Start

Beiträge zur Theorie  











Hannes Hofbauer

Wolfgang Harich und der Club of Rome

Harich war Gesamtdenker. Das, was seine spezifische Philosophie ausmachte, bezog er aus vielerlei, höchst unterschiedlichen Quellen. Er zog kritisches Denken förmlich an sich. Neben seiner Hegel-Rezeption, der Schule der marxistischen Klassiker, die er penibel und ausdauernd im Bautzener Gefängnis studiert hatte, den Diskussionen mit Georg Lukacs und seinen Nikolai-Hartmann-Studien beschäftigte sich der Zeit seines Lebens politisch verfolgte deutsche Philosoph intensiv mit den Forschungen des Club of Rome. Darüber, über den ökologischen Harich, wird es im folgenden Bericht gehen.

Harich war ein ökologisch denkender Mensch. Oikos und Logos begriff er als zentrale Kategorien des menschlichen Seins, lange vor der neuen Umweltbewegung. Die Lehre des Hauses, als Weltganzes verstanden, als Behausung der menschlichen Gattung, war für ihn gleichbedeutend mit philosophischer Grundlagenforschung. Darum setzte er sich mit den Wechselbeziehungen von belebter und nichtbelebter Natur - wie Klima oder Böden -, mit dem stofflichen Haushalt unserer Biosphäre auseinander.

Ausgangspunkt Hegel

Seit 1948 näherte sich Harich dem ökologischen Denken an. Seine Ausgangsthese wurzelte in einer Hegelschen Grunderkenntnis, wonach die Natur ein zusammenhängendes, einheitliches Ganzes darstelle. Als Lehrbeauftragter der Pädagogischen Fakultät an der Berliner Humboldt-Universität heftete sich Harich gedanklich auf die Spur von Stalins Traktat "Über dialektischen und historischen Materialismus", insbesondere den "l. Grundzug der materialistischen Dialektik", das 1936 erschienen war. Stalins lapidarer These, wonach "Dinge und Erscheinungen miteinander organisch verbunden sind, voneinander abhängen und einander logisch bedingen", mußte der junge Harich - SED sei Dank - naturwissenschaftlich Rechnung tragen. Er fand sie in der "Pflanzensoziologie" von Du Rietz, der "Waldkunde" Wohlfahrts und in "Der See als Lebenseinheit" von August Thienemann bestätigt. Weitere biologische und mathematische Studien folgten.

Harichs Hauptinteresse war vorerst kein umweltschützerisches, sondern philosophisch motiviert. Bei näherer Betrachtung schienen ihm die Naturwissenschaften des 20. Jahrhunderts bar jeder Zusammenhangsforschung. Das dialektische Prinzip Hegels fand kaum Eingang in die Erkenntnisse beispielsweise der biologischen Forschung. Also setzte es sich Harich zur Aufgabe, Hegels Dialektik für die Naturwissenschaften nutzbar zu machen. Namentlich interessierte ihn "Hegels Kritik an dem, was wir heute ,lineare Kausalität' und ,monokausales Denken' nennen, und sein Dringen darauf, jedesmal die konkrete Totalität auf den Begriff zu bringen. (...) Wer die im Kopf hat und sie überdies materialistisch zu fassen sucht, wird, sobald er Ökologie zu studieren beginnt, entdecken, daß sämtliche Öko-Gefüge ,konkrete Totalitäten' im Hegelschen Sinne sind, daß mithin für sie mutatis mutandis dasselbe gilt wie für die gesellschaftlichen Totalitäten, auf die sich der historische Materialismus bezieht. (...) der qualitative Unterschied zwischen organischer Natur und gesellschaftlichem Sein darf selbstredend nicht übersehen werden. Aber dann gibt es da auch noch das Umschlossensein der Gesellschaft im ganzen von der Totalität der Natur ..." (1)

Beim Limnologen Thienemann intensivierte Harich das Wissen über die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur. Der Mensch wird von seiner Naturbasis nicht nur getragen, sondern wirkt auf sie zurück - produktiv und gleichzeitig auch destruktiv, zerstörerisch. Das erhärtete die Aussagen des dialektischen Materialismus, der eben nicht nur auf die Historie, sondern auch auf die stofflichen Wechselbeziehungen zwischen Natur und Gesellschaft anzuwenden sei. Im Kopf von Wolfgang Harich formten sich - vor allem auch unter dem Eindruck von Engels "Dialektik der Natur" - erste Gedankenbruchstücke einer Dialektik der Ökologie.

