlich bescheiden, aber wir verfügten, wie gesagt, über eine Nähmaschine. Mutter hat alles selber gemacht, was ich anzog. Ich kann mich erinnern, daß sie mir einmal einen sehr schönen Matrosenanzug genäht hat."(10) Dazu ist zu bemerken, daß es noch zur Zeit der Kindheit des späteren Parteichefs in Arbeiterhaushalten üblich war, daß Kleidung vererbt, Anzüge gewendet und viele Kleidungsstücke im Haushalt selbst genäht wurden. Der Gang zum Konfektionär, wenn schon erforderlich, war somit ein ganz großes Erlebnis. Genügend Geld für Kleidung zur Verfügung zu haben, mußte für Erich Honecker so etwas wie eine soziale Errungenschaft darstellen. Kein Wunder, daß, als es einmal nicht genügend Damenschlüpfer zu kaufen gab und vom Frauenbund eine Anleitung zum Selbstnähen dieses Kleidungsstückes herausgegeben wurde, dieser Fakt zu einer Angelegenheit im Politbüro geworden war.(11) Hier ist ein Nerv getroffen worden.

Die eigene Versorgung mit Textilien stand immer erst an zweiter Stelle vor dem Export. Deshalb bekennt Erich Honecker angesichts dieser Tatsache, als er eine Exportmusterschau im Ringmessehaus anläßlich der Leipziger Messe besuchte: "Deshalb haben wir die Aufgabe gestellt, keine Produkte nur für den Export, sondern immer auch für die eigene Versorgung der Bevölkerung."(12)

Das niedrigste Versorgungsniveau war für ihn offenbar schon das ausreichendste und eine soziale Errungenschaft. Daß es aber Weiterentwicklungen gab, wurde kaum reflektiert und nicht mit Lebensgefühl und Lebensqualität in Verbindung gebracht, sondern mit der Ökonomie, ja mit dem Kapitalismus überhaupt, denn bei ihm lesen wir: "Ob mal ein Rock lang oder kurz ist und so weiter. Die Mode wirkt selbstverständlich auch auf die Entwicklung der Industrie. Aber das wird in der kapitalistischen Welt hauptsächlich durch die Profitwirtschaft forciert."(13)

Von entscheidender Bedeutung war in der DDR die Grundversorgung mit Textilien, unabhängig davon, ob sich neue Trends und Entwicklungen zeigten. Das scheint verständlich für einen Mann, der für seine Wiebelskirchener Zeit bekennt: "Man kann nicht sagen, daß wir groß einkaufen gingen. Ich ging nicht selten mit meiner Mutter nach Neukirchen, aber ein großer Einkauf, wie das heute so üblich ist, kam nicht vor."(14)

Ein Interesse an einem ausreichenden Warenangebot mit günstigen Preisen schien der erste Mann im Staate kaum zuhaben. Die DDR war für ihn in Hinsicht auf das Warenangebot eine sozialistische Errungenschaft, wenn er verkündete: "Man kann doch nicht sagen, daß unsere Schaufenster zum Schluß schlecht waren. Aber plötzlich durch ein westliches Kaufhaus zu laufen, war dann doch etwas anderes." Und warum, fragt man sich an dieser Stelle? Die Antwort lautet schlicht: Solche Kaufhäuser konnten wir auch haben, wir brauchten dazu bloß die Preise zu erhöhen."(15) Fragt sich nur, wie das hätte ermöglicht werden sollen, wenn, wie er an anderer Stelle bemerkt, schon 1970 der Rückstand gegenüber der Bundesrepublik 30 % betrug(16), andererseits Mikrowellengeräte, Videorekorder und Radiorekorder in der DDR überhaupt nicht produziert wurden, abgesehen von den Importen aus anderen Ländern, für die Devisen kaum bereitstanden.


Kommen wir nun auf das Gebiet der Bildung zu sprechen, vor der Erich Honecker offenbar großen Respekt hatte, die ihm aber nie zugänglich werden sollte. Ein systematischer Wissens- und Kenntniserwerb war ihm schon allein durch seine zehnjährige Haft im Zuchthaus Brandenburg in seiner Jugend verwehrt und ließ sich später nicht mehr nachholen. In einem Fragebogen vom Februar 1946 antwortete er auf die Frage 115: Welche Zeitungen sowie politische und wissenschaftliche Bücher haben Sie gelesen? (Geben Sie Titel und Verfasser an) allgemein: "Zahlreiche Zeitungen, Bücher weniger."(17) Einiges von seiner Lektüre verrät er uns, zum Beispiel das Buch von Hermynia zur Mühlen "Der Spatz" und fährt dann weiter unten fort: "Ich habe später sehr viele Bücher gelesen, vor allem dann in Brandenburg. Was die politische Literatur betrifft: zum Beispiel Bucharin und Sinowjew, die habe ich sehr stark durchgearbeitet."(18) Für die Zeit seines Aufenthaltes an der Leninschule nennt er noch die Lektüre des Buches von A. Wollenberg "als Rotarmist vor München". Überraschen muß uns allerdings die Passage, die sich mit Schriften von sogenannten Parteifeinden beschäftigt. Er sagt nämlich seinen Interviewpartnern Andert und Herzberg: "Gut erinnere ich mich an das Buch 'Das ABC des Sozialismus' von Bucharin. Ich betrachte das als eines der wertvollsten Werke der Einführung in die sozialistische Theorie und Praxis. Das Buch hat heute noch eine sehr große Bedeutung. Ich würde es mit Genuß noch einmal durcharbeiten, wenn man heute in den Besitz eines solchen Werkes gelangen könnte. Überhaupt habe ich die ganze Entwicklung der Sowjetunion nie unter dem Blickwinkel einer Person betrachtet. Sinowjew, Bucharin, Kamenew, Trotzki fanden in der Leninschule alle ihren Niederschlag. Sie wurden für mich nie Konterrevolutionäre. Das haben andere getan."(19)

Diese Äußerung Honeckers muß uns doch sehr verwundern - hatte doch am 20. September 1948 das Zentralsekretariat der SED beschlossen, solche Themen wie "Was lehrt uns die Geschichte der KPdSU" und "Wie schaffen wir eine Partei neuen Typus?" in Bildungsveranstaltungen zu studieren.(20) In der Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang, dessen Autorschaft Stalin für sich in Anspruch nahm, waren jene, von Erich Honecker genannten Autoren schon "Unpersonen" und als Parteifeinde 'liquidiert'.(21) Über sie zu reden, hätte auch Honecker nicht gewagt, zumal er 1949 der deutschen Delegation zu Stalins 70. Geburtstag angehörte. Im übrigen, hätte er ernsthaft gewollt, hätte ihm als erstem Manne im Staate jedes Antiquariat, ob im In- oder Ausland, versucht, dieses Buch zu beschaffen, wenn man beispielsweise so viel Mühe aufgewendet hätte, wie für die Beschaffung einer Taschenuhr, die im Auftrage Lenins vom Botschafter Joffe in Berlin an Karl Liebknecht überreicht wurde und die Gorbatschow zum Geschenkt erhalten sollte. Sie wurde nach einer Auktion im kapitalistischem Ausland, wo sie ein Sammler erworben hatte, diesem wieder abgekauft - für 450.000 DM .(22)

Merkwürdig dagegen mutet es an, daß Honecker, nach seiner Lektüre befragt, keine Schriften von Marx, Engels oder Lenin nennt. Im Interviewbuch von Andert und Herzberg erwähnt er, allerdings im anderen Zusammenhang, Engels' Schrift "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates",(23) an anderer Stelle merkwürdigerweise das Werk des Sozialdemokraten Rudolf Hilferding "Das Finanzkapital".(24)

Sein Anliegen war es aber, der Jugend nicht nur eine soziale Sicherheit zu geben, sondern auch eine entsprechend auf dem "Marxismus - Leninismus" sowjetischer Prägung aufgebaute Bildung zu vermitteln. Aber wie sollte sie aussehen? Hermann von Berg, der 1951 einen Einjahreslehrgang an der Jugendhochschule absolvierte, die dem Zentralrat der FDJ unterstand, dessen Vorsitzender Erich Honecker war, berichtet darüber, daß die Menschheitsgeschichte als gesetzmäßiger Vorgang als Vorstufe für den kommenden Sieg des Sozialismus und Kommunismus darzustellen sei und fährt dann wörtlich fort: "Dabei war die Grundtendenz darauf gerichtet, die Abfolge der gesamten Menschheitsgeschichte als eine Kette gesetzmäßig ablaufender Revolutionen darzustellen, die in der Endkonsequenz die seit 1917 herrschende Epoche 'des Übergangs vom Imperialismus zum Sozialismus' eröffneten."(25) Gleiches konnte man auch von den allgemeinbildenden Schulen der DDR sagen, obwohl das Schulsystem auch von Gegnern der DDR als vorbildlich angesehen wurde.


