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Beiträge zur Theorie  










Nachfolgender Artikel ist eine Replik auf eine Arbeit, die in einer angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift (Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie) im Fruehjahr dieses Jahres erschienen ist. N.Hartkamp, M.B.Buchholz

N.Hartkamp, M.B.Buchholz

"Jetzt sind die Menschen reif" - und wir Psychotherapeuten? -

zu H. Speidels Arbeit: "Tabus von heute - Probleme von morgen"


"Wir muessen die Krise jetzt nutzen,
denn jetzt sind die Menschen reif."
Tyll Necker, Praesident des Bundesverbandes
der Deutschen Industrie

Wenn Psychoanalytiker sich zu Themen der Zeitgeschichte aeussern, so duerfen sie sich einer breiten Aufmerksamkeit gewiss sein, steht die Psychoanalyse doch in dem Ruf, als "revolutionaere Theorie" (Bauriedl 1984, S.489) persoenlichkeits- und beziehungseinschraenkende Ideologien und Abwehrstrukturen emanzipatorisch aufzuloesen. Dieser Ruf der Psychoanalyse, eine "kritische Theorie des Subjekts" (Horn 1972, 263 ff.) zu sein, gruendet sich in erster Linie auf die Arbeiten von Autoren wie A.Mitscherlich (1947/49, 1967, 1971) und H.E. Richter (1976, 1983, 1985), die psychoanalytisches Denken in einem aufklaererischen Sinne oeffentlichkeitswirksam und politisch zur Geltung zu bringen suchten. Neben dieser Tradition war in der Psychoanalyse jedoch immer auch eine andere Tradition lebendig, innerhalb derer psychoanalytische Denkfiguren benutzt wurden, um diejenigen, deren Widerspruch gefuerchtet wurde zu pathologisieren und auszugrenzen (etwa bei: Francis 1970, Simenauer 1970) und sich den jeweils vorherrschenden gesellschaftlichen Stroemungen anzupassen - eine Tradition, die sich bis in die Anfaenge der Psychoanalyse zurueckverfolgen laesst (vgl.: Efron 1977). Ein markantes Beispiel fuer solche Tendenzen findet sich innerhalb der "Weltanschauungs-Debatte" vor 1933 (Mueller- Braunschweig 1933, Lohmann, Rosenkoetter 1982, Dahmer 1983, Nitzschke 1991), in der sich Psychoanalytiker darum bemuehten, psychoanalytisches Denken mit dem Gedankengut des an die Macht gelangenden Nationalsozialismus in Einklang zu bringen.

In juengster Zeit hat nun H. Speidel (1994) eine Arbeit vorgelegt, die sich - dem ersten Anschein nach - das aufklaererische Programm der Psychoanalyse zu eigen macht, soll es doch darum gehen, gegenwaertige gesellschaftliche Tabus zu benennen, deren Wirken in der Zukunft fatale Folgen zeitigen koennte. Indes: Der erste Anschein truegt. Speidel geht es um nichts weniger, als um Aufklaerung - tatsaechlich transportiert sein Beitrag im Gewande wissenschaftlicher Diskussion politische Auffassungen, die H.Speidel als stramm konservativen Denker erkennen lassen, wobei seine Anschauungen sich weder in der Form noch im Inhalt vom Diskurs der Neuen Rechten unterscheiden.

1. Statt "gesellschaftlicher Tabus" geht es um neu-rechte Ideologie

Folgt man dem Verstaendnis Freuds (1912/13, S.26ff.), so sind als "Tabu" diejenigen Gebote und Beschraenkungen anzusehen, die nicht auf religioese oder moralische Verbote rueckfuehrbar erscheinen - Tabus "verbieten sich eigentlich von selbst" (Freud 1912/13, S.26) - und die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie sich nicht in ein System fuer notwendig gehaltener, durch ihren Zweck bestimmter Einschraenkungen einordnen. Tabus im Freudschen Sinne verweisen auf die "archaische Erbschaft" (Freud 1939, S. 204ff.) des Menschen, auf den "dunklen Ursprung unseres eigenen 'kategorischen Imperativs'" (Freud 1912/13, S.32), auf primitive und archaische Seelenzustaende. Demjenigen, der so geartete Tabus kritisch anzugehen weiss, der sich sogar anschickt sie zu brechen, wird man Mut bescheinigen und Respekt bezeugen.

Diesem engen, von biologischen und von phylogenetischen Vorstellungen gepraegten Gebrauch des "Tabu"-Begriffs durch Freud steht nun allerdings eine weitergefasste, eher sozialpsychologisch gepraegte Bestimmung gegenueber, der zufolge die zentrale Definition eines Tabus lautet: "Wo immer man nicht mehr weiter zu fragen wagt oder nicht einmal auf den Gedanken kommt, es zu tun, hat man es mit einem Tabu zu tun" (Mitscherlich, Mitscherlich 1967, S. 111). Ueber das Verbot hinaus sind Tabus mit einer Denkhemmung verknuepft, Tabus schaffen Konformitaet unter den Gehorchenden, schalten eindringendes Fragen aus und halten so den Erkenntnisstand gering (1967, S.111f.). Daher, so A. und M. Mitscherlich, bestehe das "Wesen vieler Eliten [...] darin, sowohl Tabus mitzubilden, wie die Befangenheit in ihnen auszubeuten." (1967, S.112)

Schliesst man sich dieser nuechterneren Sicht an, so geht es bei "Tabus" zunaechst um nichts anderes als um Ideologie, d.h. um Systeme gesellschaftlicher Anschauungen, die bestimmte Interessen zum Ausdruck bringen und entsprechende Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen einschliessen. Die Diskussion um Tabus erscheint dann als Kontroverse um die Frage, wem es gelingt, seine eigenen Anschauungen, Bilder und Wertungen zur Geltung zu bringen und durchzusetzen.

Solche Kontroversen sind keineswegs belanglos. Politik findet innerhalb einer "gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit" statt (Berger, Luckmann 1982), bei der es ganz zentral um den Kampf darum geht, was die Menschen als ihre soziale und politische Wirklichkeit ansehen bzw. ansehen sollen. Als Meinungsfuehrer kann sich etablieren, wer in der Lage ist, komplexe politische, oekonomische, soziale und kulturelle Phaenomene auf eingaengige Bilder zu reduzieren, und wer auf solche Weise eine "kulturelle Hegemonie" gewonnen hat, der hat alle Aussichten auch die politisch-institutionelle Vorherrschaft zu gewinnen. Diesen Zusammenhang hat zwar als erster der linke italienische Politiktheoretiker Antonio Gramsci erkannt, in Deutschland machten jedoch zunaechst die Konservativen konsequenten Gebrauch davon, so etwa H.Geissler, dessen umstrittene Lagerthese die Auffassung beinhaltete, ohne die Besetzung der zentralen politischen Begriffe mit eigenen Inhalten sei das konservative gegen das linke Lager auf Dauer nicht mehrheitsfaehig.