Dieses Hegelsche "Umschlossensein der menschlichen Gesellschaft von der Totalität der Natur" sowie die unausweichlichen gegenseitigen Wechselwirkungen führten Harich Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre - in der Zelle in Bautzen - zur Erkenntnis, daß organische Natur à la longue durch industrielle Zivilisation und deren Agrikultur gefährdet sei. Gewißheit über diese menschheitsbedrohenden Gefahren brachte, ein Jahrzehnt später, die MIT-Studie (Massachusetts Institute of Technology) von Dennis Meadows, "Grenzen des Wachstums", an den Club of Rome. Der Club of Rome war 1968 vom italienischen Industriellen Aurelio Peccei gegründet worden und stellte einen informellen Zusammenschluß von Wissenschaftlern, Managern und Politikern dar, die - im eigenen Selbstverständnis - "Menschheitsforschung" betrieben. Die brisanteste Aussage des 1972 erschienenen Berichts "Grenzen des Wachstums" war der Ruf nach einem wirtschaftlichen Nullwachstum, der zwar wenige Jahre später von den Auftraggebern revidiert wurde, der Forschung aber als grundlegende Erkenntnis blieb.

Den Club of Rome antikapitalistisch wenden

Die Warnungen des Club of Rome lösten bei Wolfgang Harich die Idee aus, das Meadowsche Gedankengut, in seiner Struktur durchaus antikapitalistisch, mit marxistischer Philosophie und linker Politik kompatibel zu machen. Ein erneutes, speziell auf den ökologischen Aspekt ausgerichtetes Studium von Marx und Engels folgte. Bei Marx gab es eben nicht nur - in seiner "Kritik der politischen Ökonomie" - die "Höherentwicklung der Produktivkräfte" nach der proletarisch sozialistischen Revolution, die alle "Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums" voller fließen lassen würden, sondern es fanden sich auch Warnungen vor der möglichen Destruktivität der Produktivkräfte.

Im ersten Band des "Kapitals" beispielsweise steht dazu zu lesen: "Und jeder Fortschritt der kapitalistischen Agrikultur ist nicht nur ein Fortschritt in der Kunst, den Arbeiter, sondern zugleich in der Kunst, den Boden zu berauben, jeder Fortschritt in der Steigerung seiner Fruchtbarkeit für eine gegebene Zeitfrist zugleich ein Fortschritt im Ruin der dauernden Quellen dieser Fruchtbarkeit. Je mehr ein Land, wie die Vereinigten Staaten von Nordamerika z.B., von der großen Industrie als dem Hintergrund seiner Entwicklung ausgeht, desto rascher dieser Zerstörungsprozeß. Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." (2)

Bei Friedrich Engels "Dialektik der Natur" wiederum entdeckte Harich naturbezogene Ausbeutungskritik lange vor jeder Ökologiebewegung: "Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns. Die Leute, die in Mesopotamien, Griechenland, Kleinasien und anderswo die Wälder ausrotteten, um urbares Land zu gewinnen, träumten nicht, daß sie damit den Grund zur jetzigen Verödung jener Länder legten, indem sie ihnen mit den Wäldern die Ansammlungszentren und Behälter der Feuchtigkeit entzogen. Die Italiener der Alpen, als sie die am Nordabhang des Gebirges so sorgsam gehegten Tannwälder am Südabhang vernutzten, ahnten nicht, daß sie damit der Sennwirtschaft auf ihrem Gebiet die Wurzel abgruben. (... ) Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht, wie jemand, der außer der Natur steht - sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehen, und daß unsre ganze Herrschaft über sie darin besteht, im Vorzug vor allen andern Geschöpfen ihre Gesetze erkennen und richtig anwenden zu können." (3)

Von Marx und Engels also bezog Wolfgang Harich sein Wissen über die Zweischneidigkeit des Fortschrittsbegriffes, der linear und undialektisch das 20. Jahrhundert geprägt hat. Gleich den Klassikern ortet Harich das Umschlagen der Produktiv- in Destruktivkräfte in der vom Kapitalismus geprägten Industriegesellschaft. Sein großes Verdienst: Harich öffnet damit die Denker Marx und Engels für die entstehende Ökologiebewegung.