Kommen wir nun zu den gesellschaftstheoretischen Auffassungen Erich Honeckers, die nach seinen eigenen Angaben auf Marx, Engels und Lenin beruhen, sich aber bei näherem Hinsehen als dogmatisch simplifiziert herausstellen und damit Marx, Engels und Lenin nicht treffen. Das behauptet Erich Honecker: "Man kann die Politik der friedlichen Koexistenz ihres Inhaltes berauben, sich von der Definition, wie Lenin sie gab, verabschieden, aber das Leben verläuft, ob man es will oder nicht, nach den Gesetzen, die Marx und Engels aufdeckten."(26) Man wird sofort die Frage stellen nach welchen? Lassen wir Marx selbst zu dieser Fragestellung antworten: 1852 schreibt er nämlich an Weydemeyer: "Was mich nun betrifft, so gebührt mir nicht das Verdienst, weder die Existenz der Klassen in der modernen Gesellschaft noch ihren Kampf unter sich entdeckt zu haben. Bürgerliche Geschichtsschreiber hatten längst vor mir die historische Entwicklung dieses Kampfes der Klassen und bürgerliche Ökonomen die ökonomische Anatomie derselben dargestellt. Was ich neu tat, war 1. nachweisen, daß die Existenz der Klassen bloß an bestimmte historische Entwicklungsphasen der Produktion gebunden ist; 2. daß der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats führt; 3. daß diese Diktatur selbst nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft bildet."(27) Marx nahm also für sich keine von ihm entdeckten Gesetze in Anspruch, nur eine dem damaligen Wissensstand entsprechende These aufgestellt zu haben, daß der Klassenkampf zur Aufhebung aller Klassen führt.

Und auch Engels konnte in seiner Rede am Grabe von Karl Marx nur feststellen: "Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte..." und weiter unten fährt er fort: "Damit nicht genug, Marx entdeckte auch das spezielle Bewegungsgesetz der heutigen kapitalistischen Produktionsweise und der von ihr erzeugten bürgerlichen Gesellschaft."(28) Welche Gesetze Erich Honecker meint, hat er nicht gesagt.


Kommen wir nun zu Erich Honeckers Parteiverständnis. Dazu äußert er sich wie folgt: "Unser Verständnis von der führenden Rolle der Partei ergab sich allein aus den Schriften von Marx und Engels. Ich möchte nur verweisen auf die Lehren, die Marx und Engels aus der ersten sozialistischen Revolution, der Pariser Kommune, gezogen hatten, um zu zeigen, daß die Vorhut der kommunistischen Partei entscheidend ist für den Sieg der sozialistischen Revolution."(29)

In der Tat gebrauchte Marx für die Pariser Kommune den Begriff 'Regierung der Arbeiterklasse' und an die Macht war diese, wenn man so will, dadurch gekommen, daß sie die von der geflohenen Regierung einst wahrgenommenen Geschäfte übernahm. Weder eine Partei noch ein sozialistisches Programm waren bei dieser Regierungsübernahme vorhanden, obwohl die Kommune soziale Maßnahmen in Angriff nahm. Auch das Sachwörterbuch Geschichte von 1970 widerspricht Erich Honecker direkt. Es heißt dort: "Das Fehlen einer klaren wissenschaftlich begründeten Konzeption und einer führenden revolutionären Partei war die Hautschwäche der PK."(30) Diese spätere 'marxistisch-leninistische' Sicht wurde von Marx und Engels nicht geteilt, denn im Manifest der Kommunistischen Partei lesen wir: "Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß einerseits sie in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten."(31) Und bei Lenin finden wir folgende Aussage zur Pariser Kommune: "Die Sache der Kommune - das ist die Sache der sozialen Revolution, die Sache der völligen politischen und wirtschaftlichen Befreiung der Werktätigen, die Sache des Weltproletariats und in diesem Sinne ist sie unsterblich."(32) Sie hatte nur 71 Tage existiert. Eine sozialistische Revolution aus heutigen Auffassungen heraus war damals noch nicht in Sicht und warum verrät uns Friedrich Engels, wenn er schreibt: "Die Geschichte hat uns allen, die ähnlich dachten, Unrecht gegeben. Sie hat klargemacht, daß der Stand der ökonomischen Entwicklung auf dem Kontinent damals noch bei weitem nicht reif war für die Beseitigung der kapitalistischen Produktion; sie hat dies bewiesen durch die ökonomische Revolution, die seit 1848 den ganzen Kontinent ergriffen und die große Industrie in Frankreich, Österreich, Ungarn, Polen und neuerdings Rußland erst wirklich eingebürgert, aus Deutschland aber geradezu ein Industrieland ersten Ranges gemacht hat - alles auf kapitalistischer, im Jahre 1848 also noch sehr ausdehnungsfähiger Grundlage. Gerade diese industrielle Revolution aber ist es, die überall erst Klarheit geschaffen hat in den Klassenverständnissen, die eine Menge von aus der Manufakturperiode und im östlichen Europa selbst aus dem Zunfthandwerk her überkommenen Zwischenexistenzen beseitigt, eine wirkliche Bourgeoisie und ein wirkliches großindustrielles Proletariat erzeugt und in den Vordergrund der gesellschaftlichen Entwicklung gedrängt hat."(33) Das wurde 1895 mehr als 20 Jahre nach der Pariser Kommune, geschrieben.

Nach dieser Aussage kann man bezweifeln, ob in Rußland 1917 schon ein echter Kapitalismus, wie ihn Engels hier für Deutschland bemerkt, vorhanden war. Rußland war im wesentlichen noch ein Agrarland. Lenin sprach deshalb stets von einer proletarischen Revolution. Auch wenn er am 21. Februar 1918 einen Aufruf mit unterzeichnete, der zum Schluß lautete: "Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr. Es lebe das sozialistische Vaterland. Es lebe die sozialistische Weltrevolution." Dies sollte wohl nur zur Unterscheidung von bürgerlichen Staaten dienen, denn er bekennt bereits am 5./6. Dezember 1919: "Wir wissen, daß wir jetzt noch nicht die sozialistische Ordnung einführen können; wenn es gut geht, werden unsere Kinder, vielleicht aber erst unsere Enkel die Errichtung des Sozialismus bei uns erleben."(34) Etwas optimistischer äußert er sich im Oktober 1920 in seiner Rede "Die Aufgaben der jugendverbände" auf dem III. Komsomolkongreß, wenn er sagt: "Die Generation, die heute etwa fünfzig Jahre alt ist, kann nicht mehr darauf rechnen, die kommunistische Gesellschaft zu erleben. Bis dahin wird diese Generation ausgestorben sein..," und weiter unten gibt er der jungen Generation mit auf dem Weg: "Eben darum muß die Generation, die jetzt fünfzehn Jahre alt ist und die in zehn bis zwanzig Jahren in der kommunistischen Gesellschaft leben wird, alle Aufgaben ihres Studiums so gestalten, daß die Jugend tagaus, tagein in jedem beliebigen Dorfe, in jeder beliebigen Stadt die eine oder andere Aufgabe der gemeinsamen Arbeit - und wäre es die geringste, die einfachste - praktisch löst."(35)

An dieser Stelle sei auch Margot Honecker angeführt. Sie sagt im gleichen Buch "Der Sturz": "Aber ich würde meinen, und das zeichnet sich ja immer klarer ab, daß das, was an sozialistischen Realitäten geschaffen wurde, die sich auch im Bewußtsein widergespiegelt haben, vielleicht zeitweilig etwas verschüttet ist. Aber es ist da und es wird auch weiterleben. Warum sonst verteidigen die Menschen, jetzt, wo sie spüren, daß da etwas verlorengehen könnte, mit so viel Emotionen das, was war, und das was gut war und was sie selber geschaffen haben? Das war ja nicht der Parteiapparat oder die Parteiführung, aber ohne eine führende Kraft hätte sich das auch nicht vollziehen können?"(36) Für Erich und Margot Honecker sind also sozialistische Revolutionen und Sozialismus nicht vorstellbar ohne eine führende Partei. Darum wurde auch in der Verfassung der DDR die führende Rolle der SED festgeschrieben. Sie war aber nicht eine führende Partei schlechthin, sondern eine über Staat und Gesellschaft stehende Organisation, die befugt war, alles und jedes zu kontrollieren. Ganz kraß wird das deutlich, wenn Erich Honecker in bezug auf das Ministerium für Staatssicherheit, das ja eine staatliche, nicht parteieigene Einrichtung war, sagt: "Die zweite Sache war die, daß die Abteilung Sicherheit des ZK das volle Recht nicht nur unter der Kontrolle des Ministeriums für Staatssicherheit hatte, sondern auch die politische Verantwortung dafür, daß dort die Beschlüsse des Politbüros und später des nationalen Verteidigungsrates der DDR zu erfüllen sind."(37) Aber nicht nur Ministerien wurden vom Parteiapparat kontrolliert, auch die sogenannten Blockparteien bekamen das zu spüren. Manfred Gerlach, langjähriger Vorsitzender der LDPD, schreibt dazu: "So vollzog sich das Kuriosum, daß im SED-Kommandosystem der Parteitag einer Blockpartei vorbereitet wurde und nur ein Mitarbeiter einer ZK-Abteilung wußte, was da politisch eigentlich vor sich ging." Und weiter unten heißt es dann: "... doch man wußte ja, daß alles - wie immer - mit dem ZK abgestimmt war und seine Richtigkeit hatte."(38)