Der Versuch, "kulturelle Hegemonie" zu gewinnen ist es auch, der die verschiedenen Gruppierungen zusammenhaelt, die - obwohl sie anders als in Frankreich ueber keine uebergreifende Organisationsstruktur verfuegen - in ihrer Gesamtheit als Neue Rechte gekennzeichnet werden koennen. Zentraler Ausgangpunkt der Neuen Rechten - und hier folgen wir dem Poli- tikwissenschaftler W. Gessenharter (1994) - ist die vorrangige Stellung des Kollektivs, der "Gemeinschaft", des "Staates" gegenueber dem Individuum. Hierin knuepft sie an ein grundsaetzlich gegen Liberalismus, Pluralismus und soziale Demokratie gerichtetes Politik- und Verfassungsverstaendnis an. Politik im neu-rechten Verstaendnis erklaert die Wahrung der Lebensfaehigkeit des zu einer politischen "Gemeinschaft" zusammengeschlossenen Kollektivs zur vordringlichen Aufgabe, die nur geloest werden koenne, wenn die Gesellschaft in ihrer Substanz homogen und damit - angeblich - ohne innere Konflikte sei. Daher wird auch der vermeintlichen ethnischen Ueberfremdung der haerteste Kampf angesagt ebenso wie den innergesellschaftlichen Minderheiten, die sich, aus welchem Grund auch immer, dem Majoritaetsdruck entziehen oder entziehen wollen (Gessenharter 1994, S.58f.). Wer diese als Naturgesetzlichkeiten des sozialen Lebens dargestellten "Wirklichkeiten" nicht zur Kenntnis nehmen wolle, sei das Opfer von Tabus, Illusionen und Irrealitaeten, die als Folge der "Umerziehung" durch die aliierten Kriegsgegner den Deutschen ihre realistische Sicht auf das Konkrete, Wirkliche, naemlich ihre deutsche Nation und deren Interessen genommen haetten. An die Stelle dieser "realistischen Sicht" sei der Ungeist des Universalismus getreten, der sich am deutlichsten in den illusionaeren Forderungen der Franzoesischen Revolution nach gleichen Menschenrechten, das heisst nach Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit fuer alle Menschen zeige (Gessenharter 1994, S.60). Vor diesem Hintergrund kann es nicht verwundern, dass gerade diejenigen Vertreter eines liberalen Konservativismus, welche die Freiheit des einzelnen gegenueber einem uebermaechtigen Staat bewahren wollen, wie etwa Rita Suessmuth oder Heiner Geissler, zum bevorzugten Ziel neu-rechter Polemik werden.

Wir moechten keine Missverstaendnisse entstehen lassen: Die Neuen Rechten sind nicht die alten Nazis. Wohl aber erfuellt neu-rechtes Denken eine "Scharnierfunktion" (Gessenharter 1994, S.57ff.) zwischen Neo-Konservativismus und Rechtsextremismus, die Funktion nationalistisches und autoritaeres Gedankengut in der Oeffentlichkeit diskussionsfaehig zu machen. Unser grober Ueberblick ueber die ideologischen Positionen der Neuen Rechten macht u.E. deutlich, wie genau Speidel sich diesem Denken anschmiegt, wobei wir nicht erkennen koennen, inwieweit es in der Absicht Speidels gelegen haben mag, sich dem neu-rechten Denken anzupassen oder inwieweit hier nur zum Ausdruck kommt, wie weitgehend solches Denken bereits auch Intellektuelle erfasst hat. Es ist innerhalb des hier zur Verfuegung stehenden Rahmens auch nicht moeglich, sich mit allen Thesen Speidels auseinanderzusetzen, so dass wir uns daher auf die Diskussion einzelner Aspekte beschraenken.

2. Speidels neu-rechte Gesellschaftsdiagnose einer "hedonistischen Massendemokratie"

Da wo Speidel von unserer gegenwaertigen Gesellschaftsform spricht, spricht er von ihr in einem pejorativen Sinne als "hedonistischer Massendemokratie". Diese Gesellschaft kennzeichne eine "hedonistisch-unverbindliche Mentalitaet" (S.146), welche von der regressiv-infantilen Motivationslage eines Mentalitaetstyps bestimmt werde, der seine reichliche freie Zeit in "lustig- naiver Kinderkleidung" (S.146) mit "faulenzen" oder kindlich-puerilen Spielen verbringe (S.146). Das Recht der Triebe auf Befriedigung werde geltend gemacht (S.147), ihre "Zuegellosigkeit" werde besonders "am Strand augenfaellig" (S.146). Auch die Forderung nach Menschenrechten und Menschenwuerde sei nur eine andere Ausdrucksform eines "hedonistischen Zentralanliegen(s) der demokratisch-egalitaeren Massendemokratie" (S.147), die, wie er nicht muede wird zu betonen, "psychoanalytisch gesprochen, in vieler Hinsicht praeoedipale Zuege traegt" (S.148), die er als schwer gestoert und krank hinzustellen sucht, indem er sie in verquerer Weise mit den sexuellen Perversionen eines de Sade zu identifizieren sucht (S.145).
Von dieser Diagnose ausgehend will er uns erklaeren, wie die Verhaeltnisse "in Wirklichkeit" zu sehen seien: Keineswegs seien etwa fruehere Zeiten sexualfeindlich gewesen, die angebliche Pruederie sei nichts anderes als groessere "Feinfuehligkeit" (S.149) und wer dies anders sehe, projiziere und verleugne. Beim Problem des Rechtsradikalismus handele sich in Wirklichkeit um das Problem von ihrer Elterngeneration im Stich gelassener Jugendlicher (S.149), die Abscheubekundungen im Zusammenhang mit der Gewalt gegen Auslaender seien der Ausdruck von Reaktionsbildungen (S.150) angesichts der Handlungsunfaehigkeit des Staates, die wiederum in der "linkstypischen Destruktion bzw. Denunziation staatlicher Autoritaet" (S.150) ihre Wurzeln habe.