Wider die Wachstumsideologie

Sozialistische Ökonomen hatten - bei vielerlei Gegnerschaft - mit Kapitalverwertern im Westen eine Grundposition gemein; sie standen für die Fortsetzung der von Wachstumsphilosophie begleiteten industriellen Produktions- und Reproduktionsprozesse. Dieser im Grunde ideologische Gleichklang führt uns heute zur Erkenntnis, die sozialistischen Gesellschaften in Osteuropa könnten nicht viel mehr als nachholende industrielle Entwicklungsmodelle mit besonderen sozialen Verteilungsideen gewesen sein.

Ideologisch gipfelte der Kampf der Traditionslinken gegen den Club of Rome in der Unterscheidung von "gutem" und "bösem" Kapital, guten und bösen Kapitalisten. Die Wachstumsskeptiker gehörten zu den bösen, das wurde auch den Arbeitern in der DDR eingetrichtert. Harich ließ in seinem "Kommunismus ohne Wachstum" die Arbeiter von den Parteigenossen sinngemäß warnen: "Fallt um Himmels willen nicht auf Reaktionäre und Obskuranten wie Peccei, Forrester und Meadows herein, die wollen euch ins Elend stürzen! Hört dann schon lieber auf McNamara, ehemaligen amerikanischen Kriegsminister, Schlächter des vietnamesischen Volkes, jetzigen Präsidenten der Weltbank, der euch, wie wir, sagt (wörtlich): ,Wir brauchen das wirtschaftliche Wachstum, um unseren Beitrag zum Kampf gegen die Armut leisten zu können`." (4)

Der Fiat-Manager Aurelio Peccei war beliebtes Angriffsziel von links. Und Harich konterte den Angreifern. Für ihn war es logisch, daß gerade die Automobilhersteller ökologische Studien finanzierten - schon aus Alibigründen. Auch daß die monopolistisch agierende Bourgeoisie an langfristig angelegter Strategieforschung interessiert war, überraschte ihn nicht; die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollten sich Marxisten einfach zu eigen machen. Am stärksten griffen jedoch seine Gegenargumente in dem Moment, als der Club of Rome selbst den Meadows-Bericht zurückzog. Die ein Jahr nach dem Erscheinen der MIT-Studie einsetzende Erdölkrise hatte nämlich bewirkt, daß sich der Club of Rome von der Nullwachstumsformel distanzierte. 1976 erklärte Vizepräsident Nelson Rockefeller, daß es nicht darum gehen könne, einen kleiner werdenden Kuchen zu verteilen, sondern daß man sein Wachstum betreiben müsse. Die Club- of-Rome-Inspektoren reagierten prompt - und unterwürfig: "Wir hatten nie behauptet, daß der Club of Rome gegen Wirtschaftswachstum ist", hieß es plötzlich. "Die Meadows-Studie war nicht vom Club of Rome gefertigt, sondern an den Club of Rome gerichtet", lautete die Distanzierung plump.

Marxistische Wachstumskritik à la Harich hatte sich damit - auch vor den Augen der linken Fortschrittsapologeten - rehabilitiert, zumindest theoretisch. Die Standhaftigkeit in dieser Frage machte Wolfgang Harich auch zum weithin bekannten marxistisch argumentierenden Wachstumsbegrenzer. Sein "Kommunismus ohne Wachstum", ein als - fiktives - Gespräch mit dem SPD-Mann Freimut Duve im Jahre 1975 erschienener Band, setzt bei der "radikalen Verschwörung zur Gleichheit" an. In Anlehnung an den utopischen Sozialisten Gracchus Babeuf beginnt Kommunismus für Wolfgang Harich mit "gerechter Verteilung, konsequent und radikal durchgeführt". (5) Die MIT-Studie gibt ihm dazu Material, auf das er sich berufen kann. Dort heißt es u.a.: "Der Zustand des globalen Gleichgewichts kann so projektiert sein, daß die wichtigsten materiellen Bedürfnisse eines jeden Menschen auf der Erde befriedigt werden, und jeder Mensch die gleiche Möglichkeit hat, seine individuellen Fähigkeiten zu realisieren." (6)