Über andere Eingriffe in und Vorschriften für das Parteileben der LDPD berichtet der gleiche Autor: "Das uns von der SED aufgezwungene Rapport- und Zensursystem wirkte sich u. a. bei allen Personalentscheidungen und besonders in bezug auf die LDPD- Presse aus."(39) Und an anderer Stelle heißt es, als es um eventuelle Kontakte zur FDP-Führung in Bonn ging: "Bis dahin mußte vor jedem Gespräch ein schriftlicher Vermerk (Name, Termin, Ziel des Empfanges usw.) an das ZK der SED gegeben werden. Dort erfolgte nach kurzer oder - meist - längerer Frist die Genehmigung - oder auch nicht. Die Zustimmung konnte über das Außenministerium und die DDR-Vertretung in Bonn, die Durchführung mit der FDP vereinbart werden."(40) Das Ganze wird verständlich, wenn man folgende Honeckeräußerung dagegen setzt: "Es gab grundlegend eine Bündnispolitik. Aber diese Bündnispolitik hat mit der Zeit doch nicht dazu geführt, bestimmten Einflüssen entgegenzuwirken."(41)

Deutlicher wird das Ganze, wenn man im Zusammenhang mit der Beantwortung von Fragen zur Hitlerdiktatur von Erich Honecker auf die Frage: Warum war die Mehrheit des deutschen Volkes eine so willfähige Masse? folgendes hört: "Das ist schwer zu sagen. Nicht nur das deutsche, man kann jedes Volk manipulieren."(42) Dieser kurze Satz rechtfertigt für ihn im Grunde genommen den riesigen Partei- und Sicherheitsapparat, der nicht nur Staat, Parteien und Gesellschaft zu führen und zu leiten, sondern auch alles und jedes einer Kontrolle zu unterwerfen, bzw. Verlauf und Entwicklung ganzer gesellschaftlicher Prozesse zu programmieren, zu bestimmen und durchzusetzen hatte. Hier wird das sowjetische System der Stalin- und Breshnewzeit deutlich. Und Breshnew selbst hatte diese Verhältnisse in der Sowjetunion und in der DDR Erich Honecker gegenüber mit folgenden Worten im Jahre 1970 charakterisiert: "Vergiß nie, die DDR kann ohne uns, ohne die Sowjetunion, ihre Macht und Stärke nicht existieren, ohne uns gibt es keine DDR. Die Existenz der DDR entspricht unseren Interessen, den Interessen aller sozialistischen Staaten. Sie ist das Ergebnis unseres Sieges über Hitlerdeutschland. Deutschland gibt es nicht mehr, das ist gut so. Es gibt die sozialistische DDR und die Bundesrepublik."(43)

Solche Auffassungen, in denen einer kommunistischen Partei die Kontrollrechte über die ganze Gesellschaft zugebilligt werden, finden wir weder bei Marx, Engels noch bei Lenin.

Nun gibt es allerdings den Fakt, daß sich nach Lenins Auffassung zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frage nach der proletarischen Revolution stellte, und damit rückte die Frage nach der Partei als Organisator einer solchen möglichen Revolution in den Vordergrund. So wurde die Partei der Bolschewiki nach dem Prinzip des sogenannten "demokratischen Zentralismus" aufgebaut. Das hieß, daß alle Beschlüsse, die von Mitgliedern und Leitungen gefaßt wurden, bedingungslos durchzuführen waren. Fraktionsbildung verbot sich von selbst, da die Partei vom Ausland aus oder illegal arbeiten mußte. Von den Parteimitgliedern wurden deshalb Anerkennung von Programm und Statut, dazu Standfestigkeit, Opferbereitschaft, Solidarität und vor allem Parteidisziplin gefordert. Rosa Luxemburg teilte diese Auffassungen Lenins über Struktur, Normen und Aufgaben einer revolutionären Partei nicht.(44) Offenbar sah sie da Gefahren für die Zeit nach der Revolution, und ganz so unrecht sollte sie da nicht haben, wie noch gezeigt werden soll.

Allerdings wäre die Oktoberrevolution ohne ein revolutionäres Zentrum, ohne straffe Organisation und Disziplin der Revolutionäre wohl auch kaum denkbar gewesen. Für die Zeit nach der Revolution waren keine anderen Organisationsprinzipien formuliert, geschweige denn Aufgaben, Befugnisse, Rechte und Rolle der Partei neu festgelegt worden. Deshalb warnte Rosa Luxemburg, die nicht müde wurde, die russische Revolution vom Oktober 1917 zu verteidigen und speziell das deutsche Proletariat zu gleichem Tun aufzufordern, in ihrem unvollendeten, erst nach ihrem Tode veröffentlichtem Aufsatz "Die russische Revolution", daß es zu Entartungen kommen würde, wenn man nach dem Sieg der Revolution das für die Eroberung der politischen Macht Notwendige nach dem Sieg beibehielte und auf die ganze Gesellschaft übertrüge. Sie schreibt: "Lenin und Trotzki haben an Stelle der aus allgemeinen Volkswahlen hervorgegangenen Vertretungskörperschaften die Sowjets als die einzige wahre Vertretung der arbeitenden Massen hingestellt. Aber mit dem Erdrücken des politischen Lebens im ganzen Lande muß auch das Leben in den Sowjets immer mehr erlahmen. Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in der die Bürokratie allein das tätige Element bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein, einige Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren, unter ihnen leitet in Wirklichkeit ein Dutzend hervorragender Köpfe, und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen, vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen, im Grunde also eine Cliquenwirtschaft, eine Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einer Handvoll Politiker, d. h. Diktatur im rein bürgerlichem Sinne, im Sinne der Jakobinerherrschaft (das Verschieben der Sowjetkongresse von drei Monaten auf sechs Monate!). Ja noch weiter: Solche Zustände müssen eine Verwilderung des öffentlichen Lebens zeitigen: Attentate, Geiselerschießungen etc.. Das ist ein übermächtiges, objektives Gesetz, dem sich keine Partei zu entziehen vermag."(45)

Als Paul Levi 1922 diesen Aufsatz mit dem Titel "Die russische Revolution, eine kritische Würdigung" aus dem Nachlaß von Rosa Luxemburg herausgegeben hatte, antwortete Lenin in der Prawda vom 8. März 1922 in seinem Artikel "Notizen eines Publizisten" auf Paul Levis Herausgebertätigkeit hinsichtlich der Schriften Rosa Luxemburgs mit folgenden Worten: "Paul Levi will sich jetzt bei der Bourgeoisie - und folglich bei der II. und zweieinhalbten Internationale, ihren Agenten - dadurch besonders verdient machen, daß er gerade diejenigen Werke Rosa Luxemburgs neu herausgibt, in denen sie Unrecht hatte."(46) Anschließend nennt er die von ihr in seinen Augen in verschiedenen Publikationen vertretenen falschen Auffassungen, rügt aber auch gleichzeitig die deutschen Kommunisten, die es bisher versäumt hatten, eine vollständige Ausgabe ihrer Werke herauszubringen. Auf die hier zitierte Stelle geht er mit keinem Wort ein.

1931 aber wendet sich Stalin mit seinem "Brief über eine Fragen der Geschichte des Bolschewismus" in der Zeitschrift "Proletarskaja Revoljucija" Nr. 6 wieder Rosa Luxemburg zu, und unter demagogischer Verwendung der von Lenin als Fehler angesehenen Auffassungen von Rosa Luxemburg wird sie zu den Trotzkisten, eine für Stalin parteifeindliche Strömung, gerechnet. Unter Anspielung auf ihren unvollendet gebliebenen Artikel "Zur russischen Revolution" schreibt er: "Wer hat der konterrevolutinären Bourgeoisie eine geistige Waffe gegen den Bolschewismus geliefert in Gestalt der These von der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande - in Gestalt der These von der Unvermeidlichkeit der Entartung der Bolschewiki und dergleichen mehr? Diese Waffe hat der Trotzkismus geliefert."(47) Rosa Luxemburgs Voraussage der Entartung der Diktatur des Proletariats zur Diktatur der Partei, wenn sie den Kontakt zu den Massen verliert, sollte unter Stalin grausame Wirklichkeit werden. Der für den Kampf um die Macht entwickelte "Demokratische Zentralismus" wurde von der Partei auf den Staat und alle seine Organe übertragen. Das Befehls- und Kommandosystem war geboren. Stalin hatte also allen Grund, sich gegen Rosa Luxemburgs Auffassungen zu wehren, denn ihm kam es ja auf die Zementierung gerade der Verhältnisse an, vor denen Rosa Luxemburg gewarnt hatte.