Speidel vermag es nicht, fuer die Triftigkeit seiner Gesellschaftsdiagnose auch nur im Ansatz einen Nachweis zu erbringen und dies scheint ihm auch nicht wichtig zu sein, obgleich ja ohne Zweifel etwa die Schilderungen frueherer Gesellschaftformen durch Elias (1969) und Erdheim (1982, insbes. S.102ff.) aber auch literarische Schilderungen durch Ch.Dickens (o.J.) oder U.Sinclair (1906) wenig Anlass zu nostalgischer Verklaerung vergangener Zeiten geben. Speidels Verwendung des Begriffs der "Masse" verweist auf einen anderen Zusammenhang, den der mit den Nazis kollaborierende Hendryk de Man (19??) in seiner Schrift "Vermassung und Kulturzerfall" schon einmal polemisch gegen Demokratie und Liberalismus formuliert hatte: Die Beteiligung der "Masse" an der Demokratie bedeutet den Verlust der "Kultur" (in allen Varianten) fuer die wenigen, die sich als Eliten auszeichnen wollen. In genau diesem Ton einer Logik des "Zerfalls", die Konsensorientierung und politische Partizipation nicht nur abwertet, sondern mit Vernichtung bedroht, spricht Speidel vom "verfetteten Buergertum im progressiven Outfit" (S.146), dessen "ubiquitaere" Haltungen aus einem "Gemenge" infantiler Ideen "amalgamiert" erscheinen (S.146); hervorstechende Merkmale der "Masse" sind ihre "lokomotorische und sexuelle Beweglichkeit" (S.146) oder auch ihre "Atomisierung und Mobilitaet" (S.147). Der "Masse" wird hier also die Eigenschaft des Entgrenzten, des Unkonturierten, Vermischten zugeschrieben, sie erscheint als Ort der ungehemmten, der triebhaften Lueste, ihr fehlen die Ordnung und die Uebersichtlichkeit, die Askese, Enthaltsamkeit und Selbstzucht (S.147). Die "Masse", so stellte K. Theweleit es bereits in seiner Analyse faschistischer Propaganda und Symbolik fest, gewinnt so den Charakter einer "Verkoerperung des eigenen Unbewussten" (Theweleit 1978, S.9), im Bild der Masse verdichten sich Aengste vor einer Koerperlichkeit, die mit den Attributen von Schmutz, Schlamm und Brei versehen, und die "Hinten" und "Unten" verortet wird (Theweleit 1977, S.492ff.).

Diese Metaphorik ist es auch, die der Rede von dem "Asylantenstrom", von der "Asylbewerberschwemme", die es einzudaemmen gelte, ihre fatale Wirksamkeit verliehen hat. So etwa im Beitrag von Eike Libbert, Hochschullehrer und Biologe an der Universitaet Rostock in der FAZ vom 7.1.1993, S. 26, wo es heisst: "Die hohe Kriminalitaet unter Auslaendern und Asylbewerbern ist bekannt. Dabei stehen die Rumaenen mit Abstand an der Spitze. Genau das sind die Sinti und Roma, die illegal ueber Polens gruene Westgrenze stroemen und zu Hunderten vor den hoffnungslos ueberfuellten Zentrale Aufnahmestelle fuer Asylbewerber in Lichtenhagen kampierten. Und das in einem dichtbesiedelten Wohngebiet, in dem es gaerte und kochte. Dort entfalteten sie ihren Anteil einer multikulturellen Gesellschaft: bettelten, laermten, liebten sich, belaestigten Frauen und Kinder. Die Gruenflaechen versanken in Unrat und Kot. Verbrechen grassierten: Betrug, Diebstahl, Einbruch, Koerperverletzungen, Vergewaltigungen grausamster Art." Ein Beispiel fuer den Irrationalismus der von diesen Bildern transportiert wird, lieferte die Diskussion um die Kosten, welche fuer Asylbewerber aufzuwenden seien: Nachdem der Pforzheimer Oberbuergermeister J. Becker die Kosten fuer Asylbewerber mit mindestens 35 Milliarden DM pro Jahr angegeben hatte (Welt am Sonntag 18.10.92), griff der CSU-Abgeordnete M.Glos diese Zahl in der Asyldebatte des deutschen Bundestags am 11.06.93 auf, als "Kosten, die die Wirtschaftsfluechtlinge dem deutschen Steuerzahler letztendlich verursachen" und es war dann auch kein weiter Weg mehr bis zu den "ueber 40 Milliarden DM" im Parteiprogramm der Republikaner. Tatsaechlich betrugen die Kosten nach Angaben der Bundesregierung jedoch nur ein Bruchteil dieser Summe: Im Jahre 1991 handelte es sich um 5,4 Milliarden DM, entsprechend 15.000 DM pro Asylbewerber und Jahr. (vgl. dazu: Gessenharter 1994, S. 228ff.)

Speidel schliesst sich dieser Rhetorik an, wenn er als Ursache fuer die Auslaenderfeindlichkeit die "ueber Jahre hin ungesteuerte Einwanderung" (S.146) und die "massenhafte Zuwanderung" (S.151) ansieht. Wenn er dann noch hinzufuegt, dass die von ihm befuerchtete Gefahr von den Milliarden Beduerftigen dieser Welt, von den islamischen Fundamentalisten und deren "hoeherer Reproduktionsrate" ausgehe, so wird u.E. ueberdeutlich, dass es sich auch bei ihm um den Versuch handelt, all das, was von "unten" kommt, all das Unbewusste, das Triebhafte, die Wunschproduktion des Unbewussten insgesamt der Verdraengung zu unterwerfen.

Der Gegenpol dieser unkontrollierten, ungeordneten Masse ist die formierte Masse, die Nation, das Volk, dessen Reproduktion zu sichern sei. Speidel vermeidet zwar die explizite Benutzung des Begriffs der "Nation", gleichwohl durchzieht die Vorstellung vom Volk als eigener, vom Willen seiner Mitglieder unabhaengiger seinsmaessiger Groesse seine ganze Argumentation. Nichts anderes meint auch der von Speidel beifaellig zitierte E.Fuhr, wenn er die "Nation als historische Individualitaet" (FAZ 13.02.92) zu etablieren sucht. Es moege nicht uebersehen werden: Der "Nation" ist das Herrschaftsverhaeltnis inhaerent, denn die "Nation" ist eben nicht auf Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit gegruendet, was ja nichts anderes bedeuten koennte, als dass sie auf eine Vielheit hoechst unterschiedlicher Individuen basierte. Die "Nation" soll ganz im Gegensatz dazu Einheit durch Homogenitaet schaffen, etwa durch die Verpflichtung auf die Ideale einer patriarchalischen Ordnung (S.150), in der staatliche Autoritaet eben nicht in Frage gestellt wird.

