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Beiträge zur Ökonomie  









Anneliese Braun

Von der Notwendigkeit, Erwerbs- und Reproduktionsarbeit umzuorientieren - (1)

Vorbemerkung

Obwohl nun schon seit einigen Jahrzehnten eine "Krise der Arbeitsgesellschaft" konstatiert wird, zuerst von Hanna Arendt gegen Ende der 50er Jahre, sind deren Inhalt und Auswege nach wie vor umstritten. Zwar setzt sich inzwischen mehr und mehr die Einsicht durch, daß es sich um eine "Krise der Erwerbsarbeit" handelt. Vor den sich weiter ausdifferenzierenden Auflösungstendenzen des (männlichen) "Normalarbeitsverhältnisses" können selbst wertkonservativ Herangehende kaum noch die Augen verschließen. Jedoch gilt diese Krise noch immer vorwiegend als ein arbeitsmarktpolitisches Problem, auch wenn feministische, ökologische, entwicklungspolitische und andere Einlassungen längst darüber hinausweisen (Carmen, Gore, Möller u.a., 1998). Im Folgenden wird deshalb eine ganzheitliche Sicht auf das Problem und ein pluralistisches Herangehen versucht. Wird die Krise der Erwerbsarbeit als ein mehr oder weniger isoliertes Spezialproblem aufgefaßt, so verengt das auch die Suche nach Auswegen. Der Mainstream geht weitgehend unabhängig sogar von politischer Couleur, ausdrücklich betont oder stillschweigend davon aus, daß Auswege grundsätzlich im Rahmen der - evtl. zu modernisierenden oder zu reformierenden - vorhandenen patriarchal kapitalistischen Ordnung zu suchen seien, sei es neoliberal, sei es neo-keynesianistisch, sei es als Wiederinstallation des abbröckelnden und immer mehr ausgehöhlten Sozialstaates. Die Vorstellungen unterscheiden sich höchstens danach, ob Beschäftigungsprobleme über Förderung des Wirtschaftswachstums zu lösen seien oder über Einsicht in die Realität, daß auch perspektivisch der notwendige Jahresarbeitszeitfonds in der Tendenz absolut abnimmt und deshalb im bestehenden Rahmen Arbeit umverteilt werden müsse.

Am Ende steht allerdings bei den meisten AutorInnen - bewußt oder eher unbewußt - ein Abfinden mit den derzeitigen Tatsachen, wonach ein weiter wachsender Teil der Bevölkerung aus bisher üblichen Erwerbsbiographien ausgegrenzt, in nicht existenzsichernde, informelle Verhältnisse und in Verelendung abgedrängt wird. Werden z.B. die Aussagen der Sächsisch-Bayrischen Zukunftskommission (Beck, 1997, S. 146ff.) zu Ende gedacht, was kommt dabei für Erwerbslose heraus, als ein tatsächlicher administrativer, ökonomischer oder moralischer Zwang zu neuen dienenden Niedrigstlohnarbeiten? Oder die vielfältigen Projekte von "Dritten Sektoren", "öffentlichen Beschäftigungssektoren", Kombi-Arbeiten usw. , nehmen sie nicht in Kauf, daß sich die Ausgrenzung von Beschäftigten zweiter oder gar dritter Klasse weiter verfestigt, als kleineres Übel gegenüber Erwerbslosigkeit? Ganz abgesehen davon, daß bisher niemand nachweisen konnte, daß und wie mit solchen Programmen Erwerbslose tatsächlich in Größenordnungen eine Perspektive zugunsten von existenzsichernden Arbeitsplätzen erhalten können. Dadurch motivieren sie aber auch Erwerbslose kaum, sich für deren Realisierung einzusetzen. Natürlich bieten sie Arbeitslosen zeitweilige persönliche Lösungen, wenn auch einem verhältnismäßig kleinen Teil. Die Programme erfüllen somit im sehr begrenzten Ausmaß sozial- und arbeitsmarktpolitische Funktionen und bieten der Mehrheit von Erwerbslosen kaum Perspektiven. Dies gilt auch für die meisten Umverteilungskonzepte von Arbeit, einschließlich der Arbeitszeitverkürzung. Gerade die Erfahrungen der 90er Jahre zeigen, wie eine angestrebte sozial gerechte Umverteilung von Arbeit in ihr Gegenteil verkehrt wird, wenn sie gewissermaßen auf Zuruf erfolgt, losgelöst bleibt von Umbewertungen der Arbeit und die sozial schwächsten und weniger qualifizierten Personen am ehesten und am meisten in Teilzeitarbeit, in den Vorruhestand, in "freie" Arbeit als "UnternehmerInnen" usw. genötigt werden. Auflösungstrends der klassischen Erwerbsarbeit bringen nämlich keineswegs automatisch etwas Neues hervor.

Auf der anderen Seite beziehen sich aber auch die Widerstände von bereits aus der Erwerbsarbeit ausgegrenzten oder davon bedrohten Personen im Grunde genommen auf Veränderungen im Rahmen patriarchal kapitalistischer Verhältnisse, ohne wenigstens ansatzweise allmählich darüber hinauszugehen (vgl. "Berliner Frühlingspapier" in Contraste, Juni-Heft 1999, S. 3). Auf bloße Umverteilung läuft die Forderung von Gorz nach einem "Grundeinkommen" (2) hinaus, das er neuerdings von der ehemaligen Verbindung mit gesellschaftlich notwendiger Arbeit ablöst, ähnlich wie die schon länger von Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen erhobene Forderung nach Entkopplung von Arbeit und Einkommen. Müßte aber nicht gerade die Idee einer Grundsicherung, die ja von politischen Richtungen unterschiedlich gebraucht und dabei auch mißbraucht wird, müßte diese Idee nicht verbunden werden mit der Forderung, daß jede/r sich seinen Anspruch auf Grundsicherung selbst erarbeiten müsse? Das könnte den Boden bereiten für einen Einstieg in die Durchsetzung des elementaren Menschenrechts auf Existenzsicherung durch eigene Arbeit. Dass das grundsätzliche Veränderungen in der gesellschaftlichen Arbeitsteilung nach Klassen und Geschlechtern bedingen würde und dass es nicht plötzlich umfassend realisierbar ist, zeigt jede tiefergehende Überlegung. Aber müsste nicht wenigstens stärker als bisher damit begonnen werden, allmählich Veränderungen durchzusetzen, die zwar im patriarchal kapitalistischen Rahmen beginnen, aber partiell darüber hinausgehen, wenn die Trends zur Ausgrenzung und zur gesellschaftlichen Anomie mindestens erst einmal gestoppt werden sollen? Seien wir realistisch, wagen wir das Unmögliche (frei nach Che Guevarra)! Das schließt ein, Handlungsbegrenzungen zu überwinden, die nicht zuletzt durch Tabus und Gewöhnung entstanden sind. Bezogen auf die Krise der Erwerbsarbeit bedeutet das, sich vor allem über folgende Fragen selbst zu verständigen:

    1. Tabus zu brechen, dass Lösungen nur im Rahmen patriarchal kapitalistischer Ordnung möglich seien und sich über Konzepte zu verständigen, die in diesem Rahmen beginnen und allmählich darüber hinausgehen. D.h.: Sowohl Maßnahmen im Rahmen des Bestehenden zu realisieren und zugleich damit weiterzugehen, z.B. wenigstens diese Maßnahmen vom elementaren Menschenrecht auf Existenzsicherung durch eigene Arbeit aus zu orientieren. Diese Symbiose scheint schwierig und bisher schwerlich gelöst, sie wird aber auch kaum angestrebt.

    2. Um eine Symbiose in diesem Sinne zu erreichen, wäre die Krise der Erwerbsarbeit nicht allein als arbeitsmarktpolitisches Problem zu behandeln. Letztendlich treffen sich viele aktuelle Krisenerscheinungen in der Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels zugunsten der Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit, auf den im Folgenden noch eingegangen wird. Er könnte einen gemeinsamen Nenner u.a. für längerfristige Auswege aus der Krise der Erwerbsarbeit, der ökologischen Krise und aus patriarchalen Diskriminierungen und Deformationen abgeben.