Aber schon Lenin hatte erkannt, daß Verhältnisse, die eine strenge Zentralisierung der Wirtschaft erforderten, wie etwa der Bürgerkrieg, nicht funktionieren, wenn nicht ein Zusammenspiel mit der Initiative der Basis erfolgt. Die sich unter diesen Umständen entwickelnde Bürokratie bekämpfte er unversöhnlich als schlimmsten Feind. Weiterhin mußte Lenin feststellen, daß beim Versuch, mit dem Verschwinden des Privateigentums auch die Ware-Geld-Beziehung wegfallen zu lassen und zur direkten Verteilung der Produkte unter die Mitglieder der Gesellschaft überzugehen, nichts herauskam. Sein Resümee war: Ohne persönliche Interessiertheit kommt nicht das Geringste heraus. Und bei G. Smirnow lesen wir: "Wichtig ist dabei zu beachten, daß Lenin später unter gesellschaftlichem Eigentum nicht mehr nur staatliches Eigentum verstand. Er betonte vielmehr die gewaltigen Möglichkeiten der Kooperation in ihren unterschiedlichsten Formen. Er hielt es für möglich, staatskapitalistische Betriebe und Betriebe auf Konzessionsbasis zuzulassen, trat für die Entwicklung privatunternehmerischer Tätigkeit und des privaten Handels ein. Lenin ging davon aus, daß es für die Leitung der staatlichen Industrie vielfältige Formen - Syndikate, Trusts usw. - gibt, und er forderte von den Betrieben Selbständigkeit, Initiative, Unternehmergeist, riet ihnen, bei den Kapitalisten das Wirtschaften zu lernen. Lenins Ansicht zur materiellen Interessiertheit und zur wirtschaftlichen Rechnungsführung lagen dem Aufbau des Leitungsssystems der Industrie nach dem Prinzip der Syndikate zugrunde. Alle diese Vorstellungen haben nichts gemeinsam mit dem Befehlssystem, wie es sich unter Stalin entwickelte."(48)

Die NÖP wurde geboren. Gleichzeitig wurde auf seine Initiative hin der GOELRO-Plan entwickelt, der auf 10 Jahre berechnet war und die Elektrifizierung Rußlands erbringen sollte. Nicht eine gesamte Planung der Volkswirtschaft schwebte ihm vor, sondern Planung von Teilbereichen, beginnend mit der Energie, die ja für alle künftigen Industrien von grundlegender Bedeutung war. Für Lenin war das "Wie?" des künftigen Sozialismus noch offen, und an dieser Stelle sei ein Brief von Friedrich Engels an Paul Lafargue vom 11. August 1884 zitiert, in dem dieser sagt: "Marx würde gegen 'das politische und gesellschaftliche Ideal' protestieren, das sie ihm unterstellen. Wenn schon von einem 'Mann der Wissenschaft', der ökonomischen Wissenschaft die Rede ist, so darf man kein Ideal haben, man erarbeitet wissenschaftliche Ergebnisse, und wenn man darüber hinaus noch ein Mann der Partei ist, so kämpft man dafür, sie in der Praxis umzusetzen. Wenn man aber ein Ideal hat, kann man kein Mann der Wissenschaft sein, denn man hat eine vorgefaßte Meinung."(49)

Dieses 'Ideal' aber, das Engels hier verurteilt, war überall bei Stalin zu finden. Fünfjahrpläne mit exakten Vorgaben wurden erarbeitet, und von allen wurde erwartet, daß sie sie erfüllen und übererfüllen. Jede Kritik oder andere Auffassung wurde unterdrückt, ob in Partei, Staatsapparat oder in der öffentlichen Meinung. Trotzdem wurden weder das westeuropäische Entwicklungsniveau in der Wirtschaft noch das entsprechende Kulturniveau erreicht. Selbst nach dem Sieg über Hitlerdeutschland im 2. Weltkrieg war eine gewisse Rückständigkeit der Siegermacht Sowjetunion nicht zu übersehen. Herbert Wolf bemerkt dazu: "Aber die Öffnung nach dem Westen, die sich de facto durch die sowjetische Besetzung Ost- und eines Teils Mitteleuropas in Gefolge des Krieges ergab, machte einem wachsenden Teil der Intelligenz und der Führungskader ohnehin das erschreckende Ausmaß des Rückstandes sowohl an Produktivität wie auch an Lebensniveau selbst gegenüber einem durchschnittlichen europäischen Standard deutlich."(50) Diese Rückständigkeit auch im Kulturniveau mußte auch Oberst Tulpanow in einem Gespräch mit Karl Eduard von Schnitzler zugeben. Schnitzler schreibt nämlich: "Als ich 1946 aus Köln zu einem kurzen Besuch in Berlin weilte, fragte mich Oberst Tulpanow: 'Was spricht man drüben über uns?' Ich antwortete wahrheitsgemäß: 'Diebstahl von Uhren, Fahrrädern, Vergewaltigungen...' Tulpanow mit hochrotem Kopf: 'Die Schale ist zu dünn, wir haben es noch nicht geschafft.' Auf meinen fragenden Blick fuhr er ruhiger fort: 'Bei den fernöstlichen Völkern der Sowjetunion gehörte noch vor ein, zwei Menschenaltern die Frau zur Kriegsbeute und es galt das Recht der Plünderung,. Wie sollten wir das in so kurzer Zeit aus den Menschen herausbekommen - und dazu in einer Zeit der vielen blutigen, grausamen, rohen Kriege gegen uns mit Kriegsverbrechern und Verbrechen gegen die Menschlichkeit."(51)

Was nach der Besetzung Ostdeutschlands durch die Rote Armee erfolgte, dafür sei Erich Honecker als Kronzeuge genannt. Er verweist ausdrücklich auf die von der sowjetischen Besatzungszone für alle Besatzungszonen geleisteten Reparationen an die Sowjetunion,(52) auf den Abbau des zweiten Gleises bei der Eisenbahn und die sogar vorgenommenen zweimaligen Demontagen von Betrieben.(53) Aber schon bald sollte sich in der sowjetischen Besatzungszone zeigen, in welche Richtung die Entwicklung gehen sollte. Tatsache ist, daß 1945 bereits mit der Bodenreform begonnen wurde, nicht, um vorrangig Junkerland in Bauernhand, wie eine damalige Losung hieß, zu überführen, sondern um den vielen Umsiedlern, wie die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten jenseits der Oder Zwangsausgesiedelten bezeichnet wurden, eine Existenzgrundlage zu schaffen. 1946 war der Volksentscheid in Sachsen, wonach die Betriebe der Nazi- und Kriegsverbrecher enteignet wurden. Man folgte hier genau sowjetischem Vorbild, nur, daß in der sowjetischen Besatzungszone keine wie auch immer geartete Revolution stattgefunden hatte. Es waren Anordnungen der Besatzungsmacht, die von deutschen Kommunisten und Antifaschisten mitgetragen und als Alternative zum Hitlerstaat verstanden wurden. Das wiederum erzwang neue Formen der Wirtschaft und Verwaltung. Walter Ulbricht begründete deshalb am 29. Juni 1948 vor dem Parteivorstand der SED den Zweijahresplan für 1949- 1950. Dazu war eine Partei neuen Typus, ähnlich der KPdSU vonnöten. Deshalb forderte Ulbricht am 28./29. Juli 1948 auf einer Vorstandssitzung der SED: "Man kann sagen, daß unsere Parteileitungen zum erstenmal in Verbindung mit der Annahme dieses Planes vor der Aufgabe stehen zusammenhängend die gesamte politische, wirtschaftliche und organisatorische Arbeit nicht nur der Partei, sondern des Wirtschafts- und Staatsapparates systematisch zu leiten."(54) Wie diese Partei beschaffen sein sollte und wie die SED es dann auch wurde, darüber heißt es bei Andreas Malycha und Wladislaw Hedeler: "Zur Erreichung der Ziele der Partei betrachtete die Parteiführung somit - in Anlehnung an die theoretischen Prämissen Stalins - die Einheit und Geschlossenheit des Willens und des Handelns als notwendig. Grundlage für diese These bildete die Annahme, die Partei könne nur als homogenes Ganzes unter Verzicht auf Individualität und Subjektivität die höchste Form von Handlungsfähigkeit erreichen. Diese Parteiauffassung hatte dann praktisch die Unterdrückung von unterschiedlichen Meinungen in der Partei und die Entmündigung der Mitglieder zu Konsequenz, was wiederum die Möglichkeit bot, daß einzelne Führungskräfte der Partei bestimmte Linien aufzwingen konnten."(55) Deshalb vertraute Erich Honecker später auch den Berichten der Parteiorganisation mehr als denen der Staatssicherheit. Jürgen Kuczynski berichtet darüber: "Während die Berichte der unteren Parteiorganisationen durch die Kreissekretariate und dann noch einmal in den Bezirkssekretatiaten 'geschönt' werden, bevor sie oben ankommen, gehen die Berichte der Staatssicherheit direkt und meist gar nicht oder nur wenig geschönt direkt nach oben. Darauf hätte Erich Honecker erklärt: 'Die Berichte der Staatssicherheit sehe ich mir gar nicht mehr an. Da kann ich mir ebenso gut das westliche Fernsehen ansehen'. In der Tat, wie ich so oft in meinen Memoiren erwähne, war daher die Uninformiertheit oben über die Stimmung der Bevölkerung in den letzten Jahren erschreckenerregend falsch. Daher die Zufriedenheit mit meinem kritischen Referat auf der Parteiversammlung in der Abteilung von Wolf."(56)