Noch ein letztes zur Frage des Gesellschaftsverstaendnisses, dem sich Speidel hier anschliesst: Ein solches Verstaendnis steht, und dies ist zu betonen, in klarem Gegensatz zu dem bundesdeutschen Verfassungsgrundsatz, der lautet: "Die Wuerde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schuetzen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." (Art1,1 GG, Bundeszentrale 1982, S.22) Hier ist keine Rede von einem "Volk", dessen Reproduktion zu sichern sei oder von einer staatlichen Autoritaet, welcher sich der Einzelne unterzuordnen habe. Der Massstab ist ganz eindeutig bestimmt und zwar nicht als formale Deklaration, sondern im Sinne einer "normativen Grundlegung dieses geschichtlich-konkreten Gemeinwesens" (Hesse 1991, S.49): Es geht um die Wuerde des Menschen und zwar um die eines jeden einzelnen Menschen und es geht definitiv nicht um die "Wuerde des Deutschen" oder die einer deutschen Nation. Die Verfasser des Grundgesetzes haben diesen Gedanken unterstrichen, indem sie sich in Art1,2 GG zu den "unverletzlichen und unveraeusserlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft" bekannten (Bundeszentrale 1982, S.22) und man moege sich nicht darueber hinweg taeuschen, dass derjenige, der diese Grundsaetze als krankhaft, unreif oder pervers zu disqualifizieren sucht, nichts anderes als einen Versuch unternimmt, die Grundsaetze der Verfassung umzustossen.

3. Autoritaere Erziehung und nicht die Autoritaetskrise ist eine Quelle von Gewalt und Rechtsextremismus

In Verfolgung seines neu-rechten Programm vergisst Speidel es nicht, die Infrage-Stellung ueberkommen-autoritaerer Strukturen fuer die auslaenderfeindlichen Pogrome der letzten Jahre verantwortlich zu machen. Er bleibt jedoch Argumente schuldig; statt dessen beschraenkt er sich in seinem Artikel, der ja als wissenschaftliche Originalarbeit in einer angesehenen psychotherapeutischen Fachzeitschrift erschienen ist, auf karikierend- geringschaetzige Polemik, die er mit einigen Anekdoten zu unterfuettern sucht. Haette er Ergebnisse der Jugendforschung bemueht, so haette er lernen koennen, dass Rechtsextremismus und Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen gerade eben nicht Folge einer allzu liberalen Erziehung sind, so wie er es uns glauben machen will.

Eine im Auftrag des Landes NRW durchgefuehrte Untersuchung zur Frage des Rechtsextremismus - die erste repraesentative Untersuchung ihrer Art - belegte, dass die meisten befragten Jugendlichen eine nach eigenen Angaben glueckliche Kindheit in zumeist traditionellen Familienbeziehungen verlebten. So gaben 90 % der Befragten an, bis zum 14. Lebensjahr mit beiden Eltern gelebt zu haben, bei 80 % waren die Muetter bis zum 3. Lebensjahr des Kindes nicht erwerbstaetig (Ridder-Melchers 1993, S. 3). Von einer generellen Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen kann nicht die Rede sein: 82 % der Maedchen und 72 % der Jungen sind grundsaetzlich gegen Gewalt eingestellt. Bei einer ueberwiegenden Zahl von Jugendlichen findet sich allerdings ein autoritaeres Weltbild: 60 % sehen Recht und Ordnung in Gefahr, 52 % rufen nach einer "starken Hand fuer Deutschland" und bei einer ueberwiegenden Zahl ist soziales Denken nur noch gering ausgepraegt: So sind 60 % der Jugendlichen der Meinung "nur wer etwas leistet, soll auch etwas verdienen". Dabei sei diese Ellenbogenmentalitaet in der juengsten Altersgruppe am staerksten ausgepraegt (Ridder-Melchers 1993, S. 5).

Ein geschlossen rechtsextremes Weltbild findet sich nur bei 8% bis 10% der Jugendlichen verschiedener Altersgruppen. Bei diesen Jugendlichen gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer autoritaeren Erziehung und rechtsextremer Einstellung: Der Grossteil wurde streng erzogen; Schlaege gehoerten zu ihrem Alltag (Ridder-Melchers 1993, S.7). In vergleichbarer Weise gilt dies auch fuer Jugendliche, die als "anomisch" gekennzeichnet werden koennen, deren Gewaltbereitschaft sich nicht gezielt gegen Auslaender und Minderheiten richtet, denen vielmehr Gewalt als normales und legitimes Mittel zur Durchsetzung von Interessen erscheint. Auch diese Jugendlichen beschrieben koerperliche Gewalt und Schlaege als zum familiaeren Erziehungsstil gehoerig (Ridder-Melchers 1993, S. 8). Gewalt, so kann geschlossen werden, wird in den Familien gelernt und zwar eben nicht in einer liberalen, auf Emanzipation sich ausrichtenden Erziehung.

4. Speidels Versuch, die Emanzipation der Frauen als widernatuerlich darzustellen

Insbesondere scheint Speidel die Emanzipation der Frauen ein Dorn im Auge zu sein. In ungetruebter Selbstgewissheit erklaert er uns, dass die Frauenpolitik die Krankheit sei, fuer deren Therapie sie sich halte (S.147), was ja nichts anderes heissen kann als: Die Bemuehungen um gleichberechtigte Teilhabe der Frauen am gesellschaftlichen Leben erzeugt erst das gesellschaftliche Unrecht, gegen welches sich Frauenpolitik wendet. Solches Unrecht zeigt sich etwa darin, dass 22,5% der Frauen ueber sechzig Jahre mit einem Einkommen unter 1.000 DM auskommen muessen, aber nur 3,5% der Maenner oder darin, dass - bezogen auf das Land NRW - 42% der alleinerziehenden Muetter, hingegen nur 4,3% der alleinerziehenden Vaeter unterhalb der Armutgrenze leben oder darin, dass 1992 70% der sozialversicherungsfrei Beschaeftigten Frauen waren, gegenueber 30% Maennern oder darin, dass fast 64% der Frauen, hingegen nur knapp 12% der Maenner in der Industrie als ungelernte Kraefte arbeiten (Angaben der Landesregierung NRW vom 07.03.94). All diese Umstaende brauchen aber nicht zu interessieren, wenn man sich auf das simple Erklaerungsmuster verstaendigt, wonach die "psychosomatische Abwehr" (S.148) von Weiblichkeit und das Anstreben eines "oeffentlichen knabenhaften Koerperideals" (S.148) die Gruende seien fuer die Minderung ero- tischer Spannung zwischen den Geschlechtern, die feindselige Grundtoenung in der Geschlechterbeziehung, die massenhafte Vermehrung von Essstoerungen (S.148) und was dergleichen mehr ist. Man kann den Verdacht nicht loswerden, dass Speidel auch hier seinen eigenen zweifelhaften Vorurteilen aufgesessen ist; mit Wissenschaft hat es jedenfalls wenig zu tun, wenn er die durchschnittliche Verkleinerung des Busens und des Hueftumfangs von Frauen beklagt, um daraus gesellschaftspolitische Forderungen abzuleiten. Zu seiner Beruhigung sei ihm gesagt: Der durchschnittliche Brustumfang der Frauen hat sich in den letzten 10 Jahren um 1,7 cm erhoeht, die Taille um 2,2 cm und die Huefte ebenfalls um 2,2 cm (so die Reihenmessung 1993 des DOB-Verbands, vgl. die Verbandszeitung TextilMarkt (TM) vom 11.08.93). Vermutlich aber geht es Speidel auch nicht um Wissenschaft, sondern um ein gesellschaftliches Rollback, welches Frauen primaer die Rolle zuweisen moechte, am heimischen Herd den "Reproduktionsanspruch der eigenen Ethnie" (S.151) durch moeglichst zahlreiche Kinderproduktion zu sichern. Dieses Programm laesst sich umso besser verwirklichen, je weniger sich Frauen durch Frauenpolitik und Emanzipation fuer die Wahrung eigener Interessen einsetzen koennen. Wenn Speidel gegen Antikonzeptiva wettert, sie als Versuch einer "Freistellung von der weiblichen Biologie" (S.148) verunglimpft, so ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu Auffassungen wie denen des Osnabruecker Soziologen R.Hepp, der einer der Wortfuehrer der Neuen Rechten ist und fuer den der deutsche "Volkstod" wegen des Geburtenrueckgangs eine ausgemachte Sache ist - wobei er aber geflissentlich uebersieht, dass dieser Begriff etwas voraussetzt, was es niemals gegeben hat: ein ethnisch homogenes Deutschland - und der es bedauert, dass ein Verkaufsverbot fuer Kontrazeptiva "bei uns einfach nicht durchzusetzen" waere (so in der Zeitschrift Elemente unter der Ueberschrift "Die Endloesung der Deutschen Frage").