Beide Fragenkomplexe drängen sich als Schwerpunkte für eine Selbstverständigung besonders aus feministischer Sicht auf. Feministische Erkenntnisse und Signale werden noch immer kaum in "gemischten" Aktivitäten, wie in Gewerkschafts- und Erwerbsloseninitiativen integriert, obwohl Feministinnen, wie F. Haug (in: Altvater/Haug/Negt u.a., 1997, S. 172ff.), C. Möller (Möller, 1991, S. 15ff.), G. Notz (in: Dathe (Hg.), 1995, S. 164ff.) nachgewiesen haben, daß Reproduktionsarbeit (d.h. Haus- und Familienarbeit) unbezahlt vor allem von Frauen geleistet wird und dass dies eine Quelle von kapitalistischer Ausbeutung ist. An der Diskriminierung von Frauen haben darüberhinaus aber auch viele Männer nach wie vor teil, die auf der anderen Seite selbst ausgebeutet werden. Jüngste "Männerforschung" und "Geschlechterstudien" machen zwar die Ambivalenz transparent, die zwischen männlicher Hegemonie und Deformationen besteht, mit denen patriarchale Verhältnisse auch Männer belasten. Sie ergänzen in dieser Weise feministische Analysen, führen aber in der Regel soziale Geschlechterverhältnisse nicht bis zu einer Ganzheit gesellschaftlicher Verhältnisse weiter, deren Elemente sich pluralistisch verschränken, betrachten vor allem deren grundlegende Komponenten, Klassen- und patriarchale Unterdrückungsverhältnisse nicht als Einheit. Im o.a. Buch ist der Versuch unternommen, Reproduktionsarbeit und Erwerbsarbeit als zwei Seiten derselben Erscheinung nachzuweisen: der klassenmäßigen und patriarchalen Repressionen, unter denen bestimmte Bevölkerungsgruppen (die Mehrheit) zur Arbeit gezwungen werden. Aus dieser Sicht sind weder Klassenziele ohne Integration patriarchaler Verhältnisse noch nicht-patriarchale Ziele ohne Integration von Klassenzielen lösbar. Im o.a. Buch werden deshalb beide Seiten durchgehend in ihren Verschränkungen berücksichtigt. Das drückt sich bereits in den verwendeten Begriffen "patriarchale Klassengesellschaften" (welche historisch relativ egalitäre Verhältnisse ablösten) und "patriarchaler Kapitalismus" aus, die von vornherein auf eine Integration beider Seiten abzielen. An die Stelle der früher üblichen Deutung von Klassen- und patriarchalen Widersprüchen als Haupt- und Nebenwidersprüche tritt damit deren gleichrangige Verschränkung in jeder Person. Patriarchale und Klassenverhältnisse gemeinsam gewährleisten, dass die Mehrheit der Bevölkerung gezwungen ist, abhängig, d.h. unter Repressionen zu arbeiten. Sie bilden damit zwei Seiten derselben Medaille: Der tendenziellen Unterordnung aller Lebenstätigkeiten unter die "Verwertung des Werts". Aus Sicht einer integrativen Behandlung von Klassen- und patriarchalen Verhältnissen verändern sich Interpretationen und Einschätzungen der Krisenprozesse in der Erwerbsarbeit, Handlungsbedarf und -potentiale. Zudem erfordert dies, pluralistisch heranzugehen und das bedeutet für alle Beteiligten einen Lernprozeß. Dieser berührt im starken Maße die Wechselbeziehungen zwischen (Aufhebung) von Arbeit und Emanzipation, wozu deshalb eine Selbstverständigung nützlich wäre. Dazu soll unter folgenden ausgewählten Aspekten diskutiert werden:

1. Warum ist die Notwendigkeit herangereift, Erwerbs- und Reproduktionsarbeit umzuorientieren?

2. Worauf zielt ein Paradigmenwechsel?

3. Wo finden sich Widerstands- und alternative Handlungspotentiale?


Warum ist die Notwendigkeit herangereift, Erwerbs- und Reproduktionsarbeit umzuorientieren?

Zunächst einige kurze Ausführungen zur begrifflichen Verständigung.

Sowohl "Arbeit" als auch "Erwerbsarbeit" gelten hier als historische Erscheinungen, ebenso wie die institutionelle Trennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit. "Arbeit" bedeutet faktisch eine bestimmte historische Erscheinungsform von notwendigen Tätigkeiten zur Reproduktion des Lebens. Sie entstand mit der Herausbildung patriarchaler Klassengesellschaften, speziell mit tributären Produktionsweisen und mit Warenproduktion.

Tribute und Waren verselbständigten die materiellen Mittel zum Leben gegenüber dem Leben selbst, entwickelten sich quasi zum Selbstzweck und dominierten: Arbeit, die als Überschuss über notwendige Lebensbedürfnisse Tribute oder Waren schuf, auf welche Art auch immer - ebenfalls durch Raub, Krieg u.ä.m. - war von den jeweils Herrschenden gefragt.

Reproduktionsarbeit jedoch entzog sich dieser Bestimmung, obwohl auch sie unter Repressionen erzwungen wurde: Wäre die menschliche Gattung auf Dauer als Tribut oder Ware reproduziert worden, so hätte das die Zerstörung von menschlicher Substanz bedeutet. Reproduktionsarbeit wurde deshalb nach einer nachweisbaren Periode von Versuch und Irrtum unter patriarchalen Abhängigkeitsverhältnissen organisiert, wurde somit unsichtbar und unbezahlt. Erst die neuere feministische Bewegung brachte mit der Hausarbeitsdebatte (Hanna Behrend, Marxismus und Feminismus. Inkompatibel oder verwandt? Vortrag in Elgersburg, März 1999) wieder in das öffentliche Bewußtsein, daß diese unsichtbare Arbeit einen blinden Fleck in der Theorie und Praxis von Arbeit darstellt und daß alternative Vorstellungen sie von vornherein mit einschließen müßten.

Reproduktionsarbeit gewinnt aber noch aus einem anderen Grunde hohe Aktualität: Mit den Tendenzen zur totalen Vermarktung aller Lebenstätigkeiten werden nämlich zunehmend weitere Elemente der Reproduktionsarbeit in Erwerbsarbeit verwandelt (so das Stillen in industriell hergestellte Milchpräparate, das Beaufsichtigen von Kleinkindern in die Produktion von elektronischen Geräten). Innovationen wie Reproduktionstechnologien, Gentechnologien, Organzüchtungen und - verkäufe drohen in ihrer derzeitigen Ausrichtung die Reproduktionsarbeit der Eltern, besonders der Frauen an Ärzte, Chemiker und dergleichen zu verlagern. Klonen, Patente für Lebewesen eröffnen weitere Möglichkeiten. Die Horrorvision der Verwandlung des Lebens in Ware ist bereits real. Wenn - zugespitzt ausgedrückt - sich in der Tendenz Reproduktionsarbeit in Erwerbsarbeit umzuwandeln droht, markiert das allerdings keine Lösung für die bisher fehlende Anerkennung von Reproduktionsarbeit, sondern kennzeichnet eher die tendenziell totale Herrschaft von Vermarktung über das Leben und damit seine Deformation und irreversible Zerstörung.

Als Erwerbsarbeit gilt hier jede Arbeit, die um der Mittel für den Erwerb wegen geleistet wird, d.h. gegen Bezahlung, die dann zum Erwerb notwendiger und anderer Waren dient. Sie beruht hauptsächlich auf Lohnarbeitsverhältnissen. Im Jobben prägt sich die Erwerbsarbeit am deutlichsten aus, besonders ihre zwiespältige Tendenz, gegenüber der Art und Weise, dem Inhalt der Arbeit und dem Arbeitsprodukt mehr oder weniger gleichgültig zu sein. Unterschiedliche konkrete Arbeiten bündeln sich unter dem gemeinsamen Band des Geldeinkommens. Die Erwerbsarbeit hat sich längst über die klassische Lohnarbeit hinaus ausgeweitet und ausdifferenziert. Selbst Personengruppen gehören heute quasi zu Erwerbstätigen, die zwar formal gesehen, ihre Arbeitskraft nicht verkaufen, deren Existenz aber weitgehend vom Markt bestimmt wird, wie viele der Handwerker u.ä.m. Die Bezeichnung als Erwerbsarbeit kennzeichnet die derzeitigen abhängigen Arbeitsverhältnisse treffender als der Begriff der Lohnarbeit, weil sie die tendenziell totale Vermarktung von Lebenstätigkeiten ausdrückt. Sie kann z.B. auch die lohnabhängig beschäftigten WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen fassen, die nicht nur ihre "Arbeitskraft" verkaufen, wie es der klassische Begriff der Lohnarbeit voraussetzt, sondern faktisch ihre Persönlichkeit selbst, ursprünglich freiheitliche menschliche Lebensäußerungen, die Marx mit dem Begriff der "allgemeinen Arbeit" kennzeichnete.

Wegen der Veränderungen in der Erwerbsarbeit, die vor allem seit etwa Mitte dieses Jahrhunderts sichtbarer geworden sind, interessiert hierbei im Vergleich zu Hannah Arendt (Arendt, 1992) und Andre Gorz (Gorz, 1994) vor allem der historische Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und Vermarktungsprozess. Gefragt wird nach Trends, die auf Ambivalenzen hinweisen, auf Entwicklungsgrenzen, auf Widerstandspotentiale gegen tendenziell totale Vermarktung. Aus dieser Sicht kann die Problematik der Erwerbsarbeit nicht isoliert auf ihre Krise und auch nicht allein auf die Massenlangzeiterwerbslosigkeit reduziert werden, sondern muss mit den jeweiligen gesellschaftlichen Gesamtprozessen verbunden werden. Von diesem Standpunkt aus wird deutlich, daß sich Wendepunkte herausbildeten, sichtbar geworden besonders seit den 60er/70er Jahren dieses Jahrhunderts, die erkennen lassen, dass Erwerbsarbeit beginnt, als historische Erscheinung überflüssig zu werden, dass ihre von Marx bereits angesagte "Aufhebung" auf der Tagesordnung steht, dass diese aber keineswegs automatisch und plötzlich erfolgt, sondern eine konkrete Utopie im Blochschen Sinne verlangt, um sich über alternatives Handeln zu verständigen. Diese Wendepunkte begründen die herangereifte Notwendigkeit, Erwerbs- und Reproduktionsarbeit aus der direkten und indirekten Vermarktung herauszulösen und umzuorientieren.