Dem Zweijahresplan folgten weitere Fünfjahrespläne, die für Erich Honecker erfolgreiche Pläne waren, so daß die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Gerhard Schürer, einstiger Chef der Staatlichen Plankommission, bemerkt dazu: "Die schizophrene Situation, daß für die Wirtschaftspolitik zwar nominell der Ministerrat verantwortlich zeichnete, sie aber im ZK der SED ausgearbeitet und bis ins Detail bestimmt wurde, ist eine der Ursachen für die uneffiziente Arbeit auf diesem Gebiet."(57) In diesem Zusammenhang bemerkt Robert Kurz, wenn er die Planung in der Sowjetunion mit der der deutschen Kriegswirtschaft während des ersten Weltkrieges in Verbindung bringt. Er schreibt nämlich: "Es war die fast über zweihundert Jahre hinweg den westlichen Spitzenreitern der Moderne nachtrottelnde und lange Zeit sprichwörtliche Schlafmützigkeit der deutschen Weltmarktintegration, die schließlich Dopingmittel von gewaltiger Zerstörungskraft für eine erst spät gelingende Aufholjagd benötigte, deren kulturhistorische und sozialpsychologische Spuren immer noch in der Archäologie der Strukturen feststellbar sind; und keineswegs zufällig war es die preußische Militärmaschine, die trotz ihrer feudalen sozialen Verankerung zum wesentlichen Träger dieses Prozesses wurde. Ebensowenig zufällig war es, daß die gerade aus diesem historischen Nachzüglerproblem heraus besonders rigide und den Marktformen gegenüber barsch auftretende Kriegswirtschaft des deutschen Kaiserreiches viel eher als die Marxsche Ökonomiekritik zum Formvorbild des bolschewistischen Modernisierungssozialismus und damit indirekt sämtlicher einschlägigen Nachfolgeprojekte des 20. Jahrhunderts wurde."(58)

Die Bestätigung für diese Auffassung liefert wahrscheinlich unfreiwillig Günter Mittag, wenn er schreibt: "In der Rüstungswirtschaft war und ist am stärksten der Glaube verbreitet, daß man keine ökonomische Leitung und keine entsprechenden Reformen brauche. Dort war man mit Befehlen immer gut zurechtgekommen, dort ist auch der beste Nährboden der Kormmandowirtschaft im Sinne rein administrativer Leitungsmethoden. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie Alfred Neumann, als er Anfang der sechziger Jahre Vorsitzender des Volkswirtschaftsrates der DDR war, sich aus den Akten des Reichswirtschaftsministeriums heraussuchen ließ, wie man im Kriege die Produktion einzelner Endprodukte mit all ihren Zulieferverflechtungen durch die Zentrale administrativ organisierte. Die Wirtschaft so zu leiten schien seine Traumvorstellung gewesen zu sein."(59)

Andererseits stak die DDR im Prokrustesbett der Wünsche der Sowjetunion, wovon Günter Mittag an anderer Stelle schreibt, daß die Produktions- und Absatzstruktur weitgehend von den Wünschen der sowjetischen Abnehmer bestimmt wurde, "was bis zu Forderung nach der Übernahme der GOST-Normen, den staatlichen Standards der UdSSR, reichte."(60) Und weiter unten lesen wir sogar: "Einige der sowjetischen Vorschläge konnten nicht anders als ein Versuch gedeutet werden, die Kontrolle über die technologisch fortgeschrittensten Betriebe der DDR zu erhalten, ohne daß für die DDR daraus ein Nutzen aus Gegenseitigkeit entstanden wäre."(61)

Der sowjetische Druck einerseits, die Planwirtschaft, die im Prinzip nichts anderes war als das Bestreben nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die gesellschaftliche Entwicklung sowie die Entwicklung des Bewußtseins zu planen, höhlte selbst die besten Absichten aus. Da sich die sogenannte "entwickelte sozialistische Gesellschaft" als Sozialismus in den Farben der DDR verstand, war sie ein glatter Gegensatz zu dem Satz aus dem Kommunistischen Manifest, der da lautet: "An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist."(62)

Von diesen Aussagen von Marx und Engels war in der DDR nichts zu spüren. Im Gegenteil, jeder wurde zum Planerfüller, zum Rädchen, das untergeordnet und eingepaßt seine Pflicht zu erfüllen hatte. Peter Bender bemerkt dazu: "Jedenfalls ist die DDR dem Ideal einer klassenlosen Gesellschaft bemerkenswert nahe gekommen, nicht zu ihrem Vorteil. Wo fast alles auf das gleiche Niveau gebracht wurde, mußte das Mittelmaß herrschen, Talent, Originalität und Phantasie hatten es schwer." Die DDR-Planwirtschaft, deren Erfolge Erich Honecker zu preisen nicht aufhörte, auch wenn er nicht umhin konnte, größere Defizite zuzugeben, verkam immer mehr zu einem Versuch einer realisierten Utopie im Owenschen und Fourierschen Sinne, einer längst überholten Theorie des 19. Jahrhunderts, schon von Marx und Engels lebhaft bekämpft. Nun waren die Utopien von Owen und Fourier keine Hirngespinste, sondern es sind in der Tat von Anhängern beider Auffassungen nach ihren Vorstellungen Gemeinden, vorwiegend in den USA, gegründet worden. In dem Buch von Philip S. Foner und Reinhard Schultz "Das andere Amerika. Geschichte, Kunst, Kultur der amerikanischen Arbeiterbewegung" heißt es zu Owen: "In der Zeit von 1825 bis 1827 wurden 19 derartige Gemeinden gegründet, die berühmteste von ihnen war New Harmony in Indiana. So schnell wie sie entstanden, lösten sie sich allerdings auch wieder auf. 1828 war der Owenismus als Bewegung praktisch am Ende."(63) Zum Fourierismus heißt es weiter unten: "Die erste Phalanx (so nannte Fourier seine Landwirtschaftskolonie W.B.) in den USA hieß Sylvania und wurde 1813 von einer Gruppe von Handwerkern aus Albany und New York im westlichen Pennsylvenia angesiedelt. Bereits im August des folgenden Jahres war das Unternehmen ebenso gescheitert wie letztendlich alle der insgesamt mehr als vierzig fourieristischen Siedlungen, die in der Zeit von 1842 bis 1852 organisiert, aber meist sehr schnell wieder aufgegeben wurden. Die berühmteste von ihnen, Brook Farm in Massachusetts existierte immerhin sechs Jahre."(64) Zu Brook Farm heißt es noch an anderer Stelle: "In Brook Farm, einer Siedlung auf Aktienkapital gegründet, an dem freilich nicht wie Fourier wollte alle Siedler beteiligt waren, bestand gleiche Pflicht zu kollektiver Arbeit, Entlohnung auf der Grundlage der Arbeitsleistung, unentgeltliche Bildung und medizinische Hilfe, sowie gemeinsame kulturelle Freizeitgestaltung. Die Siedlung, die bis 1856 bestand und der meist Intellektuelle angehörten, wurde das Propagandazentrum des Fourierismus in den USA, das auch Philosophen und Schriftsteller wie Ralph Waldo Emerson und Nathaniel Hawthorne anzog und die amerikanische Literatur dieser Jahre stark beeinflußte, wobei sich die soziale Gedankenwelt des Fourierismus freilich auch mit christlich-sozialistischen Vorstellungen verflocht."(65)

Marx und Engels, die natürlich den utopischen Sozialismus gut studiert hatten, erkannten, daß über Utopien kein Weg zum Sozialismus, wie sie damals sagten, zur kommunistischen Gesellschaft führt. Schon 1848 schrieben sie im Manifest der Kommunistischen Partei über die Utopisten: "Die unentwickelte Form des Klassenkampfes wie ihre eigene Lebenslage bringen es aber mit sich, daß sie weit über jenen Klassengegensatz erhaben zu sein glauben. Sie wollen die Lebenslage aller Gesellschaftsglieder, auch der bestgestellten verbessern. Sie appellieren daher fortwährend an die ganze Gesellschaft ohne Unterschied, ja vorzugsweise an die herrschende Klasse. Man braucht ihr System ja nur zu verstehen, um es als den bestmöglichen Plan der bestmöglichen Gesellschaft anzuerkennen. Sie verwerfen daher alle politische, namentlich alle revolutionäre Aktion, sie wollen ihr Ziel auf friedlichem Wege erreichen und versuchen durch kleine, natürlich fehlgeschlagene Experimente, durch die Macht des Beispiels dem neuen gesellschaftlichen Evangelium Bahn zu brechen."(66) Diese berechtigte Kritik von Marx und Engels an den utopischen Sozialisten zielt eigentlich auf einen Punkt ab: Es ist nicht möglich, eine Gesellschaftsordnung für die Menschen zu machen, wenn diese die nicht selber wollen, und aus solchen Gemeinden oder Phalangen heraus kann man keine neue Gesellschaft aufbauen.