5. Islamisch-fundamentalistische Bedrohung?

Die von Speidel vertretene Denkungsart kommt ohne die Vorstellung einer gegenwaertigen Bedrohung nicht aus, geht es doch darum Nation und Volk in den Status einer Schicksalsgemeinschaft zu erheben. Speidel bietet sich dazu die Vorstellung eines Vormarsches des "islamischen Fundamentalismus" (S.151) an. Bei genauerer Betrachtung erweist sich, dass diese Vorstellung letztlich nichts anderes ist, als der Alptraum eines Kolonialherren: Die Angst davor, dass sich die unterworfenen Voelker eines Tages gegen ihre Herren vereinigen koennten. Dies wird etwa deutlich am Beispiel der afghanischen "islamischen Fundamentalisten", die bis zum Abzug der Sowjetarmee aus Afghanistan noch durchwegs als "Freiheitskaempfer" gehandelt wurden.

Die Islamistischen Bewegungen gehen auf antikolonialistische Bewegungen der Zeit um die Jahrhundertwende zurueck, die sich seinerzeit vor allem in Indien und in Aegypten gegen die britische Herrschaft formierten. Nach der Entkolonialisierung fanden diese Bestrebungen ein neues Ziel, indem sie sich gegen die neuen einheimischen westlich orientierten politischen Fuehrungsschichten richteten, die zur Sicherung ihrer Herrschaft sich vor allem eines westlichen Verstaendnisses von Staatlichkeit bedienten. Auftrieb erhielten diese Bewegungen, als im Zuge der sich weltweit verschaerfenden Wirtschaftskrise seit Mitte der 70-er Jahre zunehmend deutlich wurde, dass die nachkolonialen Traeume von Prosperitaet und Fortschritt in den Staaten des mittleren Ostens allesamt gescheitert waren und es stattdessen zu einer zunehmenden Verarmung, Landflucht und Verslumung weiter Bevoelkerungsteile kam. Dabei kann man ueberraschende Aehnlichkeiten der Argumentation der Islamisten einerseits und christlich-konservativer Kreise andererseits feststellen, ebenso wie auch Aehnlichkeiten zu den Argumentationen politisch rechtsstehender Kreise in den westlichen Demokratien. So wird bei den islamischen Fundamentalisten in der Regel wachsende Kriminalitaet, Drogenmissbrauch, Promiskuitaet, Prostitution, Pornographie, Abtreibung, neuerdings auch Umweltzerstoerung und AIDS beklagt. Als Therapie wird dann empfohlen, die "schleunige Umkehr, ehe es fuer alle zu spaet ist, Rueckkehr zur Religion, zum geoffenbarten Willen Gottes, bei dem allein das Heil liegt" (Halm 1993, S. 217). Ganz aehnlich wie christlich-konservative und national- konservative Kreise in den westlichen Demokratien richten sich die Bestrebungen des islamischen Fundamentalismus gegen Gesellschaftsmodelle, die auf Pluralitaet und Konsens beruhen. Dabei ist es letztlich unbedeutend, ob sich solche Modelle auf die islamische Schari'a oder die juedische Halacha stuetzen, ob christlich religioese Vorstellungen - nach den Worten Kardinal Ratzingers - einen "Status des oeffentlichen Rechts" bekommen (Kepel 1991, S.280), oder ob die Rueckbesinnung auf "heidnische Kardinaltugenden" (S.148) erfolgt, wie sie uns Speidel anempfehlen will.

6. Antisemitische Fragmente

Die merkwuerdige Verwandtschaft im propagandistischen Repertoire von is- lamischen und christlichen Fundamentalisten (vgl. Klinger 1992) gruendet in einem starken antimodernistischen Abwehraffekt; Speidel sieht in den modernen Errungenschaften (Frauenemanzipation, liberale Erziehungspraxis, Hedonismus) lediglich Symptome von Zerfall und Entgleisung, denen er entgegentreten will. Eine solche Sicht ist zwar gaenzlich unhistorisch und getragen von einer falschen Romantisierung vergangener Zeiten, dennoch koennte man meinen, sie fuege lediglich den Klageliedern der je aelteren ueber die juengere Generation nur eine weitere Strophe an. Gleichwohl koennen wir uns nicht beruhigt abwenden.

Speidels Beitrag reiht sich in die Reihe der Versuche oeffentlicher Meinungsmacher ein, die deutsche Vergangenheit zu normalisieren. Ein Tabu zu brechen war, wie wir eingangs darstellten, noch in den 70er Jahren eine dem aufklaererischen und emanzipatorischen Diskurs zugeordnete Denkfigur. Im Zuge ihres Versuchs, ueber eine Verschiebung von begrifflichen Besetzungen "kulturelle Hegemonie" zu gewinnen, waren es schliesslich jedoch die neuen Rechten, die einen ganz speziellen Tabubruch forderten: das Tabu der deutschen Vergangenheit, womit der Nationalsozialismus und dessen barbarische Verbrechen gemeint waren. An allen Fronten sollen einst tabuisierte Vorstellungen wieder "entdiskriminiert" werden: Das Spektrum reicht von der Idee der "Nation" zur "Gemeinschaft", vom "Volk" zur "deutschen Tradition", von der "Besinnung auf die eigene Art" zur "Abwehr von Ueberfremdung", von Versuchen, die Zulaessigkeit antisemitischer Aeusserungen zu testen (etwa gegen I. Bubis) bis hin zur offenen Forderung, Antisemitismus nicht zu diskriminieren.