Harich verband die Forderung nach Nullwachstum mit der Idee einer gerechten Verteilung des Mangels, mit rationierter Verteilung. Diese Idee kam ihm Ende 1973, als er in der BRD weilte. Die Ölkrise hatte zur Rationierung des Benzins - ein erstes Anzeichen einer tiefen wirtschaftlichen Krise im Weltsystem - geführt. "Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und ich dachte: ,Warum nicht gleich alles rationieren? Und wenn ja, warum nicht auf sozialistischer Grundlage? (...) Und wäre es nicht, infolge der rationierten Verteilung, der Kommunismus Babeufs, zu dem die Arbeiterbewegung nun auf höherer Stufenleiter, mit einer dialektischen Spiralenbewegung zurückkehren muß, nachdem fast 200 Jahre lang die ,Springquellen' des kapitalistischen Reichtums voll genossen sind?" (7) Aus utopischem Sozialismus, marxistischer Philosophie und der Erkenntnis über die ökologischen Folgen der Überschuß- und Verwertungskrise im kapitalistischen Industrialismus formte Wolfgang Harich seinen ökologischen Kommunismus, oder - wie er selbst sagte - den homöostatischen, wachstumslosen Kommunismus.

Demokratie oder Despotie

Damit schuf er sich viele Feinde. Zuteilungsbürokrat, Mangelverwalter und Ökostalinist lauteten die durchaus böse gemeinten Schimpfworte. Der dritte Vorwurf wog schwer. An Harichs philosophischem Denken zielte er freilich vorbei. Seine Logik war diesbezüglich messerscharf. Je länger eine ökologische Krisenbewältigung auf sich warten ließe, desto autoritärer würde der Mechanismus sein, der zur Lösung der Menschheitsbedrohungen notwendig würde. Das war ihm einleuchtend. 1979 meinte Harich dazu auf einer Veranstaltung in Wien anläßlich der UN-Konferenz über Wissenschaft und Technik für Entwicklung: "Die Frage ist, ob das ein demokratischer oder ein despotischer Staat sein wird (der die Ökokrise zu lösen im Stande ist). Das hängt davon ab, wie schnell und gründlich man den neuen Weg geht. Je schneller, desto mehr Freiheiten werden übrigbleiben. Je länger Verschwendung und Umweltzerstörung wei- tergehen, um so härtere Maßnahmen wird es brauchen. Zu welchen Gunsten werden diese Maßnahmen sein? Werden sie menschenwürdiges Leben der breiten Masse garantieren - dann zu Ungunsten der Reichen. Damit aber wird die Gefahr eines Öko-Faschismus deutlich. Das ist die Wahl, vor der wir stehen: Öko-Faschismus oder ein homöostatischer, wachstumsloser Kommunismus mit staatlicher Autorität. Angesichts dieser Wahl muß ein Liberaler zum Pessimismus neigen. Ich bin kein Liberaler." (8)

Harichs Fazit: Der Kommunismus sei besser geeignet als der Kapitalismus zur Lösung der ökologischen Krise. Schon deshalb, weil in ihm Produktion als Bedürfnisbefriedigung angelegt ist, Gebrauchswert- vor Tauschwertproduktion geht. Heute, nach 1989, nach dem Zusammenbruch der pervertierten sozialistischen Entwicklungsversuche, heißt das, daß es notwendig geworden ist, für die Rückgewinnung der fundamentalen Grundlage einer nicht verwertungsorientierten Gesellschaft zu kämpfen, für die Rückgewinnung auch des politischen Primats über ökonomische Prozesse. Dafür hat sich Wolfgang Harich in seinen letzten Lebensjahren stark gemacht.

Im Club-of-Rome-Bericht des Jahres 1991 von Alexander King und Bertrand Schneider - "Die globale Revolution" - erkannte Harich eine reiche Materialsammlung, um diesem Ziel näher zu rücken. Als die drei zentralen Weltprobleme werden darin genannt: der militärisch-industrielle Komplex und seine Destruktionskapazitäten; die drohende Klimakatastrophe, insbesondere die globale Erwärmung der Erde; die Weltarmut, von der Kluft zwischen Norden und Süden ausgehend. Harich nahm den Club-of-Rome-Bericht 1991 als Beweis für die Umsturzreife der Welt. Wie King und Schneider forderte er die "große Revolution auf globaler Ebene", (9) ohne die die verheerenden Konsequenzen eines Systems nicht aufzuhalten wären.