Nun haben aber in der Tat ja diese Gemeinden längere oder kürzere Zeit tatsächlich bestanden, und wie wir gesehen haben, besonders Intellektuelle fasziniert. Der Grund dafür ist wahrscheinlich geistesgeschichtlich in der Aufklärung zu suchen und deren rationalistischer Philosophie mit dem Postulat der Vernunft. Wenn man also von vernünftigem Denken ausgeht, müßte es doch möglich sein, auch eine vernünftige Gesellschaftsordnung zu schaffen, in der alle auskömmlich leben könnten. Die Ansätze von Owen in England und Brook Farm waren doch vielversprechend. Wenn man Aufklärung betreibt und Vernunft bei Herrschenden und Unterdrückten durchsetzt, müßte sich doch eine gerechte Gesellschaft schaffen lassen. Nur Unterdrücker und Unterdrückte richteten sich nicht nach der geforderten Vernunft der Intellektuellen.

Nach der Oktoberrevolution in Rußland 1917 läßt sich Ähnliches beobachten. Viele Intellektuelle warben für Räterußland in der Welt. Hier schien endlich der Verstand über den Unverstand und die Anarchie in Produktion, Staat und Gesellschaft überwunden zu werden. Lion Feuchtwanger schrieb deshalb in seinem Büchlein "Moskau 1937" im Vorwort folgendes: "Ich machte mich auf den Weg als ein 'Sympathisierender'. Ja, ich sympathisierte von vornherein mit dem Experiment, ein riesiges Reich einzig und allein auf der Basis der Vernunft aufzubauen, und ich ging nach Moskau mit dem Wunsch, es möge dieses Experiment geglückt sein. So wenig ich Gefühle, so wenig ich Prälogisches und Antologisches aus dem Privatleben des Einzelnen gestrichen wünschte, so kahl ich ein Leben fände, gestellt auf nackte Logik, so tief bin ich überzeugt, daß gesellschaftliche Einrichtungen, wenn sie gedeihen sollen, auf Urteil und Vernunft aufgebaut sein Müssen."(67) Ein anderer Zeitgenosse, Hewlett Johnson, der Dekan von Canterbury, schrieb über den Aufbau des Wirtschaftslebens in der Sowjetunion: "Dort tritt an Stelle des konkurrierenden Chaos die Ordnung und das wüste Durcheinander wird durch einen Plan ersetzt. Die Voraussetzungen sind ebenfalls andere. An Stelle des selbstsüchtigen Individuums steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt des Bildes. Statt des Wohllebens einer oder mehrerer privile- gierter Klassen wird das Wohlergehen der Allgemeinheit und ihrer Einzelwesen zum bestimmenden Faktor. Durch die Beseitigung des profitversprechenden Anreizes wird Platz geschaffen für den höheren Beweggrund der Gemeinschaftsarbeit. Die rationelle Organisation der Produktion und der Verteilung der Reichtümer heißt Wissenschaft als Verbündeten willkommen und verlagert das Schwergewicht von der Knappheit auf den Überfluß."(68)

Das hier beobachtete Mittragen der Planwirtschaft durch die Bevölkerung ist letztendlich auch der eigenen proletarischen Revolution geschuldet und auch der Wunsch, selbst ein Stück voranzukommen.


Jedoch in der DDR lagen die Dinge anders. Es hatte keine wie auch immer geartete Revolution aus eigener Initiative gegeben, in deren Folge gesellschaftliche Veränderungen vorgenommen wurden. Die DDR war ein Ergebnis des II. Weltkrieges und der Tatsache, daß sich die Siegermächte über das gesamte Nachkriegsdeutschland nicht einigen konnten. Sie war ein Kind des kalten Krieges und wurde von der Sowjetunion aufrechterhalten und gestützt, aber auch als Produktionsfaktor für eigene Bedürfnisse angesehen.

Zunächst, als neben der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei auch die CDU und LDPD und später auch andere Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet wurden, glaubten viele von den Nazis verfolgte Demokraten in der Tat, daß nun ein demokratisches Deutschland entstehen werde. Aber das Demokratieverständnis der sowjetischen Besatzungsmacht war weit von den Demokratieauffassungen der Westmächte mit einer langen Tradition in dieser Hinsicht entfernt. Da es in Rußland eine bürgerliche Demokratie wie in Frankreich, England und den USA nicht gegeben hatte, parlamentarische Vertretungen wie in Deutschland, die so klug von der Sozialdemokratie genutzt wurden, fehlten, kamen hier andere Auffassungen zum Tragen. Dazu kam, daß die russischen Sozialdemokraten und deren Bolschewistische Fraktion in den 1905 geschaffenen Reichsduma nur beschränkt mitarbeiten konnten. Die Bolschewistische Fraktion konnte erst in der IV. Reichsduma ab 1912 legal mitarbeiten. Sie konnte also keine Erfahrungen mit Demokratie und Parlamenten machen, und die kurze Zeit von Februar 1917 an war zu kurz für einen reichen Erfahrungsgewinn. Es blieb nur noch die Sowjetdemokratie als Leitbild für Demokratievorstellungen. Mit entsprechenden Vorstellungen trat die sowjetische Besatzungsmacht dann auch auf. Ein bezeichnendes Beispiel liefert Wolfgang Leonhard, als er 1946 für Dr. Wilhelm Külz, der von 1920 - 1933 Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei war, die Gespräche mit dem sowjetischen Kommandanten dolmetschte. Er schrieb: "Mir schien der sowjetische Kommandant von Berlin gegenüber dem LDP-Vorsitzenden nicht höflich genug zu sein und zu harte politische Formulierungen zu benutzen. Da begann ich seine Sätze in höflichere Form zu kleiden und fügte hin und wieder Nebensätze ein." Külz aber antwortete '... ich verstehe etwas Russisch und möchte in diesem Fall doch lieber die Ansicht des Kommandanten wörtlich wissen.'"(69) Auch Manfred Gerlach schreibt: "Sehr gut in Erinnerung blieb mir unsere erste längere Unterhaltung während des 11. Parlaments der FDJ 1947 in Meißen. Hier ging es um die gleichberechtigte Mitarbeit junger Liberaldemokraten in der FDJ. In Meißen war ich auch Zeuge der sowjetischen Einwirkung auf die Jugendpolitik. Am Abend vor der 'Parlaments'-Eröffnung verwarfen die SMAD-Jugendoffiziere die Honecker-Rede, so daß sie in der Nacht neu erarbeitet werden mußte."(70) Solche Eingriffe hat übrigens Erich Honecker selbst bestätigt, wenn er schreibt: "Uns kam niemals in den Sinn, nach Manuskripten Vorträge zu halten. Das kam erst nach 1945, auf Verlangen der Sowjetischen Militäradministration. Es gab eine bestimmte Periode der Zensur. Da hat man sich angewöhnt, aufgrund von schriftlichen Dokumenten zu reden."(71)

Den Sinn all dessen hatte Gerlach schon bald erkannt, wenn er schreibt: "Freie Schöpferarbeit wurde nur insoweit gebraucht und geduldet, wie sie zur Durchsetzung der SED-Politik nötig war. Andersdenkende wurden imm er ausgegrenzt."(72) Die Diktatur wurde härter. Als Gerlach 1988 auf Einladung des FDP-Vorsitzenden Graf Lambsdorff in die BRD reisen wollte, bemerkte er dazu in bezug auf Joachim Herrmann, der im Politbüro für die Medien verantwortlich war, der äußerte: "Im übrigen gäbe es für meine Reise keinen Politbürobeschluß."(73)