Diese Wortverwendung ist subtil. Zu "diskriminieren" heisst ja nicht nur - fuer den Philologen - zu unterscheiden. Das Wort ist gerade von den 1968ern in die oeffentliche Diskurse eingebracht worden als der Diskriminierung von Frauen, Behinderten, Schwulen und Minderheiten der Kampf angesagt wurde. Die rechte Rhetorik bedient sich dieses Begriffs und fordert scheinheilig auch als solche Minderheit anerkannt zu werden. In zahllosen Fernsehinterviews mit Rechten und Neu-Rechten und in vielen Schriften ist eben von dieser Figur Gebrauch gemacht worden. Der Rechtsradikalismus erschleicht sich die oeffentlichen Buehnen mit der Forderung, dass man doch schliesslich auch nur "seine Meinung sagen" wolle, nicht diskriminiert werden duerfe, und die "Meinungen" (etwa von Gueter Deckert oder Fred Leuchter) laufen dann auf die Auschwitz-Luege hinaus. Das ist eine schon in der Weimarer Zeit verwendete rechte Rhetorik. Speidels Beitrag haelt sich nicht frei von dieser neu- rechten Rhetorik des sich gegen angebliche Diskriminierung wendenden "Tabubruchs", und es ist unser Eindruck, dass in kulturkritische Verkleidung sich auch Fragmente antisemitischen Denkens in seinem Beitrag finden.

Der Klaerung halber wollen wir hier folgendes bemerken: Der Begriff des Antisemitismus ist schillernd und unscharf, lange konnten sich die Forscher nicht auf eine genaue Definition einigen. Die Schwierigkeiten lagen in der Sache und sie begannen sich zu entwirren, als Volkov (1990) den Antisemitismus als kulturellen Code zu deuten vorschlug. Das Ensemble von Einstellungen und Verhaltensmustern, das damit beschrieben werden soll, ist dem der "autoritaeren Persoenlichkeit" (Adorno 1980) analog, doch visiert Volkov damit mehr als nur eine Ideologie an. Was Weltanschauung und Ideologie uebergreift, bezeichnet Volkov als "Kultur" und meint damit das "Gesamtgeflecht aller Arten des Denkens, Fuehlens und Handeln" (S.19). Innerhalb der so verstandenen Kultur kann der Antisemitismus zum kulturellen Code werden: "Das Bekenntnis zum Antisemitismus wurde zum Signum kultureller Identitaet, der Zugehoerigkeit zu einem spezifischen kulturellen Lager. Man drueckte dadurch die Uebernahme eines bestimmten Systems von Ideen und die Praeferenz fuer spezifische soziale, politische und moralische Normen aus" (Volkov 1990, S.23). So verstanden verwandelt sich der Antisemitismus in "ein Symbol, ein Kuerzel fuer ein ganzes System von Ideen und Einstellungen, die mit der direkten Schaetzung oder Nicht-Schaetzung von Juden wenig bis gar nichts zu tun" haben (ebd. Hervorhebung von uns, NH und MBB). Der Antisemitismus als "kultureller Code" geht nicht allein und nicht direkt- manifest gegen die Juden. Er ist ein System von Ideen, das sich durch Reizworte, Signalsprache, Begriffsbesetzungen und ein affektives Ressentiment zu erkennen gibt; ein System, das oft genug erst einer Dekomposition bedarf, um die Fragmente neu-rechten Denkens in ihrer unheiligen Allianz mit dem kulturkritischen oder - im vorliegenden Fall - mit dem psychotherapeutischen Diskurs sichtbar zu machen.

Hierfuer nun einige Beispiele. Speidel spricht durch ein Zitat des FAZ- Journalisten E.Fuhr davon, dass die Waehler der Gruenen (und mit ihnen ist die Emanzipationsbewegung von "1968" gemeint) beschreibbar seien durch (a) leichtfertige Abenteuerlust, (b) Zugehoerigkeit zu den kulturell tonangebenden Schichten und (c) durch die Auffassung einer ungesteuerten Einwanderung nicht als soziales Problem, sondern als Zuwachs gesellschaftlichen Erlebniswertes. Diese Leute fasst Speidel, wie schon zitiert, zusammen als "verfettes Buergertum im progressiven Outfit".

Die Zuschreibung der leichtfertigen Abenteuerlust mit all ihren sexuellen Untertoenen, die an Libertinage und Ausschweifung erinnern sollen, ist urspruenglich antisemitisch: Prototypisch wurden diese Vorstellungen in der in den zwanziger Jahren erschienenen Romantrilogie von Artur DInter (NS- Gauleiter in Thueringen) Die Suende wider das Blut, Die Suender wider den Geist, Die Suende wider die Liebe (vgl. Rohrbacher, Schmidt 1991, S. 376) formuliert. Der Zusammenhang zwischen Sexualitaet und Nationalismus soll eine politische Polarisierung entstehen lassen, wonach auf der einen Seite die Traditionalisten, auf der anderen die Modernisten stehen; zugelich aber werden die Modernisten als diejenigen mit einem Mangel an Triebbeherrschung gebrandmarkt - und das sind eben die Juden, die man bekaempfen muss, weil sie geil und Vertreter der Moderne sind. Damit erscheint die Moderne im rechten Diskurs als juedische Gefahr und Zugleich als Verfall der Tradition vo Sitte und Reinheit. Eben dieser Zusammenhang von nationalem und rechtem sexualpolitischem Diskurs durchzieht Speidels Beitrag an vielen Stellen.

Im zweiten Merkmal der kulturell "tonangebenden Schichten" klingt an, dass es sich um die "Intellektuellen" handelt, ein Wort, das im Zusammenhang der franzoesischen Dreyfus-Affaere gepraegt wurde. Die Verteidiger des zu Unrecht beschuldigten Hauptmanns Dreyfus, die sog. "Dreyfusards", wurden von ihren Gegnern mit einer neuen Wortschoepfung als "Intellektuelle" beschimpft (Rohrbacher, Schmidt 1991, S.372). Der Verweis darauf, dass es v.a. Juden seien, die Positionen als Hochschullehrer, Aerzte oder Kuenstler innehaben, sollte die Gefahr einer Ueberfremdung begruenden. Letzterer Begriff zielt dabei nicht nur personalisiert auf die Fremden, sondern auch auf das Fremde und das ist schlussendlich, was der "Natur" (eines Volkes) zuwiderlaeuft. So gehoert die trivialisierte Argumentation mit dem vermeintlich Natuerlichen und Biologischen ins antisemitische Repertoire. Die Biologie liefert angeblich das Fundament, welches lediglich durch den Geist der Intellektuellen verzerrt, seiner Bestimmung "entfremdet" (wieder taucht ein urspruenglich linker, sogar marxistischer Term in den rechten Diskursen auf) wird. Solche Entfremdung ist schon bei den Muenchner Kosmikern Alfred Schuler und Ludwig Klages, die sich Anfang der 30er Jahre aus dem George-Kreis abgespalten hatten, thematisch. Sie bezeichneten den Geist als "Widersacher der Seele", beschimpften das Denken als "Verhirnlichung" und leiteten die Mathematisierung des Denkens aus der Geldversklavung ab - konsequenterweise waren prominente Geistvertreter fuer Schuler und Klages deshalb wiederum die Juden, die die kosmische Ganzheit zersplittern, die wieder herzustellen nur um den Preis der Vernichtung der Juden moeglich erschien. Gewollt oder nicht: Wer heute in Speidels Manier gegen kulturell tonangebende Schichten und Intellektuelle antritt, riskiert "richtig" verstanden zu werden, naemlich in dieser Tradition.