Um welche Wendepunkte in der Erwerbsarbeit handelt es sich hierbei?

1. Die Verallgemeinerung der Erwerbsarbeit charakterisiert eine neue Entwicklungsstufe, indem die Mehrheit der Bevölkerung - dabei zunehmend Frauen - ihren Lebensunterhalt über Erwerbsarbeit sichert und andere Subsistenzquellen wie bäuerliche Nebenwirtschaft, Gartenbau als Nahrungsquellen usw. minimiert sind. Verallgemeinerung der Erwerbsarbeit ist quasi die Kehrseite der tendenziell totalen Vermarktung aller Lebenstätigkeiten und demzufolge ihrer Umwandlung in Erwerbsarbeit. Fitness z.B., früher individuell oder in Vereinen betrieben, wird zur Domäne von entsprechenden Unternehmen; Warenbeziehungen sind bereits stark in Gesundheitsdienstleistungen eingedrungen, ihr weiteres Vordringen erfolgt gerade im Kampf gegen noch sozialstaatliche Lösungen.

Verallgemeinerung von Erwerbsarbeit bedeutet, dass das Eingebundensein in Warenbeziehungen dominiert, Arbeit überwiegend in abhängigen Positionen erfolgt, was abhängig Beschäftigte deformiert. Ob Erwerbsarbeitsplätze geschaffen oder vernichtet werden, entwickelt sich unter den Bedingungen einer "Krise der Erwerbsarbeit" von Seiten derjenigen, die auf Erwerbsarbeitsplätze angewiesen sind, immer mehr zum einzigen Kriterium bei wirtschaftlichen Entscheidungen, unabhängig davon, ob sie als Konsumenten und Steuerzahler dafür bluten und am Ende mehr bezahlen müssen, als sie an zusätzlichen Einkommen aus der Erwerbsarbeit erreichen. Zugleich damit werden aber Erwerbstätige nicht nur zum/r Mittäter/in bei der ökologischen Zerstörung, sondern auch der Deformation und irreversiblen Vernichtung menschlicher Lebenssubstanz, denn: mit der massenhaften Verwandlung bisheriger Eigen- und unbezahlter Tätigkeiten in bezahlte Arbeiten fallen auch Schutzmechanismen des Lebens. Verallgemeinerung der Erwerbsarbeit bedeutet letztendlich die Gefahr, daß Menschen in Arbeits- und Konsumtiere verwandelt werden, wenn sich neue Schutzmechanismen nicht herausbilden oder noch nicht greifen.

Worauf können sich Schutzmechanismen gründen? Kurz gesagt: Auf die konsequente Analyse, Ausnutzung und Beeinflussung der Warenbeziehungen selbst! Die "Arbeitskraft" ist - ebenso wie die Natur - nämlich keine Ware im klassischen Sinne des Begriffs. Marx charakterisierte die Waren als arbeitsteilig hergestellte, beliebig vermehrbare und als Privateigentum ausgetauschte Gebrauchswerte (MEW, Bd. 23, S. 55). Waren verkörpern sich angemessen in materiellen Gebrauchswerten. Deshalb bildete die Produktion vom Mitteln zum Leben ursprünglich das adäquate Feld für die Entwicklung von Warenbeziehungen. Der Vermarktung wohnt jedoch bekanntlich ein Bereicherungs- und Ausweitungsdrang inne, der dazu führt, immer mehr Lebenstätigkeiten in Erwerbsarbeit zu verwandeln, deren Ergebnisse ver- und gekauft werden müssen. Insbesondere Naturressourcen und Arbeitskräfte, neuerdings vor allem Kapazitäten persönlicher Dienstleistungen werden zu Waren. Marx konnte die Arbeitskraft noch als Ware behandeln, weil zu seiner Zeit Lohnarbeitende überwiegend körperlich Arbeitende waren, deren Arbeitskraft-Verausgabung tatsächlich noch vorwiegend durch die Zeit bestimmt wurde, während der sie im unmittelbaren Arbeitsprozeß standen. Die heutige Verallgemeinerung der Erwerbsarbeit macht deutlicher, dass die Arbeitskraft eben nur eine "fiktive Ware" ist. Dieser Begriff stützt sich auf Polanyi (Polanyi, 1990, S. 19,20,112,329), wird aber hier in einigen Punkten davon abweichend gebraucht. "Arbeitskraft" als "fiktive Ware" bedeutet, dass sie nicht zu trennen ist von ihrer/m Träger/in, dem Menschen und dass dieser seine Reproduktion nicht sichern kann, wenn diese allein nach Warenkriterien verläuft. D.h.: Die Ware wird reproduziert durch die in ihr enthaltene gesellschaftlich notwendige Arbeit. Je weniger davon verausgabt wird, desto besser, denn dann sind in der gleichen Zeit mehr Gebrauchswerte verfügbar. Menschen als Träger der Arbeitskraft hingegen werden reproduziert durch die Gesamtheit aller Lebenstätigkeiten und je mehr freiheitliche Tätigkeiten sie ausführen können, desto erfüllter ist ihr Leben! In der Renten- und in der Gesundheitsdiskussion z.B. ist derzeit angelegt, dass und wie ältere und mittellose Menschen als nicht mehr oder relativ weniger vermarktungsfähige Wesen in ihrer Lebensqualität und schließlich gar in ihrem Leben selbst eingeschränkt werden, wenn sich die Tendenz zur totalen Vermarktung fortsetzt. Faktisch wird hierbei in neoliberalen Konzepten nicht nur die Arbeitskraft, sondern die menschliche Lebenstätigkeit als tatsächlich uneingeschränkte Ware behandelt.

In der "fiktiven Ware Arbeitskraft" jedoch sind grundsätzlich Ambivalenzen zwischen den Lebenserfordernissen und ihrer Befriedigung über Erwerbsarbeit angelegt. Erwerbstätige erkaufen sich ihre Teilnahme an der Erwerbsarbeit zunehmend um den Preis einer irreversiblen Zerstörung von Lebensgrundlagen (Ökologie, gesellschaftliche Anomie usw.). Hierin drückt sich das Janusgesicht der Erwerbsarbeit aus! Ein Beispiel dafür war u.a. der Streik der DASA-Beschäftigten zugunsten der Produktion des Euro-Fighters. Erwerbsarbeit erfüllt damit aber immer weniger ihre Funktion für die Arbeitenden, den Lebensunterhalt zu sichern: Lebensmittel zu produzieren ist mit einem solchen Rucksack von Pseudo-Gebrauchswerten belastet, dass per Saldo die Gefahr droht bzw. bereits real ist, dass ein Substanzverzehr von Leben erfolgt, patriarchal und klassenmäßig sowie ethnisch allerdings differenziert.

2. Mit ihrer Verallgemeinerung brachte die Erwerbsarbeit zugleich Effekte hervor, die sie insofern überflüssig machen, als sie ihre Aufhebung ermöglichen: Die weitgehende Sättigung mit notwendigen Mitteln zum Leben, die für Industrieländer seit den 60er/70er Jahren dokumentiert (u.a. Schöll, W., 1985; Keynes in: Zinn, 1997, S. 155) und im Gefolge einer anderen Globalisierung auch für industriell weniger entwickelte Länder möglich ist (vgl. van Dieren, 1995). Die Warenwirtschaft erwies sich historisch mit dem wirtschaftlichen Wachstum als die am besten geeignete Art und Weise, notwendige Lebensbedürfnisse zu befriedigen; wenn auch immer diskontinuierlich, polarisiert, patriarchal und klassenmäßig differenziert, mit faktischen Menschenopfern. Dennoch ging Wirtschaftswachstum (gemessen am Bruttosozialprodukt) längerfristig gesehen mit einer Zunahme der Anzahl der Erwerbstätigen einher und diese realisierte sich in weiterer Steigerung der Arbeitsproduktivität: Je höher das Tempo des Wirtschaftswachstums und je größer die Zunahme der Erwerbstätigenzahlen, desto mehr stieg im Trend die Arbeitsproduktivität. Abgesehen von Krisen und Kriegen waren diese Zusammenhänge eine der Grundlagen, weshalb sich bei nicht wenigen lohnabhängig Beschäftigten die Meinung bildete: Was gut ist für das Kapital, ist auch gut für die Erwerbsarbeitsplätze.

Jedoch sind inzwischen auch hierbei Wendepunkte eingetreten. Die Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen (grundsätzlich aber ebenfalls der Gesamtzahl der Arbeitsstunden) ist inzwischen abgekoppelt sowohl vom Wirtschaftswachstum als auch von der Arbeitsproduktivität. Die Beschäftigungsschwelle des Wirtschaftswachstums (3) von 2,5% in Deutschland wird kaum noch erreicht. Kürzlich hat zwar die Deutsche Bank eine Senkung auf 1,75% prognostiziert; sehr wahrscheinlich liegt dem u.a. bereits die weitere Zunahme der Niedrigstlohnsektoren zugrunde. Analysen zeigen zudem, dass auf Dauer nicht mehr auf das Wirtschaftswachstum als Quelle für zusätzliche Beschäftigung gehofft werden kann, weil dem strukturelle Veränderungen entgegenwirken: Neben den o.a. Sättigungstendenzen sind dies vor allem die Grenzen des vorwiegend extensiven Wirtschaftswachstums, die strukturellen Auswirkungen von Intensivierung, die weitgehend erreichten räumlichen Grenzen von Vermarktung, ihre Kompensationen durch Eindringen in unmittelbare Lebensbereiche und die vom Markt faktisch aufgegebenen Gebiete. Selbst Zeit wird in Markt-Raum umgewandelt, wenn sie sich in virtuellen Welten verausgabt.