Obwohl Erich Honecker immer wieder beteuert, es hätte in der DDR keine Zensur gegeben, sondern nur eine Art freiwilliger Unterwerfung unter die Publikationsbedingungen und in diesem Zusammenhang auf den Druck von Bibeln verweist, die die Komsomolzen mit in ihre Heimat nahmen und deren Publikation die Sowjetunion verboten wünschte,(74) ist das noch kein Beweis für die Nichtexistenz von Zensur, auch nicht, wenn er darauf verweist, daß alle Schriften von Gorbatschow in der DDR gedruckt wurden.(75) Ja, erverkündetsogar triumphierend: "Ich habe den Stefan Heym vollkommen drucken lassen, ohne Beschluß."(76) Der ranghöchste Partei- und Staatschef persönlich mußte die Druckerlaubnis erteilen, wo es doch angeblich keine Zensur gab! Es gab aber noch eine andere Art von Zensur. Da hatte, wie Erich Honecker angibt, Anton Ackermann nach seinem Wissen im Auftrage des Politbüros den Artikel "Der deutsche Weg zum Sozialismus" verfaßt - aber er mußte Selbstkritik üben, wurde später krank und ist aus dem politischen Leben ausgeschieden.(77) Von Parteiausschluß und Ausschluß vom öffentlichen Leben für Ackermann lesen wir nichts bei Honecker. Über Havemann, dem unter Hausarrest stehenden Kritiker, einstiger Professor und Volkskammerabgeordneter, der verschiedenen Repressivmaßnahmen ausgesetzt war, lesen wir bei Honecker: "Havemann wurde betrachtet als der Widerpart zur Linie unserer Partei" und weiter unten sagt er: "Ich war natürlich auch später daran interessiert, daß alle Repressivmaßnahmen Schritt für Schritt aufgehoben wurden. Das hinderte selbstverständlich die entsprechenden Sicherheitsorgane nicht, wenn Havemann einen Ausflug machte, ihn zu begleiten."(78) Warum das Ganze inszeniert wurde, hat Havemann wie folgt beschrieben: "Vor dem XX. Parteitag war ich Stalinist. Meine gründliche Abkehr von dieser Geisteshaltung erfolgte 1956. Nach den Enthüllungen des XX. Parteitages in einem ganzseitigen Artikel im "Neuen Deutschland", der den Titel hatte 'Gegen den Dogmatismus - für den wissenschaftlichen Meinungsstreit'. Seitdem habe ich den Streit, den ich wünsche und nicht im geringsten beklage. Vor dem XX. Parteitag war, was die Parteiführung sagte, für sich tabu. Sie hatte das Recht der Zensur und der Unterdrückung aller Meinungen, die sie nicht teilte. Heute weiß ich, daß die Parteiführung das Recht der Zensur nicht hat. Ich weiß, jeder von uns, außerhalb und innerhalb der Partei hat das Recht und die Pflicht, sich ein selbständiges Urteil zu bilden, auch über die Gedanken, die ich in meinen Vorlesungen dargelegt habe. Die Veröffentlichungsrechte für die DDR sind noch frei."(79) Das war 1965.

Selbst Karl Eduard von Schnitzler, einstiger Chefkommentator des Fernsehens der DDR, mußte bekennen, daß Vorstellungen von Honecker und dem Politbüro auch in der von ihnen gewählten sowohl in Inhalt als auch Ausdruck so und nicht anders an die Öffentlichkeit zu gelangen hatten. Schnitzler schreibt: "Nicht nur Sprachrohr, sondern auch Informant und Berater Honeckers war Herrmann. Beide bestellten des öfteren Kommentare, und man mußte sich mühsam ihrer Formulierungen erwehren, um verständlich zu bleiben. Wenn Honecker sich direkt einschaltete, überließ er auf Vorbehalt die Formulierungen des Gewüschten dem Autor. Herrmann diktierte. Ich habe da Erfahrungen aller Art gemacht."(80)

Alle hier genannten und in der Tat praktizierten Beispiele in der DDR, übernommen aus der UdSSR, waren der Versuch, etwas mit Gewalt durchzusetzen, wofür die Grundlage fehlte. Als dann die Realitätsferne immer mehr zum Durchbruch kam, trat der utopische Charakter des Sozialismusbildes bei Erich Honecker immer mehr in den Vordergrund. Obwohl er sich auf Marx, Engels und Lenin berief, folgte er ihnen nicht, sondern dem sowjetischen Modell und Vorbild, das ebenfalls den Versuch darstellte, eine Utopie im Namen des Volkes durchzusetzen. Auch hier erfolgte der Zusammenbruch. Der Sozialstaat, wieder nicht von den Menschen gemacht, sondern verordnet, erwies sich nicht als Triebfeder für weitere Entwicklungen, wie gehofft - eine ebenfalls utopische Vorstellung - sondern man begegnete ihm gleichgültig. Peter Bender schreibt dazu: "Dennoch war die DDR ein sozialer Staat. Sie erhielt dafür nicht viel Dankbarkeit, weil es bald als selbstverständlich galt, daß der Staat für alles sorgte."(81)

Trotz aller Versuche, sein Sozialismusbild zu realisieren, kam Honecker zu folgender Erkenntnis, wenn er schreibt: "Es steht also völlig außer Frage, daß wir in 40 Jahren keineswegs nur Erfolge erzielt haben, sondern daß sich auch große Mängel in der Arbeit zeigten. Sie haben dazu geführt, daß eine beträchtliche Anzahl von Bürgern die DDR nicht bewußt als ihr Vaterland verstand" Und an anderer Stelle sagt er: "Unsere Schwäche bestand darin, daß wir öffentlich nicht vermochten, unsere sozialistischen Ideale in jeder Hinsicht für den Einzelnen erlebbar zu machen"(82)

Warum dies so war, teilt uns Wolfgang Leonhard mit, der ein Gespräch mit Stefan Doernberg wiedergibt. Die Passage lautet: "Die Ablösung Ulbrichts und die Einsetzung Honeckers als SED- Parteiführer im Frühjahr 1971 verband Stefan Doernberg anfangs mit der Hoffnung, daß nun ein neuer Kurs beginnen werde. Aber schon bald habe sich gezeigt, daß dies nicht der Fall war - Honecker blieb ein beschränkter Kleinbürger: 'Durch seine Haftzeit im Dritten Reich hatte er zehn Jahre weltgeschichtliche Entwicklung nicht miterlebt. Honecker kannte weder den 7. Kongreß der Komintern und die Volksfront Mitte der 30er Jahre, noch die Säuberung von 1936 bis 1938 in der Sowjetunion und den Zweiten Weltkrieg. Dies hat sich schon bald in seiner weiteren Tätigkeit ausgewirkt'"(83)

Utopische Vorstellungen kleinbürgerlicher Provenienz haben sein Denken und Handeln mitgeprägt. Am besten bringt dies Werner Eberlein, einst Dolmetscher Honeckers für Russisch und später 1. Sekretär der Bezirksleitung Magdeburg der SED, zum Ausdruck, wenn er sagt: "Aber um auf Erich Honecker zurückzukommen: Dieses Isoliertsein, diese Kontaktarmut, diese Einschichtigkeit im Denken und Fühlen war doch von Anfang an in ihm angelegt. Er ist in den 30er Jahren ins politische Leben eingetreten und mit dieser Konzeption großgeworden, hat sich auch in den Jahren im Zuchthaus konserviert. Um es zuzuspitzen: Wandlitz wurde ein verlängertes Brandenburg. Die sozialpolitische Konzeption des VIII. Parteitages der SED schrieb die Forderung der KPD in den 30er Jahren fest. jedem Arbeit, billiges Brot und billige warme Wände. Nicht, daß das für unsere Zeit keine Gültigkeit mehr hätte oder etwa bereits realisiert wäre! Aber es gab in den 70er Jahren einige neue ökonomische Spezifika, die zu berücksichtigen Ulbricht mit seinen "Neuen ökonomischen System der Planung und Leitung (NÖSPEL!)" begonnen hatte. Meisterung von Wissenschaft und Technik bei gleichzeitiger Embargopolitik, forcierter Kreditboykott und Cocon- Sperrlisten - dem war mit blanker Agitation und Kopf in den Sand stecken nicht zu begegnen. Dazu trat eine ererbte Intoleranz, die nach dem Schema reagierte: Wer nicht unser Freund ist, ist unser Feind. Und das in einer Zeit, da ein Großteil der Bevölkerung genau zwischen diesen beiden Polen stand. Es ging also weniger um Honecker und die damit ins Zentrum gerückte Personalpolitik, es ging im die Frage, warum unser System aus der Fülle hochgebildeter, kompetenter Menschen nicht die Leitungspersönlichkeit hervorbrachte, die imstande gewesen wäre, das Schiff wirklich an neue Ufer zu steuern."(84)

Die letztgestellte Frage beantwortet sich ja mit dem Zusammenbruch des gesamten 'real existierenden Sozialismus' in Europa, der kein Sozialismus im Sinne von Marx und Engels war und auch kein Sozialismus, dessen behutsamer Aufbau von Lenin begonnen und später nicht fortgesetzt wurde. Es war der Versucht, eine selbstgemachte Utopie in die Realität umzusetzen, die weder etwas mit Marx und Engels noch mit Lenin zu tun hatte. Ihre Methoden, die Wirklichkeit laufend zu analysieren, neue Entwicklungen und Tendenzen zu erkennen und aufzugreifen, wurden durch Dogmen in ihrem Namen ersetzt und mit Zitaten aus ihren Werken verbrämt und als ihre Weisungen ausgegeben, dabei achtete man nicht einmal auf Veränderungen und Entwicklungstendenzen im eigenen Machtbereich. Man blieb vollends utopischem Denken verhaftet, vor dem schon Marx und Engels gewarnt haben.

Erich Honecker blieb der Oberflächlichkeit verhaftet, statt Analyse wurde Wunschdenken zur Maxime des Handelns, das sowohl in der Sowjetunion und in den anderen 'sozialistischen Ländern Europas' zum Scheitern führte.