Schliesslich traegt auch der rhetorische Zugriff auf die Einwanderung einen antisemitischen Kern in sich. Es ist nicht nur Ahasver, der ruhelos wandert. "Wurzellosigkeit" gehoert traditionell ins Register der antisemitischen Anwuerfe. In einer Broschuere des NS-Propagandaministeriums (zit. n. Rohrbacher, Schmidt 1991, S. 388) wird eben diese Wurzellosigkeit als typisch juedisch diffamiert und hinzugefuegt: "Dieser Geist, dem nichts heilig ist, der sich sogar seiner animalischen Gelueste in fast gotteslaesterlicher ruehmt, dieser Geist war es,der immer mehr unter dem Einfluss des Judentums zur Ausbreitung gelangte". All diese Bilder gehoeren zum antisemitischen Stereotyp. "Es ist immer diese 'gute' alte Geschichte die wiederkehrt, und das erspart einem, weiter zu denken; das erklaert alles", bemerkt J.Chasseguet-Smirgel (1993, S.190) lapidar hierzu.

7. Eine kulturelle Sackgasse?

Speidel (S. 150, Spalte 2) vertritt die Meinung, dass rechtsradikale "Haltungen, nur weil sie diskriminiert und unterdrueckt werden, nicht verschwinden. In unterschiedlichen gesellschaftlichen Konstellationen leben unterschiedliche, auch widerspruechliche Haltungen und Traditionen. Sie haben u.a. biologische Wurzeln...". Dem ersten Teil des Zitats ist man zunaechst geneigt zuzustimmen, nicht nur die gesamte psychotherapeutische Erfahrung spricht scheinbar dafuer. Aber wie es weitergeht, ist fatal. Rechtsradikalen Haltungen werden biologische Wurzeln unterstellt und so lautet die implizite, eingeschmuggelte These, dass Emanzipation gegen die "Biologie", gegen die Natur geht. So wird der Boden fuer ein fundamentalistisches und biogistisches Denken vorbereitet, von dem aus dann Emanzipation, Reflektion und begriffliche Kritik als "unnatuerlich" abgewehrt werden koennen. "Unsere" (S. 151) Intellektuellen sind geleitet und "unsere" Politiker von einem Denken gelaehmt, so Speidel, dem ein depressiver Mechanismus innewohnt. Dieser Mechanismus steht im Zusammenhang mit der, wie Speidel es diagnostiziert, von "links" betriebenen "Denunziation staatlicher Autoritaet" (S. 150), die nationalsozialistisch "korrumpiert" worden sei und deren "Schwaeche wiederum fuer die derzeitige Zunahme der Gewalt in wesentlichem Umfang ursaechlich ist". (ebd.) "Wir haben das destruktive Potential des Nazionalsozialismus introjiziert und bekaempfen dieses kollektive Introjekt" (S. 151. 1. Spalte) heisst es im psychoanalytischen Jargon. Dennoch ist zu fragen: Wer ist "wir"? Wieso "introjiziert"? Von wem ging das "destruktive Potential" aus? War es nur ein "Potential", muesste die Metapher nicht richtiger "destruktive Energie" - es waren ja nicht nur moegliche, sondern vollbrachte Endloesungen! - heissen?

Die Vertauschung von innen und aussen scheint einem aus der Neurosenlehre bekannten Vorgang nachgebildet und auf dieser Linie der Ausstossung des malignen Introjekts formuliert Spiedel weiter, wobei sich seine Vorstellungen ueberraschend klaeren: "Das Destruktive richtet sich somit gegen das Innere des Kollektivs, d.h. gegen den Selbstbewahrungs- und Reproduktionsanspruch der eigenen Ethnie sowie gegen uns als deren Mitglieder" und dann ganz klar, unmissverstaendlich: "... und wir koennen die Erhaltung unserer Kultur und die Reproduktion unseres Volkes wegen dieses kollektiven Introjekts, unserer destruktiven historischen Erfahrung, nicht als ernsthafte Ziele selbstbewusst vertreten und foerdern damit den Rechtsradikalismus, der das verlassene Feld kollektiver Identitaet usurpiert".

Die psychotherapeutische Begrifflichkeit kann hier ueberhaupt nur verwendet werden, weil Volk, Ethnie oder Nation gleichbedeutend im Sinne einer "historischen Individualitaet" verwendet werden. Die Psychotherapeutisierung solcher historischer Zusammenhaenge hat eine dreifache Folge: (1.) Das "Volk" (die Ethnie, die Nation) wird als eigenstaendige Groesse substantiviert und solche Substantivierung biologisch zu fundierten versucht (kritsch dazu schon Emmerich 1971). Nach allem jedoch, was derzeit in den Sozialwissenschaften an Diskussionen (etwa Ganssmann 1993, Ohlemacher 1994, Menzel 1994, Holenstein 1994) ueber solche Begriffe sich abzeichnet, wird immer klarer: Es handelt sich bei "Nation" oder "Ethnie", zumal im europaeischen Raum, um machtgestuetzte Fiktionen, um interessegeleitete politische Konstruktionen. Die Argumentation mit der Biologie zur Deutung politisch-historischer Zusammenhaenge gehoert zum voelkischen und neu-rechten "kulturellen Code". (2.) Der Versuch, durch Sprache zu verharmlosen zeigt sich nicht nur an solchen Beispielen wie der Rede von der "Diskriminierung" rechtsradikaler Haltungen oder von dem destruktiven "Potential" (nicht der destruktiven Realitaet) des Nationalsozialismus, sondern auch daran, dass "wir" eine "destruktive historische Erfahrung" gemacht haben, die uns am selbstbewussten Auftreten hindert. Das klingt so klinisch, so psychotherapeutisch. Aber was ist denn gemeint, mit dem "selbstbewussten Auftreten"? Geht es um Bundeswehreinsaetze "out of area" oder schon um mehr? Erinnern wir uns daran, dass Michael Kuehnen schon 1982 klar formuliert hatte, dass der Weg des "deutschen Selbstbewusstseins" ueber die Schaendung der juedischen Grabstaetten geht (vgl. Buchholz 1994); dies ist die politische Artikulation der von Spiedel anvisierten psychotherapeutischen Ausstossung des malignen Introjekts (naemlich der Schuld gegenueber den Juden). Psychotherapeutisiert klingt so eingaengig, was im politischen Kontext eindeutig dem neu-rechten Spektrums zugeordnet werden muss. (3.) Eine Folge der von Speidel verwendeten Psychotherapeutisierung ist die Umkehrung der Taeter-Opfer-Position (Buchholz 1994). Die Deutschen leiden an einer Depression, weil sie etwas Destruktives historisch erfahren haben - man muss sich das schon mal auf der Zunge zerge- hen lassen, um zu merken, was da in Speidels Diktion geschieht. Nicht, dass die Deutschen etwas Destruktives fuer ungefaehr 50 Millionen Menschen angerichtet haben, sie haben es "erfahren". Und jetzt ist es Zeit, sich zu befreien, Zeit, das Introjekt abzustossen, damit die Reprodukti- ons"ansprueche" sich "selbstbewusst" artikulieren koennen. Auch diese Umkehrung von Taetern und Opfern gehoert ins neu-rechte Repertoire (Klee 1991), ins Programm der "Normalisierung" der deutschen Vergangenheit.