Zudem zeigen Trends und Prognosen, dass bei Fortsetzung bisheriger Entwicklungen der 90er Jahre, wie Bürgerkriege, Umweltkatastrophen, Dequalifizierungen, Massenlangzeitarbeitslosigkeit die Arbeitsproduktivität sinken würde. Damit droht bereits die reale Gefahr, dass ein Überleben selbst in Bezug auf die notwendigen Lebensbedürfnisse keineswegs mehr ohne weiteres und ohne grundsätzliche Veränderungen erreichbar ist. Von diesen existentiellen Problemen sind die Vorschläge unterschiedlicher Couleur weit entfernt, wenn sie Erwerbslose irgendwie, wie mit dienenden Arbeiten in einem "Dritten Sektor" beschäftigen wollen. Damit würden Symptome behandelt. Tatsächlich erfordert Überleben bereits einen Paradigmenwechsel: Eine Umorientierung und damit eine Aufhebung der Erwerbsarbeit, verbunden mit anderen Strukturen und einer Teilnahme aller an den notwendigen Lebenstätigkeiten. Das schließt ein, dass heutige Erwerbslose wieder in Leben erhaltende, Gebrauchswerte schaffende Tätigkeiten kommen müssen. Eine Erwerbsarbeit um jeden Preis und irgendeine "Ersatzarbeit" helfen vielleicht einzelnen Menschen persönlich, lassen aber die Destruktivkräfte sich ungehindert weiter ausbreiten und beeinträchtigen damit allerdings die Lebensgrundlagen für alle.

3. Unter den genannten Bedingungen werden fortgesetzt Produktivitätssteigerungen, also Ressourceneinsparungen, die potentiell Freiheit ermöglichen, in das "Reich der Notwendigkeit" rückverwandelt. So entsteht ein Paradox, daß je materiell reicher die Gesellschaft, desto geringer die Freiheitsspielräume werden (was natürlich kein deterministischer Zusammenhang und auch kein automatischer ist). Aber wenn ihrem Sinn nach freiheitliche Lebenstätigkeiten, wie Wissenschaft und Kunst betreiben, als Erwerbsarbeit organisiert werden, dann unterliegen sie den Regeln des "sich rechnen lassen".

Die angeblichen Sachzwänge der Rationalisierung und des Sparens kehren auf diese Weise auch das Ziel, mehr Erwerbsarbeitsplätze zu schaffen, in das Gegenteil um, schaffen aber zugleich zunehmende Unfreiheiten im Geistesleben, in der Politik usw., wenn sie hingenommen werden. Dieser fehlerhafte Kreislauf müßte durchbrochen werden, indem freigesetzte Ressourcen nicht mehr vermarktet, also auch nicht in Erwerbsarbeitsplätze verwandelt werden, sondern jeder/m für zivilgesellschaftliche Aktivitäten zur Verfügung stehen. Das würde allerdings hinwiederum eine Umbewertung und auf ihrer Grundlage eine Umverteilung notwendiger Gesamtarbeit voraussetzen. Auf jeden Fall ist die derzeit verbreitete Forderung, ungetane, aber gesellschaftlich sinnvolle Arbeit in Erwerbsarbeit zu verwandeln (u.a. Arbeitsgruppe 1998, S. 160ff.), aus dieser Sicht freiheitlicher Spielräume kontraproduktiv. Schon allein die Frage, was "gesellschaftlich sinnvoll" ist, kann nicht ohne eine Umbewertung der Arbeit beantwortet werden, die auf eine Erhaltung von Lebensgrundlagen zielt.

Strukturveränderungen in der Erwerbsarbeit verdeutlichen, daß in ihr auch die Möglichkeiten heranwachsen, einen Paradigmenwechsel vorzunehmen. Beispielhaft sei an die sich neu herausgebildete Gruppe der "Wissensangestellten" erinnert, die sich von schätzungsweise 5% in den 70er Jahren auf rd. 15% Mitte der 90er Jahre erhöht haben, bezogen auf alle lohnabhängig Beschäftigten und für das Jahr 2010 mit 15-18% prognostiziert werden (Tessaring, S. 118). Information, Wissen, Kommunikationsfähigkeit, Lernfähigkeit u.ä.m. sind aber gerade jene Ressourcen, von denen heute Zukunftsperspektiven abhängen.

Ob und wie diese Möglichkeiten zu Widerstand gegen neoliberale Politik und zu Handlungen im Sinne nichtpatriarchaler und nichtkapitalistischer Alternativen werden, hängt von vielen Faktoren ab; sie bleiben aber immer auch Möglichkeiten, schon wegen der Ambivalenzen einer fiktiven Ware Arbeitskraft.

Die angesprochenen Wendepunkte begründen, daß ein Paradigmenwechsel herangereift ist.


Worauf zielt ein Paradigmenwechsel?

Probleme eines "Paradigmenwechsels" wurden im o.a. Buch aufgegriffen, auch wenn der Autorin bewußt war und ist, daß damit Unfertiges und weiter zu Untersuchendes vorliegt. Ein Paradigmenwechsel drängte sich aus den aktuellen Trends und ihrer Deutung heraus auf. Er ist allerdings aus theoretischer Sicht zwar in Ansätzen darstellbar, seine weitere Ausgestaltung hängt aber auch davon ab, wie er in praktisches Handeln eingeht, das wiederum Anregungen für theoretische Anreicherungen liefert. Eine Selbstverständigung darüber wäre wichtig, denn nach eigenen Beobachtungen stößt die Idee eines Paradigmenwechsels nach wie vor verbreitet auf Verständnislosigkeit und ziemliche Ablehnung. So erfuhren Vorschläge von Adam Schaff (1992) und von Robert Kurz (in: Krisis 15, S. 95ff.) zugunsten einer Aufhebung von Erwerbsarbeit und von Arbeit überhaupt verbreitet eine strikte Zurückweisung. Allerdings spielten dabei weniger sachliche Argumentationen eine Rolle, sondern eher feste Positionen, von denen aus "Arbeit" und "Erwerbsarbeit" faktisch als ewige Erscheinungen und nicht als gesellschaftliche und historische gesehen werden, wie das u.a. in der "Vision der neuen Arbeitsgesellschaft" zum Ausdruck kommt (Giarini/Liedtke, S. 12,19ff.). Eine "Aufhebung" von Arbeit gerät dabei in den Geruch, als solle notwendige Tätigkeit zur Reproduktion des Lebens überhaupt beseitigt werden, was ja nicht gemeint ist.

Zudem wird "Aufhebung von Arbeit" gewissermaßen wörtlich gefaßt, als ob plötzlich und per Federstrich "Arbeit" zur "Tätigkeit" werden könne, wohinter dann Wortspielerei vermutet wird. Dass "Aufhebung der Arbeit" bedeutet, sie umzuorientieren, umzustrukturieren und umzuverteilen, was möglicherweise Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lange Übergangsprozesse erfordern kann, wird negiert oder es wird einfach nicht zu Ende gedacht. Ein längerer Übergangsprozeß bedeutet aber keinesfalls, dass es müßig wäre, heute schon etwas dafür zu tun. Denn es könnten ja schon wenige Schritte andere Weichen stellen, wie bei einer schrittweisen Umorientierung der Nahrungsmittelkette auf Produktionen, die weder die Menschen noch die äußere Natur gefährden, ohne dass sofort alle damit verbundenen Folgewirkungen und Erfordernisse erkannt und umgesetzt werden können. Dass nicht zu Ende gedacht wird wiederum, hängt mit einer verbreiteten Aversion gegen Utopien zusammen, mit grundsätzlichem Ablehnen von Vorstellungen, welche die Marktwirtschaft in Frage stellen könnten, von nicht-patriarchalen Ideen ganz zu schweigen.

Zwischen der Einsicht, dass es mit der Erwerbsarbeit so nicht weiter gehen kann, wie bisher und der Folgerung, dass sie "aufzuheben" sei, dass Leben und Überleben auf andere Art und Weise zu sichern ist, liegt der Abschied von einer vermeintlich wieder herstellbaren sozialen Sicherheit, die tatsächlich im gegebenen Rahmen nicht mehr aufrechtzuerhalten ist und über kurz oder lang durch wachsende Polarisierung abgelöst wird - wie das USA-Beispiel zeigt - und die droht, in gesellschaftliche Anomie zu münden. Globalisierung und tendenziell totale Vermarktung haben Tatsachen geschaffen, mit denen zu rechnen ist: Soziale Leistungen werden in der Tendenz zu Waren und Schutzmechanismen des Lebens müssen deshalb gegen die Totalisierung von Warenbeziehungen kämpfen, was einschließt, über die Rahmenbedingungen der patriarchalen kapitalistischen Gesellschaft hinauszugehen. Erst auf diese Weise ist soziale Sicherheit wieder erstreitbar. Eine Selbstverständigung zum Paradigmenwechsel könnte dazu beitragen, diese Zusammenhänge transparenter zu gestalten.