© Wolfgang Bernhagen, Berlin 1994




Anmerkungen

(1) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, Der Sturz - Erich Honecker im Kreuzverhör, Berlin und Weimar 1990, S. 405.

(2) Vgl. Ebd. S. 418.

(3) Vgl. Ebd. S. 114/15.

(4) Vgl. Egon Krenz, Wenn Mauern fallen. Die friedliche Revolution: 'Vorgeschichte - Ablauf - Auswirkungen. Unter Mitarbeit von Hartmut König und Gunter Rettner, Wien 1990, S. 120.

(5) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, Hamburg 1992, S. 4.

(6) Vgl. Armin Mitter und Stefan Wolle (Hrsg), Ich liebe euch doch alle, Berlin 1990, S. 120. Befehle und Lage berichte des MfS, Januar - November 1989, Dokument Nr. 21.

(7) Vgl. Eduard von Schnitzler, Der rote Kanal, Hamburg 1992, S. 20.

(8) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 63

(9) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, ebd., S. 36.

(10) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 115.

(11) Vgl. Ebd., S. 285.

(12) Vgl. Ebd., S. 284.

(13) Vgl. Ebd., S. 424.

(14) Vgl. Ebd., S. 115.

(15) Vgl. Ebd., S. 424/25.

(16) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, S. 43.

(17) Vgl. Alexander Osang, Ein lustiges Rotgardistenblut, Aus dem Leben des E. H., in Kursbuch 111 Februar 1993, in Sachen Erich Honecker, Berlin - Rowohlt 1993, S. 67.

(18) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 134.

(19) Vgl. Ebd., S. 1444.

(20) Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Abriß, Berlin 1978, S. 187.

(21) Vgl. "Unpersonen" Wer waren sie wirklich? Bucharin - Rykow -Trotzki - Sinowjew - Kamenew, Berlin 1990.

(22) Vgl. Peter Przybylski, Tatort Politbüro. Die Akte Honecker. Berlin 1991, S. 162/63.

(23) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, ebd., S. 15.

(24) Vgl. Ebd., S. 45.

(25) Vgl. Wolfgang Leonhard, Spurensuche. Vierzig Jahre nach Die Revolution entläßt ihre Kinder. Köln 1992, S. 195.

(26) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, ebd., S. 44.

(27) Vgl. Karl Marx an Weydemeyer am 5. März 1852 in: Karl Marx und Friedrich Engels Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Berlin 1952, Band II., S. 425.

(28) Vgl. Friedrich Engels, Rede am Grabe von Karl Marx, ebd., S. 156.

(29) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 75.

(30) Vgl. Sachwörterbuch der deutschen Geschichte und der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 2, Stichwort L - Z, Stichwort Pariser Kommune, Berlin 1970, S. 248.

(31) Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei in Karl Marx und Friedrich Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Berlin 1952, Band I, S. 35.

(32) Vgl. W. I. Lenin, Werke Bd. 17, S. 126.

(33) Vgl. Friedrich Engels, Einleitung zu Karl Marx, in: Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1880 in: Karl Marx, Friedrich Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Berlin 1952, Bd. 1, S. 110.

(34) Vgl. W. I. Lenin, Rede auf dem 1. Kongreß der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels am 4. Dezember 1919, in W I. Lenin, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Bd. 11, Moskau 1947, S. 636.

(35) Vgl. W 1. Lenin, Die Aufgaben der jugendverbände, Rede auf dem III. Allrussischen Kongreß des Kommunistischen Jugendverbandes Rußlands am 2. Oktober 1920, ebd., S. 792/97.

(36) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 331.

(37) Vgl. Ebd-, S. 366.

(38) Vgl. Manfred Gerlach, Mitverantwortlich. Als Liberaler im SED-Staat, Berlin 1991, S. 171.

(39) Vgl. Ebd., S. 167.

(40) Vgl. Ebd., S. 208.

(41) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd. S. 74.

(42) Vgl. Ebd., S. 192.

(43) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, ebd., S. 16.

(44) Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels, ebd., Bd. I, S. 35/36.

(45) Vgl. Rosa Luxemburg und die Freiheit der Andersdenkenden. Extraausgabe des unvollendeten Manuskripts "Zur russischen Revolution und anderer Quellen zur Politik mit Lenin, Berlin 1990, S. 157/58.

(46) Vgl. W. I. Lenin, Notizen eines Publizisten in Werke Bd. 33, S. 194/95.

(47) Vgl. J. W. Stalin, Über einige Fragen des Bolschewismus, Brief an die Redaktion der Zeitschrift Proletarskaja Revoluzija, in: J. W. Stalin, Fragen des Leninismus, Moskau 1947, S. 436.

(48) Vgl. G. Smirnow, Über die Leninsche Sozialismuskonzeption, in: Hintergrund, Marxistische Zeitschrift für Gesellschaftstheorie und Politik, Heft 111 1989, S. 36.

(49) Vgl. Friedrich Engels, Brief an Paul Lafargue vorn 11. August 1884, in: MEW, Bd. 36, S. 198.

(50) Vgl. Herbert Wolf, Hatte die DDR eine Chance? Sozialismus extra, Hamburg 1992, S. 8.

(51) Vgl. Karl Eduard von Schnitzler, ebd., S. 316.

(52) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereignissen, ebd., S. 38.

(53) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzber, ebd., S. 413.

(54) Vgl. Andreas Malycha, Wladislaw Hedeler, Die Stalinisierung der SED, Mainz 1991, S. 23. Podium IV.

(55) Vgl. Ebd., S. 28.

(56) Vgl. Jürgen Kuczynski, Nicht ohne Einfluß, Macht und Ohnmacht der Intellektuellen, Köln 1993, S. 58. Kleine Bibliothek 34.

(57) Vgl. Brigitte Zimmermann und Hans-Dieter Schütt (Hrsg.) ohnMacht. DDR-Funktionäre sagen aus. 2. Auflage Berlin 1992, S. 180.

(58) Vgl. Robert Kurz, Honeckers Rache. Zur politischen Ökonomie des wiedervereinigten Deutschlands, Berlin 1991, S. 12/13. Critica Diabolis 29.

(59) Vgl. Günter Mittag, Um jeden Preis. Im Spannungsfeld zweier Systeme. Berlin und Weimar 1991, S. 210.

(60) Vgl. Ebd., S. 168/69.

(61) Vgl. Ebd., S. 235.

(62) Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, ebd., S. 43.

(63) Vgl. Peter Bender, Unsere Erbschaft. Was war die DDR - was bleibt von ihr. Hamburg, Zürich 1991, S. 26. Luchterhand-Essay, Bd. 11.

(64) Vgl. Filip S. Foner, Reinhard Schultz. Das andere Amerika. Geschichte, Kunst, Kultur der amerikanischen Arbeiterbewegung. 3. Auflage, Berlin 1986, S. 54.

(65) Vgl. Waldtraud Seidel-Höppner, Joachim Höppner, Theorien des vormarxistischen Sozialismus und Kommunismus, Köln 1987, S. 47. Studien zur Dialektik.

(66) Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Koimmunistischen Partei, ebd., S. 51.

(67) Vgl. Lion Feuchtwanger, Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde. Berlin Weinmar 1993, S. 78. ATV. 1680

(68) Vgl. Hewlett Johnson, Dekan von Canterbury, Ein Sechstel der Erde. Berlin 1947, S. 10.

(69) Vgl. Wolfgang Lenhord, ebd., S. 165/166.

(70) Vgl. Manfred Gerlach, ebd., S. 32.

(71) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 136/37.

(72) Vgl. Manfred Gerlach, ebd., S. 66.

(73) Vgl. Manfred Gerlach, ebd., S. 235.

(74) Vgl. Reinhold Andert, Wolfgang Herzberg, ebd., S. 326.

(75) Vgl. Ebd. S. 65.

(76) Vgl. Ebd., S. 324.

(77) Vgl. Ebd., S. 228.

(78) Vgl. Ebd., S. 320/21.

(79) Vgl. Robert Havemann, ja, ich hatte Unrecht. Warum ich Stalinist war und Antistalinist wurde (1965), in: Robert Havemann, Die Stimme des Gewissens, Texte eines deutschen Antistalinisten, Hamburg 1990, S. 129.

(80) Vgl. Karl Eduard von Schnitzler, ebd,. S. 90.

(81) Vgl. Peter Bender, ebd., S. 36/37.

(82) Vgl. Erich Honecker zu dramatischen Ereingnissen, ebd., S. 28 + 27.

(83) Vgl. Wolfgang Leonhard, ebd., S. 294.

(84) Vgl. Brigitte Zimmermann und Hans-Dieter Schütt (Hrsg.), ebd., S. 59/60.

Quelle: Hintergrund. Marxistische Zeitschrift fuer Gesellschaftstheorie und Politik. Einschaetzungen, Analysen, Informationen. I/1994, S. 7-25










 

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