8. Schluss

Wie konnte sich ein solcher kultureller Code nicht nur in einer renomierten Zeitschrift, wie konnte er sich in den Kopf eines klugen Psychoanalytikers verirren? Denn um eine Verirrung muss es sich ja handeln, will Speidel doch gegen den Rechtsradikalismus vorgehen, ihm das Wasser abgraben. Gelichwohl wird diese bewusste Absicht vom kulturellen Code unterlaufen. Modern an dieser Variante von neu-rechtem Denken und Antisemitismus als einem "kulturellem Code" ist, dass die Juden, wie Volkov es beschrieb, gar nicht mehr erwaehnt werden. Es geht gegen die Intellektuellen, gegen die Geniesser, gegen die Verfettung, gegen die Buerger und dann, unverdrossen und unueberwindbar, gegen die Volksschaedlinge. Wir haben die einzelnen Merkmale zusammengetragen mit denen die Ressentiments geweckt werden und gezeigt, wie die moralische Rechtfertigung beigestellt wird durch die Selbstdarstellung als Opfer einer historischen "Erfahrung".

Speidels Behandlungsvorschlaege der latenten kollektiven Depression runden das Bild der neu-rechten Argumentation ab. Vorgeschlagen wird zunaechst eine Therapie der Reinigung von "unnatuerlichen" Emanzipationsgedanken, die latente kollektive Depressionen verursachen. Neu-rechts ist, dass die Reinigung auf dem Gebiet der Psyche vorgeschlagen wird, damals ging es um den Volkskoerper. Die Reinigung wird dann zur Ausstossung gesteigert, zur Extrojektion, zur Befreiung von den gegnerischen Kraeften. Speidel fuehrt hier ins psychotherapeutische Feld eine Figur ein, welche die Presse seit den Rostocker Vorfaellen exemplarisch vorgefuehrt hatte. Der oeffentliche Diskurs war zunaechst bestimmt von einer Psychologisierung: Die Arbeitslosigkeit sei schuld an den rechten Ausfaellen, die Orientierungslosigkeit nach der Wende schaffe verstaendliche Verwirrungen usw. So lauteten die damaligen oeffentlichen Verstaendnishilfen. Sozialwissenschaftler haben dem mit Erfolg widersprechen (s.o.) koennen; wir haben auf einige Arbeiten hingewiesen.

Auf die Psychologisierung folgte deshalb im oeffentlichen Diskurs eine Anthropologisierung. Das unausrottbare Boese des Menschen wurde bemueht, die schwer zu leistende Zivilisierung der Bestie im Menschen geisterte schliesslich auch durch die sozialwissenschaftlichen Fachzeitschriften. Gab es erst viel Verstehen, dann ueberwog letztlich die Resignation: Gegen rechts kann man nichts machen, denn rechts ist das Wesen des Menschen. Auch dafuer gibt Speidel einige Beitraege. Und schliesslich folgte eine Ethnisierung des Sozialen. Soziale Konflikte, an deren Aufklaerung sich die Psychoanalyse in nicht geringem Umfang beteiligte, erscheinen nun ploetzlich als ethnische Konflikte. Diese werden als Fundamentum in der Sache ausgegeben, denn von einem solchen Fundamentalismus aus koennen diejenigen, die solche Konflikte weiterhin als sozial verursacht ansehen, als Feinde ausgemacht werden. Speidel artikuliert sich hier am deutlichsten anti-emazipatorisch, wenn er die Frauenfrage als "Freistellung von der weiblichen Biologie" (S. 148, 1. Spalte) auffasst. Emanzipation geht ihm gegen die Natur.

Solcher rigoroser Fundamentalismus ist nicht nur obsolet innerhalb der Fachdiskussion; er ist politisch reaktionaer, will das Rad der Geschichte zurueckdrehen in die Zeit vor 1968 und mehr noch in die Zeit vor 1945 - und taeuscht damit vor, nicht die Freiheit der Intellektualitaet und der Kultur sondern die Befreiung davon schaffe auch die Neurosen ab. Aber die Geschichte - und das ist auch die der Psychotherapie - lehrt uns das Gegenteil: Dass unbegriffen die Neurose und der Wahn sich universalisiert und eine ganze "Nation" ergreift. Abgeschafft werden dann auch die Psychotherapeuten, sofern sie nicht emigrieren. Die Vergangenheit enlaesst uns nicht, sie bleibt gegenwaertig (Mitscherlich-Nielsen 1981). Anti-Intellektualismus, Ressentiments und fundamentalistisches Denken sind Symptome einer konservativen Kulturkritik, von der auch die Psychoanalyse nie ganz frei war. Sie sind Symptome, nicht die Loesung. Bestehen bleibt die Aufforderung, sich mit den gegenwaertigen Krisen - auch denen der Psychotherapie selbst - auseinander zu setzen, aber rechte "Tabubrecher" sind dabei denkbar schlechte Ratgeber. Anstatt soziale Konflikte zu analysieren, polemisieren sie gegen Feindbilder, anstatt sich fuer Fremdes verstaendig zu oeffnen, treiben sie sie zur Hatz um die eigenen "Ethnien" zu retten. Wir halten es fuer eine beaengstigende Entwicklung, wenn Psychotherapeuten und Psychoanalytiker sich im Gewande wissenschaftlicher Argumentation daran beteiligen, solchem Denken ein Forum zu verschaffen. Rechte Missionierungen sind nicht willkommen.


© N.Hartkamp, M.B.Buchholz

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