Der Paradigmenwechsel wird in diesem Beitrag als Folgerung aus dem Beziehungsgeflecht zwischen Erwerbsarbeit und Vermarktung angesehen: als Reaktion auf die derzeit sich im Tempo überschlagende tendenziell totale Vermarktung aller Lebenstätigkeiten. Dadurch werden die Ergebnisse fast aller Lebenstätigkeiten zu Waren und dem Leben droht die akute Gefahr, auf ein Element von Warenproduktion und -umschlag reduziert zu werden. Dem kann entgegengewirkt werden, indem an die Stelle der Warenverhältnisse wieder diejenigen Lebenserfordernisse treten, die bisher untergeordnet, unsichtbar und unbezahlt ausgesaugt, deformiert und reduziert werden. Bekanntlich wurden hierbei nicht nur materielle Gebrauchswerte zu Waren, sondern tendenziell alle Lebenstätigkeiten, die in die Menschen und in ihre gesellschaftlichen Verhältnisse selbst eingehen. Anhand der Warenbeziehungen kann aber gar nicht festgestellt werden, ob und wie Lebensgrundlagen reproduziert oder zerstört werden. Zwar wurden praktisch Surrogate eingeführt, wie Ökologische Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Wohlstandsfunktionen, Wert der Hausarbeit. Diese tragen jedoch statistischen, aber nicht Zielcharakter. Sie ermöglichen es mit gewissen Einschränkungen zwar, lebenzerstörende Prozesse zu erkennen, stoßen hinsichtlich der Schlußfolgerungen aber auf die Rahmenbedingungen der patriarchalen kapitalistischen Gesellschaft. Dafür nur ein Beispiel: Die Diskrepanz zwischen den Erkenntnissen über ökologische Erfordernisse und der Ohnmacht bei ihrer Umsetzung. Damit ergibt sich die Frage nach den methodologischen Grundlagen, mit denen Lebenserfordernisse erfaßt werden können. Festzuhalten ist: Die dialektisch-materialistische marxistische wie die klassische und neoklassische bürgerliche ökonomische Theorie haben sehr abstrakt gesehen, die gleiche historische Bezugsbasis, was durch den gleichen Analysegegenstand, die bürgerliche Gesellschaft bedingt ist. Sie beziehen sich auf die Produktionsweise, zentriert auf die Produktivkräfte, entweder der Arbeit oder des Kapitals.

Einer der ersten Schritte zu einem alternativen Ansatz bestünde daher darin, diese Bezugsbasis für die Perspektive in Frage zu stellen und nach Grundlagen zu suchen, die sich im Rahmen des Bestehenden bereits als Vorbereitung neuer, menschenwürdiger gesellschaftlicher Verhältnisse abzeichnen. Deshalb wird im o.a. Buch versucht, alle Lebenstätigkeiten aus der Sicht zu analysieren, wie sie jeweils zur Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit beitragen, denn diese Frage wird in patriarchalen Klassengesellschaften nicht gestellt. Das bedeutet zunächst, den bisherigen Ansatz, bei dem das Sein primär durch die Produktionsweise bestimmt wird, zu erweitern, indem alle Lebenstätigkeiten einbezogen werden. (4) Das betrifft vor allem die unmittelbaren Lebenstätigkeiten, wie die zur Reproduktion der menschlichen Gattung (Haus- und Familienarbeit), für Soziales, für Gesundheitsleistungen, für Kunst, für Wissenschaft usw. Eine Klassifizierung der Tätigkeiten wird im o.a. Buch vorgenommen. Sie bezieht sich auf die von Marx und Engels in "Die deutsche Ideologie" angeführte "Reproduktion des Lebens" (MEW, Bd. 3, S. 20,28-30; Bd. 21, S. 27ff.) in seiner Ganzheit, von der sie im Weiteren nur die Produktionsweise untersuchten, weil diese dem Funktionsmechanismus des Kapitalismus adäquat entsprach.

Ein ganzheitliches Herangehen an die Lebenstätigkeiten bezöge sich hierbei auf die Gesamtarbeit im Sinne von derzeitiger Erwerbs- plus Reproduktionsarbeit, auf alle Reichtums- und Lebensquellen, d.h. Arbeit und (äußere) Natur und auf notwendige und freiheitliche Lebenstätigkeiten. Im o.a. Buch sind dazu eine Reihe von Zusammenhängen konkretisiert. Verkürzt gesagt, drückt sich "Leben" als alternatives Ziel somit in allen Lebenstätigkeiten, in ihrem Zusammenwirken zugunsten der Erweiterung freiheitlicher Tätigkeiten und in ihrer jeweiligen Struktur aus. Es ist hiermit versucht, sich dem "Leben", wie es Maria Mies aus Sicht der Subsistenzperspektive faßt (Mies in: Mies/Shiva, 1995, S. 414; Bennholdt-Thomsen und Mies, 1997, S. 26f.), aus politökonomischer Sicht zu nähern. Damit werden konkrete Lebensbedürfnisse sichtbar, denn eine Umorientierung allein auf "Bedürfnisse der jeweils gemeinsam Wirtschaftenden", wie Carola Möller (Möller u.a., 1997, S. 18) es sieht, reicht nicht, weil offen bleibt, um welche gesellschaftlichen Bedürfnisse es sich handelt.

Aus einer ganzheitlichen Sicht würden Produktivkräfte und unmittelbare Lebenskräfte die Lebenskräfte konstituieren, Produktionstätigkeiten und unmittelbare Lebenstätigkeiten die Lebenstätigkeiten insgesamt; Produktionsverhältnisse und unmittelbare Lebensverhältnisse die Reproduktionsverhältnisse des Lebens. (5)

Dieser Ansatz kann Ausgangspunkt für Umorientierungen sein, indem nach den jeweiligen Auswirkungen auf die Lebenskräfte in ihrer Ganzheit gefragt wird. Ohne Ergebnisse noch anzustellender Analysen vorwegzunehmen, lassen sich mindestens folgende Handlungsbereiche daraus ableiten:

    a) Umorientierung auf die Entwicklung der Lebenskräfte, was Umbewertung der Arbeit und andere Strukturen der Beschäftigung, der Produktion, der Produktivkräfte usw. bedeutet und mit der Durchsetzung elementarer Menschenrechte verknüpft ist. Aus Sicht der Entwicklungspolitik findet sich ein solcher Ansatz u.a. in der "Barefoot Economy" (z.B. Max-Neef, S. 12; Carmen, S. XI), der u.a. deshalb nicht übertragbar ist, weil er Beziehungen zwischen Notwendigkeit und Freiheit (noch) negiert.

    b) Diese Umorientierung ermöglicht eine (alternative) Umverteilung von Arbeit und eine veränderte gesellschaftliche Arbeitsteilung, die eine Gleichheit aller in ihren Beiträgen zur notwendigen Reproduktion des Lebens anstrebt und hervorbringt und damit patriarchale und klassenmäßige Repressionen zur Arbeit erübrigt; "Arbeit" als Repression würde damit aufgehoben.

    c)Letztendliches Ziel einer umorientierten und damit aufgehobenen "Arbeit" wäre die Erweiterung freiheitlicher Betätigung im Sinne zivilgesellschaftlicher Aktivitäten für alle, die eine der wichtigsten Voraussetzungen sind, um mit den technologischen, ökologischen, sozialen und anderen gesellschaftlichen Risiken (wie sie u.a. von Beck in der "Risikogesellschaft zusammengefasst wurden) (Beck, 1986, S. 13ff.) umgehen zu können. Dies würde erfordern, die derzeitigen Trends der Rückverwandlung von potentieller Freiheit in Notwendigkeit umzukehren.

Aus Zeitgründen ist es lediglich möglich, einige Probleme an einem Beispiel zu verdeutlichen und zwar an der "Gleichheit in der Notwendigkeit", die unter Punkt b) angesprochen wurde.

Umverteilung von Arbeit wird derzeit in Form von Teilzeitarbeit, Frühverrentung, Arbeitszeitkonten usw. diskutiert und realisiert, ohne eine Umbewertung im Sinne eines Paradigmenwechsels anzugehen. Das Resultat ist bekannt: Diese Art der Umverteilung verstärkt in der Regel bereits bestehende Polarisierungen und läßt zudem den Spielraum für weitere Umverteilungen immer geringer werden. Fazit: Sollen Konzepte einer Arbeitszeitverkürzung als Grundlage für eine sozial gerechte Umverteilung von Arbeit eine Chance erhalten, müssen sie mit einer Umbewertung von Arbeit im Sinne des genannten Paradigmenwechsels verbunden werden.