Und wieder legte sich Harich mit der traditionell denkenden Linken an. Er erkennt die Kernaufgabe der Rettung der Menschheit als solche; und begreift die Tragweite des "neuen Denkens", indem er - auch unter dem Eindruck Michael Gorbatschows - die Menschheitsfrage vor die Klassenfrage stellt. "Wer soll das Subjekt der globalen Revolution sein?", fragt er sich in einem Beitrag zum Club of Rome-Bericht, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: "Alle! Weil die Existenz aller auf dem Spiel steht, muß es möglich sein, jeden einzelnen dahin zu bringen, daß sein elementarer Egoismus sich herausgefordert sieht und so für ein ,weltweit aufgeklärtes und gemeinsames Eigeninteresse` der Menschheit im ganzen gewonnen und mobilisiert werden kann." (10)

Sein revolutionäres Subjekt fand in der Linken wenig Sympathie. Bei Harichs Veranstaltungen zum Club of Rome hagelte es Proteste, die im Vorwurf gipfelten, Harich verriete die Arbeiterklasse. Wie schon in den 70er Jahren antwortete er, daß auch Kommunisten gar keine andere Wahl hätten, als die Ergebnisse des Club of Rome ernst zu nehmen. Die bereits von Hegel erkannte Umschlossenheit der Gesellschaft von der Natur sowie die vielfach bewiesenen Wechselbeziehungen zwischen Natur und Mensch erforderten diese Erkenntnis. In menschheitsbedrohenden Krisen - und nur in solchen - käme eben der Mensch vor der Klasse.

Wolfgang Harich hat es sich mit seinem Kampf gegen menschheitsbedrohende Entwicklungen nicht leicht gemacht. Und sich mancherlei Spott und Hohn - gerade in der Linken - ausgesetzt. Als Bote der schlechten Nachricht war er freilich immer der falsche Adressat wachstumsfetischistisch motivierter Kritik. Um so mehr, als er nie vergessen hat, die Profiteure der ökologischen Krise als Verantwortliche beim Namen zu nennen.

Der Beitrag erscheint im Herbst 1996 in leicht geänderter Form in: "Wolfgang Harich - Streiter für ein besseres Deutschland". Verlag Edition Ost.



Anmerkungen:

1) Wolfgang Harich, Kommunismus ohne Wachstum? Babeuf und der "Club of Rome". Reinbek bei Hamburg 1975, S. 14.

2) Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie Band 1, Berlin 1977 (nach Hamburg 1890), S. 529 f.

3) Friedrich Engels, Dialektik der Natur. Berlin 1952, S.1 90 f.

4) Wolfgang Harich, Kommunismus ohne Wachstum? S. 64.

5) ebenda,S. 59.

6) Dennis Meadows, Die Grenzen des Wachstums. o.0. (Stuttgart) 1972.

7) Wolfgang Harich, Kommunismus ohne Wachstum? S. 63.

8) aus: Forum Alternativ (Hg.), Dokumentation der Parallelkonferenz zur UN-Konferenz über Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung/UNCSTD vom August 1979. Wien 1980, S.77.

9) Alexander King/Bertrand Schneider, Die globale Revolution. Ein Bericht des Rates des Club of Rome. Erschienen als: Spiegel-Spezial Nr. 2/1991. Hamburg 1991, S.9.

10) Wolfgang Harich, Weltrevolution jetzt. Zur jüngsten Veröffentlichung des Club of Rome. In: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr.8, Dezember 1991. Frankfurt 1991, S.69.



Quelle: ak 389 vom 4.4.1996 ak - analyse & kritik, Zeitung für linke Debatte und Praxis
ak - analyse und kritik Rombergstr. 10, 20255 Hamburg, Tel.: +49-40-4017 0174, Fax.: +49-40-4017 0175, Email ak-redaktion@cl-hh.comlink.de










 

GLASNOST, Berlin 1992 - 2017