Mit dieser Umbewertung tritt das Gleichheitsproblem erneut und anders auf die Tagesordnung. "Gleichheit" wird hierbei betont, weil es als notwendig erscheint, sich über ihren Inhalt wieder neu zu verständigen. Gewissermaßen "in der Luft" liegen Fragen wie: Ist angesichts zunehmender Individualisierung und Ausdifferenzierung Gleichheit noch zeitgemäß? Muss die derzeit dominierende Vorstellung von Gleichheit in der Verteilung und möglichst im Wohlstandsniveau angesichts der Praxis nicht als erfolglos und illusionär charakterisiert werden? Ist schließlich die visionäre Gleichheit in der Stellung zu den Produktionsmitteln korrekturbedürftig, weil sie nur auf Veränderungen in einem isolierten Lebensbereich orientiert, derzeit umfangreiche Widerstandspotentiale ausgrenzt und mglw. nicht Anfangs-, sondern Endpunkt perspektivischer Veränderungen sein wird? Hierbei geht es nicht um eine philosophische Diskussion, sondern um einige Ansätze, die sich aus feministischen Erfahrungen ergeben. Eine Selbstverständigung über "Gleichheit" könnte angesichts zunehmender Polarisierung in der Gesellschaft dazu beitragen, utopisches Denken anzuregen und gehört sowieso zu den Voraussetzungen, solidarische pluralistische Wege zu finden, um gesellschaftliche Krisen zu überwinden. "Postmoderne" Theorien haben die herkömmlichen Auffassungen von Gleichheit in der "Differenz" dekonstruiert. Sie besagen damit jedoch keineswegs, dass es Gleichheit nicht geben kann, sondern dass diese auf einer anderen Ebene zu suchen ist. Dabei geht es nicht um Gleichheit im Sinne einer gleichen Verteilung, z.B. "dass ... mein Lebensstandard weltmaßstabtauglich wird" (KommuneBuch, 229) (6), wie das u.a. Dieter Bensmann von der Kommune Niederkaufungen formulierte, sondern um Gleichheit in den Möglichkeiten, die eigene Existenz zu sichern und damit um ein elementares Menschenrecht auf Existenzsicherung durch eigene Tätigkeit. Dieses Menschenrecht ist mit der Umorientierung auf die Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit verschränkt, denn es bedeutet, dass im Bereich der notwendigen Reproduktion des Lebens die Gebrauchswerte reziprok ausgetauscht werden, was schrittweise alle als Gleiche in die freiheitlichen Lebenstätigkeiten eintreten lässt und pluralistisches Handeln in einer Zivilgesellschaft befördert. Wenn sich jede/r an notwendigen Reproduktionstätigkeiten gleicherweise beteiligen würde, dann interessieren dabei die Differenzen zwischen Männern und Frauen, zwischen Heteros und Homos, zwischen ethnischen Gruppen und Regionen u.ä.m. primär überhaupt nicht. Diese Differenzen kämen erst ins Spiel, nachdem die notwendigen Tätigkeiten geleistet worden sind und ihre TrägerInnen könnten und sollten sich in der freiheitlichen Phase des Lebens entfalten. Diese veränderten Funktionsmechanismen können gewährleisten, dass Erhaltung von Lebensgrundlagen letztendlich tatsächlich als Ergebnis herauskommt.

"Gleichheit" bestünde damit darin, dass keine/r sein Leben zu Lasten anderer Menschen führen kann, dass alle notwendige Reproduktion einbezogen ist, was damit sowohl patriarchale als auch Klassen- und ethnische Ungleichheiten ausschließt. "Gleichheit" bedeutet hiernach nicht allein eine gleiche Stellung zu den Produktionsmitteln, ein Eigentumsrecht an ihnen.

Einen Gleichheitsbegriff, der auf die Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit zielt, wenden bestehende alternative Projekte noch kaum an. Diese Gleichheit ist jedoch keineswegs illusionär, sondern ein notwendiges Element alternativer Veränderungen.

In Basisbewegungen entwickeln sich aktuelle Forderungen nach Gleichheit, die faktisch einen Paradigmenwechsel betreiben, und das ungeachtet dessen, daß Gleichheit im Namen des "Zeitgeistes" verballhornt und verächtlich gemacht wird. Erinnert sei z.B. an feministische Forderungen nach gleichberechtigter Anerkennung von Erwerbs- und Reproduktionsarbeit, an ökologische Forderungen nach einem gleichen Recht auf die Nutzung von Naturressourcen, an entwicklungspolitische Forderungen nach gleichen Menschenrechten für alle, an Forderungen nach einem Menschenrecht auf Arbeit. Diese Gleichheitsforderungen, focussiert auf die Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit, könnten durchaus die Totalisierung der Vermarktung aufbrechen und den derzeitigen Trends zur Abwälzung sozialer, arbeitsmarktpolitischer, ökologischer u.a. Risiken auf unterprivilegierten Menschengruppen entgegenwirken.

Alle diese Forderungen umfassen jeweils bestimmte Aspekte der notwendigen Reproduktion des Lebens (unterschieden von der freiheitlichen). Ihre Vernetzung könnte bedeuten, dass sich ganzheitliche Vorstellungen über gleichheitliche Beiträge zur notwendigen Reproduktion des Lebens herausbilden. Rechte und Pflichten würden sich auf einer gleichheitlichen Basis verknüpfen. Das wäre höchst aktuell als eine Alternative zu den neuerlichen konservativen Einforderungen von Pflichten im Rahmen eines "Dritten Weges", der auf Auflösungs- und Übergangsprobleme reagiert, der aber grundsätzlich im Rahmen des patriarchalen Kapitalismus verbleibt, vor allem abhängigen Bevölkerungsgruppen mehr Pflichten auferlegt, ohne zusätzliche Rechte (z. B. Giddens, S. 81).

Eine der Möglichkeiten bestünde darin, Grundsicherungsmodelle entsprechend zu erweitern, d.h. darum zu kämpfen, dass alle arbeitsfähigen Personen sich ihren Anspruch auf Grundsicherung durch eigene Arbeit erwirtschaften können. Diese Vorstellung gründet sich auf Veränderungen in den Reproduktionsbedingungen der patriarchal kapitalistischen Gesellschaft, die sich in den letzten vier Jahrzehnten vollzogen und die u.a. auch die Grundlagen traditioneller Sicherungssysteme langsam aber sicher aushöhlen. So beschränken die Grenzen des Wirtschaftswachstums ebenfalls das verteilbare Bruttosozialprodukt. Es wird infolge von Strukturveränderungen, von zunehmenden Defensivkosten des Wirtschaftswachstums (also von Substanzverzehr) gerade in einer Zeitperiode in seiner Substanz beeinträchtigt, in der die Abhängigkeit von der Erwerbsarbeit als Existenzquelle allgemein wurde (vgl. S. 4). Damit veränderte sich die Aussagekraft der Produktivitätssteigerung ebenfalls. Grenzen des Wirtschaftswachstums rufen vor allem eine zunehmende Diskrepanz zwischen mächtiger und komplexer werdenden Innovationen und abnehmenden Möglichkeiten, diese in (materielle) Wertsubstanz umzusetzen, hervor. Es charakterisiert nur eine dieser Auswirkungen, wenn durch Erwerbslosigkeit und gering Beschäftigte erhebliche Beitragsaufkommen für Kranken- und Rentenversicherungen ausfallen. Unternehmen versuchen, die Last veränderter Reproduktionsbedingungen auf die ökonomisch und sozial Schwächsten abzuladen. Auf diese Weise droht den Ausgegrenzten Verelendung und/oder informeller und Niedrigstlohnsektor, eine neue dienende Klasse. Damit korrespondieren konservative Grundsicherungsmodelle, die Verelendung in Kauf nehmen. Wenn aber nun schon vieles dafür spricht, dass eine Grundsicherung - sofern sie eingeführt wird - schon tatsächlich keine mehr ist, warum dann nicht gleich damit eine Neubewertung und Neuverteilung von Arbeit auf die Tagesordnung setzen? Das wäre dann allerdings nicht mehr die Grundsicherung in dem bisher bekannten Sinne. Für ein Überdenken dieser Problematik spricht auch, dass mit den Modellen sozialer Grundsicherung letztendlich über Betroffene entschieden wird, die damit faktisch als widerständig Handelnde abgeschrieben sind. Auch eine Grundsicherung sollte mobilisieren, fragt sich nur, wozu: Für den "ersten Arbeitsmarkt" (was sowieso für die Mehrzahl illusionär ist), für Niedrigstlohntätigkeiten oder für eine allmähliche Herausbildung neuer emanzipatorischer Tätigkeitsformen. L. Gubitzer und P. Heintel (in: E. Kitzmüller ... (Hg.), S. 38/39) stellen an die Stelle der Erwerbsarbeit nun Nicht-Erwerbstätige in den Blickpunkt, die bei einem Grundeinkommenssystem (7) materiell abgesichert wären: "Tätigkeiten, die mit dem Leben des Menschen eng verbunden sind", wie Hausarbeit, Kinderbetreuung und -erziehung, Pflege sowie "Tätigkeiten, die die neue gesellschaftlich notwendige Arbeit darstellen", wie bisher ehrenamtliche Tätigkeiten in Menschenrechts-, Umwelt- und Dritte-Welt-NGOs, in Kirchen, Bürgerinitiativen, in kulturellen und politischen Initiativen u.ä.m. Viele der zuletzt genannten Arbeiten wären damit erstmals an ein Einkommen gekoppelt und die AutorInnen stellen diese Vorstellungen in einen alternativökonomischen Zugang zur "Zukunft von Arbeit, Einkommen und sozialer Sicherheit". Trotz materieller Absicherung - die ja ein Positivum darstellen würde - bleiben jedoch dringliche Fragen, die eher dagegen sprechen, dass sich damit emanzipatorische Tätigkeiten aller entfalten könnten: Die von Gubitzer und Heintel genannten Tätigkeiten dienen teils der notwendigen Reproduktion des Lebens und stellen teils ihrem Inhalt nach freiheitliche Betätigungen dar. Wie soll eine gleiche Absicherung (über ein Grundeinkommen) den damit gegebenen unterschiedlichen Emanzipationsspielräumen Rechnung tragen? Gehen die über ein Grundeinkommen materiell abgesicherten Nicht-Erwerbstätigen im Verhältnis zu noch Erwerbstätigen nicht von vornherein als Ungleiche und damit Ungleichberechtigte in die Arbeiten von öffentlichem Interesse ein, wenn auch abgemildert im Vergleich zu den jetzigen Bedingungen? Gehört deshalb eine Gleichheit in den Tätigkeiten zur notwendigen Reproduktion des Lebens nicht weiterhin zu den noch zu schaffenden Voraussetzungen, damit alle ihre Existenz durch eigene Arbeit sichern und als gleichberechtigt in freiheitliche Aktivitäten eintreten können? Wird letztere Frage bejaht, dann ergäbe sich als Konsequenz, Vorstellungen zur Grundsicherung aus einer Umbewertung der Arbeit, d.h. einer Umorientierung auf die Reproduktion des Lebens abzuleiten. Aus der Analyse vorliegender Grundsicherungsmodelle lässt sich eine Reihe von weitergehenden Erfordernissen begründen, wenn aus Sicht einer Umbewertung von Arbeit herangegangen wird. Dazu gehören:

  • Keine Alimentierung für arbeitsfähige Personen, weder eine auf Niedrigstniveau in Armut, noch eine bedarfsgerechte, wie Erwerbslosen- und Sozialhilfeinitiativen sie fordern. Diese würde bestehende Ausgrenzungsverhältnisse befestigen und würde von den Herrschenden auf einem Niedrigstniveau gehalten, denn über eine Arbeitslosenversicherung, wie sie klassisch von den Arbeitenden erkämpft wurde, wäre sie wegen anhaltender Massenlangzeiterwerbslosigkeit nicht mehr zu finanzieren. Alimentierung befördert, sich mit Ausgrenzung aus dem Erwerbsleben abzufinden und bringt die Betroffenen in die Lage einer "Unterklasse", die von vornherein nur ungleichberechtigt auch an öffentlichen Aktivitäten teilnehmen kann.

  • Einen Anspruch auf Grundsicherung sollten alle arbeitsfähigen Personen selbst erarbeiten können. D.h.: Grundsicherung gälte für alle und nicht allein für bestimmte, ausgegrenzte Menschengruppen. Dieses richtet sich sowohl gegen eine Entkopplung von Arbeit und Einkommen als auch gegen zwangsweise Arbeit von Ausgegrenzten. Das würde bedeuten, im patriarchalen kapitalistischen Rahmen zu beginnen, aber würde zugleich dazu motivieren, allmählich in dieser Frage über ihn hinauszugehen (mit Schneeballeffekt).

  • Beim Erarbeiten des Anspruchs auf Grundsicherung wären die derzeitige Erwerbs- und Reproduktionsarbeit zu berücksichtigen, also die Gesamtarbeit.

  • Diese Gesamtarbeit wäre allerdings umzuorientieren auf die Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit, d.h. alle Arbeitspositionen nach ihrem Zweck und ihren Folgen zu befragen. Damit könnte schrittweise u.a. eine Verbindung zwischen Grundsicherung und regionalen Kreisläufen zustande kommen.

  • Schon diese wenigen Punkte zeigen, daß ein Paradigmenwechsel in den Vorstellungen zur Grundsicherung zu Widerständen gegen neoliberale Politik motiviert, aus vorwiegenden Betroffenenproblemen heraus umfassende politische Fragen anspricht, aber auch viele neue Probleme aufwirft, die weiter zu überdenken wären.


    Wo finden sich Widerstands- und alternative Handlungspotentiale?

    Wenn davon ausgegangen wird, dass sich Widerstandspotentiale überall dort herausbilden, wo sich Ambivalenzen zwischen den Lebenserfordernissen und den durch patriarchale kapitalistische Verhältnisse diktierten Lebensbedingungen auftun, dann gibt es vielfältige, breite, meist miteinander verschränkte Widerstandspotentiale: Aus theoretischer Sicht fußen sie - verkürzt ausgedrückt - auf der Existenz von patriarchalen Verhältnissen und fiktiven Warenbeziehungen. Letztere beinhalten tatsächliche oder potentielle Lohnarbeitsverhältnisse, darunter die fast generelle Einbeziehung "allgemeiner Arbeit" im Marxschen Sinne in Lohnarbeitsbeziehungen und gesellschaftliche Zusammenhänge bei der Vermarktung der Natur. Praktisch stecken Widerstandspotentiale in frauenpolitischen, darunter feministischen Bewegungen, in gewerkschaftlichen Zusammenhängen, in noch nicht vermarkteter Parteipolitik, in Erwerbsloseninitiativen, in WissenschaftlerInnen-, KünstlerInnen-Aktivitäten, in autonomen Initiativen, in ökologischen Aktivitäten usw. usf.

    Im o.a. Buch sind ausgewählte Probleme von Widerstandspotentialen aus einer Sicht von "jenseits der Erwerbsarbeit" analysiert worden. Sie beziehen sich auf: Gesellschaftliche Kontrolle und Gestaltung patriarchaler Marktwirtschaft; Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung von Arbeit; "Ersatz-Arbeitsmärkte"; "duale Wirtschaft", darunter besonders Eigenarbeit, Subsistenzarbeit und -perspektive, "Barefoot Economy", nichtpatriarchale Ansätze, wie "Human Economy", gemeinwesenorientiertes Wirtschaften, Ökofeminismus, Frauen in der Humanisierung der Entwicklungslandschaft; selbstverwaltetes Wirtschaften; Kommunen; Möglichkeiten und Defizite von Grundsicherungsmodellen.

    Fazit: "In allen diesen Wegen kombinieren sich Auflösungserscheinungen tradierter Strukturen, Selbsthilfe aus und Hilfe in der Not, aber auch Prozesse, die über die patriarchal organisierte Erwerbsarbeit potentiell oder real hinausweisen. Auflösungstrends sind aber keineswegs eine Perspektive oder Alternative. Sie können einen Ausgangspunkt für diese bilden, müssen es aber nicht." (Braun, 159)

    Warum realisieren sich Widerstandspotentiale noch vergleichsweise wenig in nichtpatriarchalen, nichtkapitalistischen Alternativen?

    Im o.a. Buch ist nur eine kleine Auswahl von Aktivitäten vorgestellt, die sich mehr oder weniger auf einen Weg "jenseits der Erwerbsarbeit" begeben. Dennoch wird deutlich, daß diese viel ausgeprägter und z.T. auch in ihren alternativen Veränderungen vorangeschritten sind, als in der Öffentlichkeit bekannt. Jedoch hat selbst die anhaltend hohe Massenlangzeitarbeitslosigkeit zwar speziellen Aktivitäten Zulauf gebracht, wie den Tauschringen, aber kaum eine Hinwendung des öffentlichen Bewusstseins zur Suche nach nichtpatriarchalen, nichtkapitalistischen Alternativen bewirkt. Nicht zuletzt deshalb verlaufen konkrete Initiativen, seien es von Erwerbslosen, seien es von Umwelt- oder Friedensgruppen oftmals im Sande, verbleiben in Nischen (in denen es sich auch mal gut leben läßt) oder suchen ihr Heil im patriarchalen Kapitalismus, zu dem es anscheinend keine Alternative gibt. Ausgehend von der Analyse im Kapitel IV. des o.a. Buches wird deshalb die Hypothese vertreten, dass vorhandene Potentiale alternativen Handelns derzeit kaum erschlossen werden, weil eine ganze Reihe von Tabus die Sicht verstellen und die Handlungsfähigkeit lähmen. Es wären also Tabubrüche angesagt und nicht lediglich die immer schnellere Ablösung eines wohlklingenden Modewortes durch ein anderes, wie "Zivilgesellschaft" durch "BürgerInnengesellschaft". Dies soll anhand einiger Problemkomplexe belegt werden.

    Verglichen mit dem Kriterium nichtpatriarchaler und nichtkapitalistischer Alternativen ließen die untersuchten Projekte noch erheblichen Handlungsbedarf erkennen:

  • Sie bleiben Nischen, die nach außen wie ein marktwirtschaftliches Unternehmen handeln und im Innern und zu politischen WeggefährtInnen alternative Beziehungen entwickeln, die überwiegend noch patriarchal gestaltet sind (Ausnahme: reine Frauenprojekte).

  • Sie rütteln an der Dominanz vermarkteter Lebenstätigkeiten, indem sie einige Aspekte unmittelbarer Lebenstätigkeiten mit in ihr Handlungsspektrum einbeziehen ("gutes Leben"). Sie entwickeln damit aber kaum emanzipatorische Triebkräfte, weil sie nicht bis zur Ganzheitlichkeit in der Umorientierung vordringen und infolgedessen zwar das "Reich der Notwendigkeit" etwas freier organisieren, aber es kaum als ihre Aufgabe ansehen, das "Reich der Freiheit", sprich vor allem zivilgesellschaftliche Aktivitäten, zu erweitern. Damit begrenzen sie ihr Aufnahmevermögen für Interessenten und wirken kaum als Auswege, denen es nachzueifern gilt.

  • Nachdem eine kritische Substanz alternativer Projekte entstand (vgl. u.a. laufende Berichte in der Zeitschrift "Contraste"), mit z.T. mehrjährigen und über mehrere Jahrzehnte reichenden Erfahrungen, stellt sich die Frage, ob nicht jetzt weitere Schritte zu einem Paradigmenwechsel zu tun und pluralistische Vernetzungen zu betreiben wären, wenn sie mehr als letztendlich marktkonforme Nischen sein wollen.

  • Derzeit fehlt vor allem eine Selbstverständigung darüber, worin denn unter den gewandelten Bedingungen, werden diese als "postindustrielle", "postmoderne" charakterisiert oder vom Ende des Systemwettbewerbs her analysiert, eine Alternative besteht. Die seit den 60er/70er Jahren sich herausbildenden neuartigen Reproduktionsbedingungen haben zwar die Palette der Probleme erweitert, mit denen alternative Bewegungen sich beschäftigen, aber noch nicht zu einem Paradigmenwechsel geführt. Die meisten Bewegungen verbleiben grundsätzlich im Rahmen des patriarchalen Kapitalismus, wollen ihm Ressourcen für die Umverteilung, gegen Verarmung abjagen (als Beispiele sei auf Gewerkschaftsprogramme verwiesen sowie auf Erwerbsloseninitiativen, wie sie u.a. in "quer" veröffentlicht sind). Eine direkte Orientierung auf nichtmarktwirtschaftliche und nichtpatriarchale Veränderungen, die hier und heute beginnen, findet sich selten. Hierbei wäre Carola Möller (Möller u.a., S. 18,19) zu nennen.

    Dabei spielt eine Rolle, dass entweder zum patriarchalen Kapitalismus, speziell zur Marktwirtschaft keine Alternative gesehen oder diese Alternative an einen plötzlichen Bruch in Form einer politischen sozialen Revolution geknüpft wird. Spätestens seit der Implosion europäischer staatssozialistischer Systeme hat sich aber gezeigt, dass politische Revolutionen stagnieren und deformieren, wenn eine alternative sozialökonomische Substanz fehlt oder noch zu gering entwickelt ist, die sich zumindest in einer kritischen Masse im Schoße der bisherigen patriarchalen kapitalistischen Ordnung herausbilden müsste.

    Es ist festzustellen, dass widerständige politische Aktivitäten zu wenig darauf gerichtet sind, alternative sozialökonomische-ökologische Substanz zu schaffen. Mit dem Vorschlag, auf Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit umzuorientieren, soll dazu ein Diskussionsbeitrag geleistet werden. Mit einer solchen Umorientierung könnten z.B. wieder Spielräume für Umverteilung geschaffen werden und damit auch die von abhängigen Bevölkerungsgruppen mit großen Hoffnungen verbundene Arbeitszeitverkürzung eine sozial gerechte Orientierung erhalten.

    Im Zentrum jeweiliger widerständiger Bewegungen stehen derzeit in der Regel Einzelprozesse, wie Aktivitäten zur Milderung oder Überwindung der Krise der Erwerbsarbeit und der ökologischen Krise, antipatriarchale feministische Bewegungen usw. Diese einzelnen Bewegungen tun sich sehr schwer, nach einem gemeinsamen Nenner zu suchen, der im o.a. Buch in den jeweiligen Beiträgen zur Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit gesehen wird. Dadurch blockieren sich die jeweiligen Einzelbewegungen. Feministische Vorstellungen z.B. stagnieren oder werden von konservativen Kräften instrumentalisiert, indem letztere ursprünglich feministische Vorstellungen übernehmen. Das können sie deshalb, weil feministische Bewegungen vielfach bei Geschlechterbeziehungen stehenbleiben und sich nicht pluralistisch einbringen in eine ganzheitliche Umorientierung. Auf der anderen Seite werden einseitig klassenmäßige oder auch ökologisch orientierte Widerstände ebenfalls zahnlos (vgl. ökologische Steuerreform, vgl. viele Gewerkschaftsaktivitäten), wenn sie sich nicht auch auf nichtpatriarchale Positionen begeben. Indem nichtpatriarchale Positionen u.a. bedeuten, unbezahlte Reproduktionsarbeit zu berücksichtigen, bereiten sie damit bspw. einen Einstieg vor, um zu weiteren unbezahlten Leistungen (auch der äußeren Natur) weiterzugehen und damit den Zugang zur Reproduktion des Lebens in seiner Ganzheit zu gewinnen. Deren Erfordernisse beruhen auf den vielfältigen Einzelprozessen und deren Vernetzung. Auf diese Weise können von feministischen - wie von anderen Einzelbewegungen - Motivationen ausgehen, die zu ganzheitlichem alternativen Handeln führen.

    Theoretische Aussagen zu einem Paradigmenwechsel basieren auf Prozessen, die sich in der Praxis offen oder verdeckt bereits vollziehen. Im günstigsten Fall könnten sie Anregungen für die Praxis geben, deren weitere Entwicklung und Bedürfnisse wiederum theoretische Überlegungen vorantreiben. Pluralistisch heranzugehen, bedeutet deshalb, jeweilige eigene Reproduktionserfordernisse möglichst voll einzubringen und nicht zugunsten anderer zurückzustecken. Gerade weil bisherige Ansätze überwiegend von der Marktgesellschaft aufgesogen wurden, spricht das dafür, auf pluralistische Weise den Paradigmenwechsel voranzubringen.



    © Anneliese Braun, Berlin 1999





    Fußnoten:


    Es handelt sich um Schwerpunkte einer Buchvorstellung: "Arbeit ohne Emanzipation und Emanzipation ohne Arbeit?" von Anneliese Braun, erschienen in der Reihe: Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft, hg. v. H. Behrend, Berlin, 1998

    2 Das Buch von Gorz ist in Deutschland noch nicht erschienen. Auf seinen Inhalt wird anhand von Auswertungen in: E. Kitzmüller und Paul-Horn, I. (Hg.) Bezug genommen.

    3 Die Beschäftigungsschwelle des Wirtschaftswachstums kennzeichnet das Wachstumstempo, von dem an zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden.

    4 Bekanntlich hat bereits Hannah Arendt in Frage gestellt und kritisiert, dass alle menschlichen Tätigkeiten auf das Arbeiten und alle politischen Verhältnisse auf das Herrschaftsverhältnis reduziert werden, weil das die Möglichkeiten der Menschen "verkrüppelt und pervertiert" hat (Arendt, 1994, S. 380). Ihre Klassifizierung der drei Grundtätigkeiten: Arbeiten ("Animal laborans"), Herstellen ("Homo faber") und Handeln schließt faktisch die Reproduktionsarbeit aus. Obwohl Hannah Arendt betonte, dass Frauen und Sklaven ein "arbeitsames" Leben führten, unterschied sie zwischen dem "Arbeiten des Mannes, das der Nahrung dient" und dem "Gebären der Frau, das der Fortpflanzung dient" (Arendt, 1992, S. 33). Sie fasst damit nicht die Gesamtarbeit, die zur notwendigen Reproduktion des Lebens erforderlich ist, sondern lediglich diejenige im Bereich der Produktion von Mitteln zum Leben.

    5 Diese Auffassung unterscheidet sich von der "(Re)produktion gesellschaftlicher Produktionsverhältnisse" oder "Reproduktionsanalyse" (Althusser/Balibar, S. 346ff, 361ff,365), dadurch, dass sie nicht - wie es Althusser und Balibar tun - allein vom Konzept der "Produktionsweise" und von den "Produktionsverhältnissen" ausgeht. "Reproduktionsverhältnisse" beziehen sich damit bei ihnen auf die ständige Wiederholung der Produktion.

    6 Als Maßstab gilt dabei ein "durchschnittlicher Weltlebensstandard" (U. Bensmann in: Das KommuneBuch, S. 228.

    7 L. Gubitzer und P. Heintel unterscheiden zwischen "Grundeinkommen", das nicht an die Pflicht gebunden ist, dafür zu arbeiten und "Grundsicherung", die an die Pflicht zur Arbeit gebunden werden könne. Sie plädieren deshalb für ein "Grundeinkommen", daß die "materielle Absicherung und nicht die Erwerbsarbeit in den Vordergrund" stellt (in: E. Kitzmüller und Paul-Horn, I., S. 38). Es soll in diesem Rahmen nicht über Unterschiede zwischen "Grundsicherung" und "Grundeinkommen" polemisiert werden. Der Begriff der Grundsicherung wird hier weiter verwendet.


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    GLASNOST, Berlin 1992 - 2017